Fische

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Ich war über Jahre einige Kilometer vom Rhein entfernt angesiedelt und ging in meiner Freizeit gelegentlich am Fluss spazieren. Mehr war damals nicht drin. Denn der Rhein, in dem mein Vater noch in jungen Jahren gebadet hatte, war von Chemikalien verseucht. Von Hautkontakt oder gar trinken wurde abgeraten. Dasselbe galt übrigens auch für den wesentlich kleineren Fluss, der meine Heimatstadt in 3 Teile aufteilte: Altstadt, Neustadt und Insel. In diesem Fluss hatte meine Mutter als junger Mensch noch problemlos baden können. Ja, es gab sogar eine öffentliche Badestelle mit Umziehkabine und Wiese. In der Zeit, in der ich groß wurde, gab es dergleichen nicht mehr. Die Flüsse waren plötzlich gefährlich, weil einige Firmen und Gemeinden sich heraus nahmen, dort ihre wenig bis gar nicht geklärten Abwässer einzuleiten.

Als ich einmal mit solchen Gedanken am Rhein entlang spazierte, entdeckte ich in einen Brückenpfeiler ein Aquarium mit Strömung, Gefälle und Flusswasser, in dem ein oder mehrere Fische gegen die Strömung schwammen. Das Ganze gab sich als Umwelt-Mess-Station zu erkennen. Ich blieb erstaunt stehen, schöpfte Hoffnung, bis mir jemand die Funktionsweise des Aquariums erklärte:

In das Aquarium wurde Flusswasser zusammen mit einigen Fischen einer empfindlicheren Sorte eingeleitet. Solang die Fische lebten, schwammen sie gegen den Strom. Waren sie tot, lagen sie auf dem Wasser und wurden von der Strömung abtransportiert und aus dem Sichtfeld des Betrachters entfernt. Jenseits des Aquariums landeten die toten Fische in einem Korb und wurden automatisch gezählt. Indem man maß, wie viele Fische pro Zeiteinheit starben, wusste man, wie schlecht es um den Fluss bestellt war.

Wendepunkt:

Damals gab es Menschen, die es nicht in Ordnung fanden, dass Luft, Boden und Wasser vergiftet werden, die Wälder dem sauren Regen zum Opfer fallen, die Menschen von der Luft krank werden, die sie atmen und die Fische an dem Wasser sterben, in dem sie schwimmen. Sie waren viele, laut, bunt und entschieden. Sie waren ebenso friedlich wie einfallsreich. Und irgendwann konnten die etablierten Parteien sie nicht mehr ignorieren und beschlossen, etwas zu tun. Sie beschlossen Gesetze, die verbieten, das so viel Gift in die Umwelt gelangt.

Die großen Konzerne, die damals von den Gesetzen hauptsächlich betroffen waren, sind daran nicht zu Grunde gegangen. Im Gegenteil, sie haben modernisiert und gehören heute zu den größten ihrer Art weltweit. Der Innovationsschub hat ihnen gut getan. Sie haben sich weiter entwickelt, während andere stehen blieben. Das hat ihnen den entscheidenden Vorteil verschafft. Doch später, seit der Terror der Quartalszahlen und der lebensfernen Metriken in Wirtschaft und Gesellschaft und Politik Einzug gehalten hatten, haben Regierungen und Parlamente sich nur noch selten dazu aufgerafft, ihren Schlüsselindustrien den Sprung in die Innovation zuzumuten, der so nötig ist, um auf Dauer zu bestehen - mit verheerenden Folgen für Firmen, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Derzeit ernten wir - zusammen mit dem, was eine immer hemmungslosere und verrücktere Welt an Hindernisse aufzubieten hat, die Früchte dieser fehlgeleiteten Form, mit komplexen Systemen umzugehen. Und es gibt mindestens 3 Parteien, deren Rezept heißt: "Weiter so!" Und: "Mehr davon! Wir dürfen den großen Firmen die Quartalszahlen nicht vermasseln. Lieber belasten wir die Bürger, die Kommunen, die Umwelt und alle, die sich nicht wehren können, bis zum Anschlag, auch wenn sie längst ihre maximale Tragfähigkeit überschritten haben."

Doch wenn wir alle anderen Systeme großzügig überfordern und schließlich ruinieren, damit sich in dem einzigen System, das zählt - den Finanzmärkten, nichts ändern muss, dann verspielen wir unsere Lebensgrundlagen.

Bürokratie-Abbau:

Als ich erfuhr, wie die Regierungen unter Angela Merkel die Erneuerbaren Energien abgewürgt haben - inklusive der Firmen und Jobs, die dort entstanden waren, war ich entsetzt. Mehr Jobs gingen hier verloren, als in Kohle und Kernkraft noch übrig waren. Oft waren es gesunde Firmen, gut aufgestellt und erfolgreich, denen durch eine Verschiebung der gesetzlichen Grundlagen schlicht der Boden unter den Füßen abhanden kam. Manche hatten Glück und waren international aufgestellt und konnten so auf andere Märkte ausweichen - und überlebten. Manche waren groß und etabliert und erfuhren daher mehr Respekt - oder konnten sich besser wehren. Die anderen stürzten unvermittelt ins Nichts.

Das Leben In Fülle Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt