Ich konnte es nicht glauben! Die ganze Zeit über war ich der festen Überzeugung gewesen, dass Timmy schwul und womöglich in meinen Bruder verliebt war. Doch nun fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war in Poppy verliebt. Aus diesem simplen Grund hatte er Lukas gestern auch so merkwürdig angesehen, nicht weil er ihn mochte, sondern weil er eifersüchtig gewesen war!
Gott, natürlich! Timmy und Poppy verbrachten so viel Zeit miteinander, sie hatten dieselben Interessen, waren beide etwas zu verrückt und ergänzten sich perfekt. Kein Wunder, dass Timmy sich in sie verliebt hatte! Wieso war mir das nicht schon früher aufgefallen? Mit offenem Mund starrte ich Timmy an und hatte nicht den geringsten Schimmer, was ich sagen sollte. Ich wusste, dass er Poppys bester Freund war, dass er ihr sehr viel bedeutete. Aber ich war mir sicher, dass die Beziehung der beiden auf rein platonischer Ebene war, zumindest was Poppy anging, denn die hatte nur Augen für Lukas.
Timmy riss sich von Poppy los und sah mich wieder an. In diesem Moment schien er zu begreifen, dass ich Bescheid wusste. Sein Kopf lief hochrot an und seine Reaktion zeigte mir, dass ich seine Blicke richtig interpretiert hatte.
»Gott Timmy, es tut mir leid. Ich hatte gar keine Ahnung...«, geschockt schüttelte ich den Kopf und legte ihm in einer mitfühlenden Geste die Hand auf den Arm. Timmy räusperte sich, traute sich jedoch kaum den Blick von seinen Schuhspitzen zu nehmen.
»Ja, naja... Ich habe ohnehin keine Chance bei ihr, sie ist in deinen Bruder verliebt.« Er zuckte niedergeschlagen mit den Achseln. In diesem Moment fühlte ich mit ihm mit. Ich konnte seinen Liebeskummer in meiner eigenen Seele spüren.
»Vielleicht solltest du mit ihr darüber reden.« Natürlich war das nicht der beste aller Ratschläge, aber meiner Meinung nach war Reden immer die hilfreichste Option, auch wenn ich selbst nicht oft Gebrauch davon machte.
»Nein, auf gar keinen Fall. Ich würde nur unsere Freundschaft gefährden!« Stieß Timmy hervor und plötzlich sah er mir eindringlich in die Augen. »Drea, versprich mir, dass du ihr nichts davon erzählst!«
»Natürlich nicht! Ich verspreche es.« Ich erwiderte seinen Blick voller Aufrichtigkeit. Auf keinen Fall würde ich mich einmischen. Es war Timmys Angelegenheit, eine Entscheidung, die ich ihm nicht abnehmen würde. Ich konnte ihm lediglich einen Rat geben und für ihn da sein.
»Lass uns rein gehen, okay?« Hörte ich ihn sagen. Sein Blick haftete wieder auf dem Fußboden. Offenbar war ihm die ganze Sache furchtbar unangenehm. Ich nickte zustimmend. Timmy räusperte sich kurz, dann ging er vor mir ins Wohnzimmer. Ich folgte ihm und schlenderte rüber zu Poppy und Noah. Ein kurzer Blick auf die Playlist zeigte mir, dass Gott sei Dank nicht nur Poppys Musikgeschmack vertreten war. Ich half Timmy noch bei einigen organisatorischen Dingen, ehe Poppy und ich ihm unser Geschenk überreichten. Beim Anblick des Skateboards freute er sich wie ein Honigkuchenpferd. Seine Augen strahlten wie noch nie zuvor und das Lächeln reichte ihm von einem Ohr zum anderen. Als er Poppy ansah und sich bei ihr mit einem Kuss auf die Wange bedankte, sah ich es wieder. Ich sah die tiefe Zuneigung in seinem Blick, die Liebe, die er für sie empfand. Und wieder wurde mir schwer ums Herz. Ich fühlte wahrhaftig mit Timmy mit. Zu wissen, dass die Person, an deren Seite man am liebsten wäre, mit jemand anderem zusammen war, schmerzte, sehr sogar. Kurz flammte das Bild von Logans Freundin in meinem Kopf auf. Doch sogleich verdrängte ich den Gedanken wieder und konzentrierte mich auf Timmy. Es war seine Party, ich musste mich zusammenreisen, ihm zuliebe. Also zwang ich mir ein Lächeln auf die Lippen und erwiderte seine Umarmung. »Merci, ma Chérie.«
»Ich hoffe es gefällt dir.« Erwiderte ich lächelnd.
»Mais oui!« Grinsend drehte er das Board und inspizierte es aus allen Richtungen. Im nächsten Moment vernahm ich das Schellen der Tür. Timmy schaute auf und legte das Skateboard behutsam zur Seite. Dann ging er zur Haustür, um die ersten Gäste hereinzubitten. Vom Wohnzimmer aus hatte ich einen perfekten Blick auf den Hauseingang. Neugierig lugte ich hinaus und erkannte Danny, der Timmy freundschaftlich in die Arme schloss. Ich versteifte mich kurz. Wie sollte ich mich ihm gegenüber verhalten?
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Please love me
Storie d'amoreDer erste Band der Please-Reihe! Eine Liebe gegen jegliche Vernunft. Herz gegen Verstand. Worauf würdest du hören? Vor zwölf Wochen war mein Leben völlig aus den Fugen geraten. Ich verlor meine Mutter und meine erste große Liebe. Beides an einem Tag...
