Samstag ( 9. / 10. / 11. / 12. )

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9. Kapitel: ***Zoe***
Reifen rollten über den Kies. Ein Motor wurde abgestellt. Stille. Dann hörte ich zwei Männerstimmen. Ich schlug die Augen auf. Die Lichtstrahlen der morgendlichen Sonne fluteten in mein Zimmer und blendeten mich. Ich kniff die Augen zusammen und hüpfte aus dem Bett. Dann näherte ich mich leise dem Fenster meines Zimmers, das offen stand und linste auf den Hof hinunter. Unten parkte ein dunkler Wagen, ein Junge, der ungefähr gleich alt wie ich zu sein schien, lehnte an der Fahrerseite des Wagens und führte mit dem Fahrer selbst, den ich nicht erkennen konnte, eine heftige Diskussion. Was die Beiden sich an den Kopf warfen, konnte ich von hier oben nicht verstehen. Doch eins war klar; es musste sich um einen neuen Bewohner handeln, denn er hatte einen Koffer neben sich stehen und trug einen Rucksack. Der Fahrer schleuderte dem Jungen etwas an den Kopf, wobei der zurückwich und abwehrend die Hände hob. Er sagte noch etwas, doch das wurde von dem aufheulenden Geräusch des Motors verschluckt. Die Reifen des Wagens rollten über den knirschenden Kies, als das Fahrzeug die Auffahrt hinunter schlingerte. Fassungslos blieb der Junge vor dem Heim stehen und blickte dem Wagen nach, bis er nach einer Kurve aus seinem Blickfeld verschwand...//

***

10. Kapitel: ***Dan***
Hilflos stand ich vor dem Heim auf dem Kies und starrte die Strasse hinunter, dort wo der Wagen um die Kurve gebogen und hinter den dichtstehenden Bäumen verschwunden war. Nebel schwebte in den Baumkronen, liess die Geräusche des Waldes wie von weiter Ferne wirken. Ich hoffte dass er kehrtmachte und mich holen kommen würde. Ich wollte weg von diesem grausamen Ort. Tränen der Verzweiflung stiegen mir in die Augen, wütend über mich selbst, versuchte ich sie krampfhaft weg zu blinzeln. "Hi, kann ich helfen?" Ich drehte mich um. Verdammt, genau jetzt wenn ich heulte, musste jemand auftauchen. Ich versuchte ein Lächeln, was mir aber nicht gelang und eher wie eine hässliche Fratze ausschaute. So fühlte ich mich wenigstens. "Äh, ja... also ich suche das Sekretariat", stotterte ich, völlig überfordert. "Ich zeig's dir", bot das Mädchen mir an und schritt die Stufen der steinernen Treppe hoch. Ich hievte meinen Koffer hoch und folgte ihr. Unauffällig musterte ich sie. Sie war eher klein, hatte dunkelbraune Haare, welche ihr bis über die Schultern reichten und graublaue Augen. Sie trug ausserdem eine ausgebleichte Jeans, Sneakers, ein graues Shirt und eine silberne Kette. Oben angekommen legte sie die Hand auf den silbernen Türgriff und das Portal schwang auf. Unsicher trat ich über die Schwelle und begutachtete den Raum dahinter. Links von mir waren zwei Türen, die eine beschriftet mit Sekretariat die andere mit Aufsichtszimmer. Dahinter zweigte ein Gang ab. Auf der gegenüberliegenden Seite des Eingangs, erhob sich die Treppe nach oben. Rechts, erblickte ich eine Tür, die beschriftet mit 'Keller' war. Zwischen Treppe und Keller zweigte ein weiterer Gang ab. "So, hier ist das Sekretariat, Gepäck kannst du erstmals hier stehen lassen. Alles andere wird dir erklärt werden." Ich nickte, etwas überrumpelt des neuen Umfelds. "Wie heisst du überhaupt?", fragte sie und lächelte dabei. "Dan. Du?" "Zoe", stellte sie sich vor. "Noch was?", fragte ich etwas schroff. "Nein", gab sie abweisend zurück. Ihr Lächeln war verschwunden. "Ausser... Halt dich von Alex und Isaac fern." Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und lief davon. Verwirrt blieb ich völlig allein, in der wie leergefegten Eingangshalle stehen und beruhigte mich erst, bevor ich anklopfte und das Sekretariat betrat...//

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11. Kapitel: ***Georg***
"Du hast was?", fragte ich Sam ungläubig. "Einen Zeitungsartikel ja", schwer atmend lässt sie sich an die geschlossene Zimmertür meines Zimmers sinken. "Es geht um-", "Mordanschläge ich weiss." Meinte ich genervt und verdrehte die Augen. Ich schielte auf die Uhr. Zehn nach neun, morgens. Sam musste sich ganz schön beeilt haben, wenn sie erst vor einer halben Stunde aufgestanden war. Sie kramte den zerknüllten Zeitungsbericht wieder hervor und strich ihn flach. "Also", sagte sie, während sie aufstand und sich neben mir auf mein Bett sinken liess. "Laut einer Aussage eines Kriminalkommissars wurde vor einer Woche den letzten Anschlag in Sydney verübt. Vier Tote und elf schwer Verletzte hinterliessen sie. Ausserdem wurden zwei entführt, welche-" "Wer ist Sie?", unterbrach ich Sam, ehe sie weitersprechen konnte. "Wart doch mal ab!", meinte sie genervt. "Die Kommissare gehen davon aus, dass die Anschläge wieder von Terroristen, einer Gruppe Männer, schwarz gekleidet, verübt wurden. Sie waren in einen Konferenzraum gestürzt, hatten wahllos umhergeschossen, einen angesehenen Chemie Professor und eine junge Journalistin entführt." "Das ist alles?", fragte ich erstaunt. "Ja. Nein, hier steht noch, dass sie die Ermittlungen weiterführen würden, die Gruppe aber schon seit einer Woche wie vom Erdboden verschluckt sei." "Ich glaub das nicht", murmelte ich fassungslos. "Das kann doch nicht sein, oder?" Sam zuckte die Schultern und sah mich vielsagend an...//

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12. Kapitel: ***Alex***
Ein Poltern erklang. Gereizt sprang Isaac vom Boden auf, liess die Kippe fallen und trat über die Schwelle meines Zimmers. Ich überholte ihn und lief zielstrebig zur Treppe. Ein Junge mit Koffer und Rucksack kämpfte sich die Stufen herauf. "Sag mal, geht's noch lauter?", blaffte ich den Jungen an. "Er zuckte die Schultern. "Sorry", murmelte er entschuldigend und wollte sich an mir vorbeidrängen. Ich stellte ihm jedoch blitzschnell ein Bein, sodass er längs auf den Boden knallte. "Oh, bist wohl zu Boden gefallen", spottete ich. "Lass mich", fauchte der Junge und rappelte sich wieder auf. Isaac stellte sich neben mich. "Nix da!", meinte er. Ich entwendete dem Jungen den Rucksack und entleerte den Inhalt auf den Boden. "Sag mal was soll das?", schrie der Junge verzweifelt. "Schnauze!", knurrte Isaac und boxte dem Jungen in die Magengrube. "Wie heisst du?", fragte Isaac, den sich am Boden krümmenden Jungen. "Dan", stiess der hervor und stöhnte. Ich lachte kalt auf. "Dann hör mal gut zu, Dan", zischte Isaac und spuckte dem Jungen ins Gesicht. "Hier stellen wir die Regeln auf, ist das klar?" "Ja", stöhnte der Junge und würgte. "Gut." Isaac nickte langsam. Dann trat er ihm in die Rippen. Ich hatte verstanden. Zusammen schlugen und traten wir nach Dan, der sich am Boden krümmte und versuchte mit den Armen sein Gesicht zu schützen, bis er auf dem Boden schliesslich zuckend und wimmernd liegenblieb. Er schrie auf, als ich ihm ein letztes Mal ins Gesicht trat und ihm eine schallende Ohrfeige verpasste. Dann zog ich mich zurück. "Ach ja und das hier-", Isaac schnappte sich das Mobiltelefon, das aus dem Rucksack gefallen war, "ist hier definitiv nicht erlaubt." Dann zerquetschte er das Gerät mit einer Hand und liess die Reste auf den Jungen regnen. Mit einem grausamen Lachen beugte er sich nieder, bis sein und Dan's Gesicht sich nur noch eine Handbreit entfernt waren und zischte: "Willkommen im Heim!"...//

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