6. Stalker mit roten Augen

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Hey Leute!

Sorry fürs lange warten. Hoffe euch gefällt es trotzdem irgendwie. :)

Würde mich über Feedback freuen. 

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Langsam realisierte ich, dass ich noch immer wie versteinert im Hof stand. Ich bekam nur am Rande mit, wie über mich getuschelt wurde. Aus ihrer Perspektive hatte es wahrscheinlich so ausgesehen, als hätten wir uns innig umarmt und Ryan meinen Hals geküsst. Nicht, dass ich was dagegen gehabt hätte. Verdammt, Lucie! Schlag ihn dir aus dem Kopf, als ob er etwas von dir wollen würde. Vergiss ihn!
Ich entfernte mich wie betäubt immer weiter von der Schule. Die eigentliche Mission, die Englischmappe zu holen, war vergessen.  

Ich machte einen bewusst tiefen Atemzug und angenehme erfrischende Luft strömte in meine Lungen.
Meine benebelten Gedanken wurden Schritt für Schritt klarer und bald erkannte ich, wie dumm ich mich eigentlich verhalten hatte. Ich hatte mich wie ein hormongesteuerter, pubertierender Teenager benommen, der nichts außer das andere Geschlecht im Kopf hatte. Peinlich berührt schlug ich mir die Hand auf den Kopf. 
Na toll, jetzt war ich das neue Gesprächsthema der Schule. Ich hasste es im Mittelpunkt zu stehen oder generell zu viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn mich viele auf einmal ansahen, brachte ich kein Wort heraus und wurde so rot, dass ich einer überreifen Tomate schon Konkurrenz machen könnte.

Ich dachte noch einmal zurück, wie es überhaupt zu diesem „Zusammentreffen" kommen konnte.

Ich dankte der herzallerliebste Pfütze.

Doch war Ryan nicht am anderen Ende des Hofes und hat mit seinen Freunden geredet? Oder hatte ich mir das vielleicht nur eingebildet?

Nein, sicher nicht! Ich bin zwar tollpatschig und werde schnell rot, aber ich weiß sehr wohl, ob ich etwas gesehen hatte, oder nicht.
Und er war 1000 prozentig nicht so nahe bei mir, sodass er mich auffangen hätte können.

Wurde ich jetzt auch schon verrückt? Was stimmte nur nicht mit mir?

***

Noch immer an mir selbstzweifelnd kam ich zu Hause an. Ich rief nach Mel, erhielt aber keine Antwort. Ich ging in die Küche und sah einen Zettel, der am Kühlschrank mit einem Magneten befestigt war.

Komme heute erst spät in der Nacht nach Hause. Habe noch etwas zu erledigen. Essen steht im Kühlschrank.
Bussi, Mel.

Hinter Mel hatte sie noch ein kleines Herz aufgemalt.
Mit noch schlechterer Laune, wärmte ich mir meine Spaghetti auf und setzte mich missmutig auf die Couch.
Ich zappte durch die Kanäle, doch nirgends lief etwas Interessantes. Da ich eh keinen Lust mehr hatte fernzusehen und mein Hunger schon gestillt war, entschied ich mich, mich schon einmal fürs Schlafengehen fertig zu machen.

Ich lag fertig angezogen in meinem Bett, doch sobald ich versuchte einzuschlafen, erschienen Ryans grünen Augen vor mir. Es war zum Verrückt werden. Ich bekam diese Augen nicht mehr aus meinem Kopf. Er sah zum Anbeißen aus, alles war perfekt. In seinen Augen konnte man versinken. So wie zwei wunderschöne Smaragde funkelten sie.

Doch irgendwas konnte nicht stimmen. Kein Mensch konnte so perfekt sein. Das war unmöglich. Er sah zu perfekt aus, zu rein, zu makellos. 
Es schien so, als wäre er einem Buch entsprungen. Doch Bücher sind nicht echt, sondern nur reine Fiktion. Also wie konnte er so vollkommen sein?

In meinen Gedanken vertieft, driftete ich ins Land der Träume ab und merkte nicht, wie Mel spät in der Nacht wieder zurückkam.

***

Ich schreckte hoch. Ein Schweißfilm hat sich auf meinem Körper gebildet und mir war unglaublich heiß. Mein Hals war staubtrocken und verlangte nach Wasser.

Ich konnte mich nicht mehr an den Traum erinnern, nur an einen einzigen Teil.
Ryan und ich. Wir befanden uns in derselben Position wie gestern. Es gab nur 2 Unterschiede.
Erstens waren wir alleine und zweitens schrie ich wie am Spieß. Ich hatte noch mein vor Schmerzen verzogenes Gesicht vor Augen. Mein Gesicht war kahlweiß und meine Augen waren vor Schreck geweitet.

Trotz der Gänsehaut, die sich über meinen Armen ausbreitete, war mir noch heiß. Ich glühte richtig.

Ich ging zum Fenster und öffnete es. Doch das, was ich in unserem Garten sah, verschlug mir den Atem.

Rote Augen blickten mir entgegen. Diese waren direkt auf mich gerichtet. Mein Körper fing an wie Espenlaub zu zittern und verspannte sich augenblicklich. Ich war mir nicht sicher, ob ich mir das nur alles einbildete oder ob sich tatsächlich etwas mit roten Augen in meinem Garten aufhielt. Ich schüttelte den Kopf und hoffte, dass diese Gestalt nun nicht mehr dort stand.

Bitte, bitte, sei weg, betete ich.

Ängstlich blickte ich hinaus und fand einen normalen Garten bei Nacht vor. Der Mond erleuchtete das Gras und hier und da reflektierte eine Blume das Mondlicht. Es sah harmlos und gewöhnlich aus. Keine gewisse Gestalt mit roten Augen befand sich dort. 

Langsam war ich mir nicht mehr sicher, ob der Umzug mir gut tat. Seit ich hier war, passierten nur noch komische und unerklärliche Dinge. Angefangen von dem komischen Verhalten Mels, Ryans Begegnung im Hof und schlussendlich diese roten Augen, die anscheinend nur eine Halluzination von mir waren.

Ich glaubte, ich wurde verrückt. Vielleicht war ich es auch. Doch bei einem war ich mir sicher, ich musste herausfinden, was hier alles vor sich geht. Das ist keineswegs normal.

Ohne Mel von diesem Vorkommnis zu erzählen ging ich schlafen. Sie würde mir sowieso nicht glauben.
Wer würde denn einem einfachen Mädchen glauben, dass es von einer Gestalt mit roten Augen verfolgt wurde und einen Jungen für zu perfekt zum Existieren findet?
Niemand. Jeder würde mich für verrückt halten und nur den Kopf schütteln.

***

Piep, piep...

Scheiß Wecker! Nach dem Vorfall dieser Nacht konnte ich nicht einschlafen. Immer, wenn ich die Augen schloss, hatte ich das Gefühl, dass die Gestalt mit den leuchtenden roten Augen sich in mein Zimmer geschlichen hatte und nur auf mein Einschlafen wartete, um mich dann zu töten. Okay, ja vielleicht ein bisschen dramatisch, aber ich war mir sicher, dass keiner es gerne hatte, wenn man vor dem Haus ein Paar wachende rote Augen sah. Da wären mir Ryans grüne schon lieber gewesen. 

Seufzend deckte ich mich auf und schlurfte ins Bad. Dort erschreckte ich mich gleich, als ich in den Spiegel sah. Tiefe Augenringe und fettige Haare blickten mir entgegen. Der Albtraum jedes Mädchens.

Also machte ich mich an die Arbeit und kaschierte meine Augenringe mit etwas Concealer und sprühte mein Haar mit Trockenschampoo ein, da ich keine Zeit mehr zum Haare waschen hatte. Hatte ich schon einmal gesagt, dass ich den Erfinder des Trockenschampoos liebte?

Schnell aß ich ein Brötchen mit Butter und Marmelade, schnappt mir meine Schultasche und ging schnellen Schrittes zur Schule.

Von Weitem konnte ich schon Seli sehen, die mir lächelnd zuwinkte. Wie konnte man in der Früh schon so glücklich und energiegeladen sein? Unglaublich.
Dann auf in einen neuen Schultag. Hoffentlich einer, der ganz normal verlaufen wird. Doch was hieß schon normal?

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jul 01, 2019 ⏰

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