Viola:
Dunkelgrün. So sah unsere alte Tafel aus. Jetzt haben wir ein "Smard-Bord". Die Lehrerin reded ununterbrochen und versucht gar nicht erst die Klasse irgendwie mit einzubringen. Ich sollte mitschreiben. Mich auf mein Abi vorbereiten. Mir Gedanken machen, was ich später machen will. Welchen Beruf ich ausüben werde. Wo ich wohnen will. Aber in meinen Augen scheint das viel zu weit entfernt. Warum sich über eine Zukunft Gedanken machen, wenn man nicht mal weiß, ob man am nächsten Tag noch frei sein wird. Aber war ich überhaupt jemals frei?
"Viola?"
Shit. Hat sie eine Frage gestellt? Ich denke schon, sonst würde sie mich nicht ansprechen.
"Ja?", antworte ich so unschuldig wie möglich.
"Mit wem möchtest du zusammen arbeiten?"
Ich schaue mich in meiner Klasse um. Niemand schaut mich an.
"Wer ist den noch frei?"
"Du bist die erste die wählen darf." Es ist sehr selten, dass man sich seinen Partner selbst aussuchen darf, aber ich habe keine Freunde mit denen ich zusammen arbeiten könnte.
Mir kommt eine Idee, aber ich weiß nicht so recht, ob es eine Gute oder eine Schlechte ist.
"Veronika."
Schlagartig drehen sich alle zu mir um.
"Warum darf sie denn als Erstes wählen? Das ist gemein!", höre ich von einem Mädchen aus der letzten Reihe. Sie folgt Veronika immer als sei sie ein Küken, das ihrer Mutter hinterher läuft.
Die Lehrerin erwidert daurauf nichts.
"Gut. Dann trage ich das ein." Sagt sie zu mir.
Veronika sagt nichts.
"Findest du das etwa okay?! Du musst dich wehren. Du solltest dir deine Partnerin selber aussuchen können!", sagt das Mädchen.
Veronika schweigt weiterhin.
"Dann kommen wir jetzt zu Leonie. Mit wem willst du arbeiten?"
Danach höre ich ihr nicht mehr zu.
Ich habe nicht mitbekommen was die Aufgabe ist. Also werde ich wohl oder übel Veronika fragen müssen. Das ist nicht wirklich das Erste was ich zu ihr sagen wollte.
Es klingelt. Die Stunde ist vorbei.
Jetzt könnte ich nach Hause gehen, aber stattdessen warte ich bis jeder gegangen ist.
Auch Veronika wartet.
Als wir alleine sind sagt keiner was.
"Willst du mit zu mir kommen?", fragt sie mich nach einer Weile.
"Ich fänd's besser, würden wir zu mir gehen."
"Na dann..." Es ist mir noch nie aufgefallen, aber ihre Stimme klingt warm und weich. Komisch. Ich habe sie schon so oft sprechen gehört, aber so hat sie sich noch nie angehört.
Im Bus reden wir nicht miteinander.
Zuhause setze ich mich auf mein Bett und sie schaut unsicher auf die Stelle neben mich.
"Du kannst deine Tasche einfach neben die Tür stellen", sage ich zu ihr.
Sie nickt und stellt sie ab.
Dann klopfe ich neben mich auf die Decke. Hoffentlich versteht sie es.
Sie versteht es nicht.
"Setz dich ruhig."
Langsam kommt sie auf mich zu und setzt sich neben mich. Wenn man das neben mich nennen kann. Sie hat sich so weit von mir weggesetzt wie möglich.
Veronika:
Ich bin mir immernoch nicht im Klaren, warum sie mich gewählt hat.
"Warum hast du mich gewählt? Du hättest doch auch Helena nehmen können." Helena ist die 'Streberin' in unserer Klasse.
Sie zuckt mit den Schultern und lächelt mich an. Sie hat ein schönes Lächeln und generell ist sie echt hübsch.
"Warum bist du so nett zu mir?"
"Sollte ich fies zu dir sein?"
"An deiner Stelle wäre ich fies zu mir. Genauso fies wie die Anderen immer zu dir sind."
"Das ist der springende Punkt. Erstens will ich nicht so seine wie 'die Anderen'."
"Kann ich verstehen."
"Und zweitens kannst du eigentlich garnichts dafür."
Denkt sie das wirklich?
"Ich kann sehrwohl was dafür.... Ehrlich gesagt kann ich nichts dafür, aber könnte was dagegen tun. Und ich hab es nie gemacht."
Sie schweigt.
"Das tut mir leid", sage ich ehrlich.
Sie steht auf und geht aus dem Zimmer.
Habe ich was falsch gemacht?
Kurz darauf kommt sie wieder rein; mit einer Rolle Klopapier in der Hand.
"Tut mir leid, aber wir haben leider keine Taschentücher mehr. Ich hoffe das tut's auch."
Ich muss lachen. Sie lächelt auch.
"Aber wozu?"
"Du hast ein paar Tränen im Gesicht."
"Wirklich?"
Ich hab gar nicht mitbekommen, dass ich geweint habe.
Schnell nehme ich ein Stück Klopapier und wische die Tränen weg.
"Pass auf sonst verwischt das Make-Up."
"Das Make-Up ist mir scheißegal!"
"Warum trägst du es dann?"
"Das ist kompliziert." Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ehrlich zu ihr sein werde.
"Wir haben Zeit."
"Eigentlich nicht, aber egal.
Mein Vater ist ein bekannter Make-Up-Artist. Er tut alles für seinen guten Ruf. Bevor wir hier hergezogen sind, hat er gesagt ich solle das beliebteste Mädchen werden und mich nicht mit den 'Loosern' abgeben und das alles nur, damit die Anderen zu ihm gehen, sich von ihm schminken lassen und sein überteuertes Make-Up kaufen. Dürfte ich es selbst entscheiden, würde ich nicht mal die Hälfte von dem Make-Up tragen, was ich drauf habe."
"Woah. Das hätte ich nicht gedacht.
Was denkst du denn, könntest du dagegen tun?"
"Weiß ich nicht, aber irgendwas könnte ich bestimmt tun."
"Warum hast du denn gefragt, ob ich zu dir kommen will, obwohl dein Vater nicht will, dass du dich mit dem Abschaum abgibst?"
"Erstens wusste ich, dass du zu dir gehen wollen würdest und zweitens ist mein Vater total selten da. Diese Woche ist er überhaupt nicht zu Hause."
"Du kannst gerne öfter zu mir kommen, wenn dein Vater nicht da ist."
"Das ist echt lieb von dir. Ich komme bestimmt öfter vorbei."
"Am Besten kommst du schon morgen wieder, dann können wir mit unserem Referat anfangen."
"Schaffen wir das heute nicht mehr?"
"Ich würde heute lieber mit dir reden und eventuell eine DVD gucken."
"Gerne!"
Vielleicht können wir Freunde werden. Ich hoffe es sehr, denn ich hatte noch nie eine echte Freundin. Alle mögen mich nur wegen dem Geld.
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What's going wrong?
Novela JuvenilWas würdest du tun, wenn du nie weißt, ob du träumst, in die Zukunft siehst oder dich in der Gegenwart befindest? Viola hat keine Antwort auf diese Frage, aber sie könnte Eine gut gebrauchen. Denn sie hat das Gefühl alles falsch zu machen. Steht die...
