„Besonders schmerzhaft ist es, sich in Menschen zu täuschen, für die man die Hand ins Feuer gelegt hätte ..."
2. Wiedersehen
Ich befand mich auf direktem Weg nach La Push. Ich hatte mich dazu entschieden, mit dem Auto zu fahren, anstatt mit dem Flugzeug zu fliegen, damit ich meine Ankunft so weit hinauszögern konnte wie nur irgend möglich. Auch wenn das heißen würde, dass ich einige Nächte in meinem Auto verbringen müsste, war mir das auf jeden Fall wert.
Mittlerweile hatte ich die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht. Erschöpft war ich eigentlich nicht, aber meine Beine versteiften sich langsam, was sich sehr unangenehm anfühlte.
Irgendwann sah ich jemanden am Straßenrand stehen, der eindeutig eine Mitfahrgelegenheit benötigte. Ich erbarmte mich dazu, ausnahmsweise einen Fremden in mein Auto zu lassen, solange er nicht wie ein Psychopath oder Gangster aussah.
„Hi, fahren Sie zufällig in Richtung Seattle?", fragte das junge Mädchen etwas schüchtern. Ich konnte an ihren geröteten Augen erkennen, dass sie geweint haben musste. An sich wirkte das Mädchen freundlich und dazu war sie etwa in meinem Alter.
„Ja, steig ein.", antwortete ich mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. Das Mädchen bedankte sich und setzte sich dann auf den Beifahrersitz. Dann fuhren wir auch schon los.
„Wie heißt du eigentlich?", fragte ich nach einer Weile, in der nur das Radio zu hören war.
„Katja. Und du?"
„Lucy", erwiderte ich.
„Entschuldige, wenn das zu persönlich ist, aber wieso will ein Mädchen wie du allein nach Seattle?", fragte ich weiter und versuchte ein Gespräch aufzubauen.
„Ich wollte diese Woche mit meinem Freund meinen Vater besuchen.", antwortete sie schlicht.
„Und wieso standest du dann allein am Straßenrand?"
„Ich hatte einen Streit mit meinem Freund und da hat er mich einfach kurzerhand aus dem Auto geschmissen und ist zurückgefahren.", seufzte sie und blickte gedankenverloren aus dem Fenster in die Dunkelheit hinein. Es war gerade halb elf in der Nacht.
„Was für ein Arsch! Wer lässt denn bitte seine Freundin einfach mitten im Nirgendwo zurück?" Ich hasste schon immer solche Kerle und von dieser Sorte gab es leider viele. Ich selbst hatte auch schon mal so einen erwischt, aber ich habe mich zu wehren gewusst und so landete er für einige Wochen im Krankenhaus.
„Ja, genau das hab ich auch gedacht! Erst hab ich geglaubt, er würde mir nur einen Schrecken einjagen wollen, aber er kam nicht zurück. Also mal ehrlich, wieso bekomme ich immer nur diese Versager ab? Kann ich nicht einmal einen netten und zuvorkommenden Kerl kriegen, der mich wirklich liebt und nicht einfach nur mit mir ins Bett will?", redete sich Katja in Rage und gestikulierte wild mit ihren Händen.
„Das frag ich mich auch immer wieder. Ist es denn so schwer mal einen Traumprinzen zu finden?", stimmte ich ihr zu. Sie nickte, bevor wir beide anfangen mussten zu lachen. Ich weiß nicht wieso, aber ich konnte einfach nicht anders.
So unterhielten wir uns noch eine ganze Weile über Männer und ihre Eigenarten. Als wir uns dann darauf einigten, dass wir beide in diesem Bereich einfach kein Glück hatten, wechselten wir lieber das Thema.
„Wo willst du eigentlich hin? Auch nach Seattle?", fing sie an. Mittlerweile hatte sie ihre anfängliche Schüchternheit überwunden und wirkte entspannt und ausgelassen.
„Meine Mam ist gestorben, weshalb ich nun zu meinem allerliebsten Halbbruder nach La Push ziehen muss.", erklärte ich, wobei man deutlich den Sarkasmus heraushören konnte.
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little Sister
WerewolfLucy kehrt nach langer Zeit wieder nach La Push zurück. Sie zieht zu ihrem Halbbruder, obwohl sie ihn einfach nur verabscheut. Leider hat sie keine Wahl und muss nun warten bis sie alt genung ist, um wegzuziehen und ihr eigenes Leben zu beginnen. (P...
