Ein halbes Jahr war vergangen. Ein halbes Jahr ohne Daniel, aber bei meinen Eltern.
Ich hatte schnell bemerkt wie dumm ich war. Na ja, was hieß schnell. Ich wurde nach weiteren vier Monaten gefeuert. Ich hatte es gerade mal ein bisschen länger als zwei Jahre geschaft. Doch ich hatte schon nach drei Wochen bemerkt wie trostlos mein Leben ohne Daniel war, wenn ich bloß meine Arbeit hatte. Ich hatte zwar meine Freunde, die aber nie Zeit hatten weil sie entweder reisten, oder arbeiteten oder mit neuen Freunden und neuen Kollegen Zeit verbrachten.
Ich war oft kurz davor gewesen Dan anzurufen. Doch ich hatte es immer gelassen. Nicht weil ich zu stolz war, sondern weil ich Angst hatte eine Chance zu verpassen wenn ich Dan zurück nahm. Und dann natürlich auch die Angst, dass er mich hasste.
Mittlerweile saß ich seit zehn Minuten vor Daniels Buch. Mum hatte es mir mitgebracht und ich wollte es wirklich lesen, doch irgendetwas hielt mich davon ab. Also starrte ich weitere zehn Minuten auf das Cover, auf dem eigentlich bloß eine blaue Tür zu sehen war.
Für Timothy. Danke für die vielen kostenlosen Kaffees. Und für Dad, weil du nie an mich geglaubt hast.
Ich las und las und las an dem Nachmittag. Von dem Jungen, dem zu wenig Beachtung von seinen Eltern geschenkt wurde, und von dem Mädchen was es anscheinend wieder gut machte, allerdings viel später in seinem Leben. »Das Mädchen mit dem blondgefärbten Haar was immer verwuschelt aussah, und den Augen die wie Leben funkelten.« Ich weinte eine ganze Menge. Weil mir das Buch wie ein Ende erschien und es meine Schuld war. Und weil ich mir nun nicht mehr sicher war, ob meine Entscheidung klug gewesen war.
Schließlich war ich am Epilog angekommen. An dem Epilog der kein Epilog war, sondern viel mehr ein Fünktchen Hoffnung.
Danke an L. weil du dich sicherlich wiedergefunden hast, weil du nun mal alles bist. Lass uns von vorne anfangen. Am Mittwoch um 9:30 im Café unten an der Ecke.
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cappuccino mit zwei mal zucker
Historia CortaJeden Tag kauft sich Lauren ihren Cappuccino im Café unten an der Ecke. Jeden Tag sitzt Daniel im Café und trinkt seinen Vanille Macchiato. Die beiden verbindet nicht viel. Noch nicht. „Cappuccino mit zwei Mal Zucker?" „Natürlich." „Oh mein Gott da...