Ein seltsames Geräusch, das fast schon schmerzhaft laut war, holte Dalisha zurück in die Wirklichkeit.
Der schwarze Nebel in ihrem Kopf begann sich zu verziehen. Ihre Glieder schmerzten, diesmal hatte es keinen stinkenden Busch gegeben, der sie auffing. Als sie vorsichtig die Augen einen Spalt breit öffnete, tanzten weisse Punkte vor ihren Augen.
Das Geräusch war immer noch da; eine Mischung aus Zischen und klackenden Lauten. Wie in Zeitlupe wandte sie ihren dröhnenden Kopf dem Ursprungsort zu.
Und erschrak wieder einmal fürchterlich. Zwei seltsame Wesen, die eine entfernte Ähnlichkeit mit Menschen hatten -zwei Beine, zwei Arme, ein Gesicht-, unterhielten sich angespannt. Sie waren klein, würden einem Erwachsenen etwa bis zu der Brust kommen, und trugen Kleider mit dem Modestil von Tarzan.
Durch die Geräusche verständigten sie sich scheinbar.
"Zzzz tk, zzz tk tk, tk zzzz tk!" "Tk! Zzzz tk zzzzzzz?"
Das Zischen änderte immer wieder die Dauer, während das Tkjedesmal unterschiedlich stark betont wurde. Und das in so einer raschen Abfolge, dass Dalisha Kopfschmerzen davon bekam.
Einer der beiden -der Kleinere mit einem schwarzen Lockenschopf- deutete immer wieder auf den verrenkten Körper des am Boden liegenden Mädchens. Der Andere zuckte dann mit den Schultern und gestikulierte wild mit seinen Händen.
...An denen sich -so fiel es ihr auf- nur jeweils vier Finger befanden. Dafür waren sie lang und kräftig und hatten ein Fingergelenk mehr.
Sie hatte nun die Augen vollständig geöffnet und musste urplötzlich kichern, als sich der Grössere der Beiden -er hatte blondbraune Haare- die Hand mit den Spinnenfinger an den Kopf schlug und entnervt stöhnte.
Wieder einmal ein Fehler mit Folgen: Sofort stiess der Kleinere einen erschrockenen Kampfschrei aus und richtete die speerähnliche Lanze, die er in seinen Händen gehalten hatte, auf ihren Oberkörper. Der Andere, zuerst verwundert, tat es ihm nach einiger Zeit nach.
Da sie nun ihre Gesichter mit den auffälligen Wangenknochen Dalisha zugewandt hatten, konnte sie diese genauer untersuchen. Die langen Ohren liefen bei Beiden spitz zu, allerdings nicht oben, sondern unten beim Ohrläppchen. Die Nase war sehr markant und erinnerte irgendwie an diejenige von Julius Caesar. An den Mündern konnte sie nichts Spezielles entdecken, ausser dass die Lippen nicht rosa, sondern eher bläulich waren.
Die Augen waren das Besonderste; sie waren im Verhältnis zu Menschenaugen ziemlich gross und ebenfalls mandelförmig. Die Iris funkelte in verschiedensten Farben und schien Funken zu sprühen, während man in der rabenschwarzen Pupille zu versinken drohte. Diese war auch nicht rund, sondern leicht in die Höhe gezogen, wie bei einer Katze. Einer gefährlichen Katze.
Die Bedroher schienen nachzudenken. Nach einem angeregten Gespräch sah es aus, als wären sie sich einig geworden. Sie nahmen die Lanzen weg und der Schwarzhaarige packte Dalisha grob am Arm und zog sie auf ihre Beine. Zuerst knickte sie weg, doch dann stabilisierte sie sich und sah zuerst die Hand, die sie gepackt hatte, und dann dessen Besitzer fragend an.
Er erwiderte den Blick nicht und zog sie stattdessen weiter. Sie sah zum ersten Mal den Hang hinauf, den sie hinunter gestürzt war. Der Stein, auf dem sie sich vom Alkoholbusch erholt hatte, war nirgends zu sehen, also nahm sie an, dass sie ganz hinunter gekullert war, nachdem sie auf dem Boden aufgekommen war und das Bewusstsein verloren hatte.
Und wieder wurde ihr bewusst, wieso ihr dieses Missgeschick widerfahren war.
Ihr Vater.
Verzweifelt wandte sie ihren Blick wieder den Hügel hoch. Der Nebel war immer noch da, er hatte sich nur leicht gelichtet. Sie wusste, dass sie in diesem Moment nicht die kleinste Chance hatte, abzuhauen. Die Speere waren spitz und ihre Benutzer würden sicherlich nicht zögern, sie zu gebrauchen.
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LOST [Museums-Edition]
FantasíaSie erwachte. Nach 12 Jahren künstlichem Schlaf. Wo war ihr Vater? Dalisha befand sich in einer Kapsel. In einer Forschungsstation. In einer Parallelwelt. Alleine. Ihr Vater war Wissenschaftler. Ein verschwundener Wissenschaftler. Was war vor 12 Jah...
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