Abschnitt 4

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Als Borowskis Unterricht endlich sein Ende fand, konnten die Freundinnen gar nicht schnell genug das Klassenzimmer verlassen. Borowski hatte sie wiederholt und mit einer Art sechsten Sinn bei Fragen aufgerufen die sie nicht beantworten konnten. Es war der reinste Alptraum gewesen. Zielstrebig schritten sie den Flur entlang, welcher sie Schnur gerade in den Eingangsbereich und die dahinter liegende Cafeteria führte. Auf dem Weg dorthin waren natürlich der geplatzte Einkaufsbummel und Borowski die Hauptgesprächsthemen.

Gina war total genervt. „Ich kann's echt nicht glauben! Lässt uns der Idiot doch tatsächlich nachsitzen!"

„Wir sind ja selbst Schuld. Warum kommen wir auch zu spät...", entgegnete Amalia resigniert.

„Das gibt ihm noch lange keinen Grund uns eine derart übertriebene Strafe aufzuerlegen. Wir waren nur zwei Minuten zu spät. Zwei Minuten!" Kate warf frustriert die Hände in die Luft.

Jessie versuchte das Übel mit Würde zu tragen. „Hilft ja alles nichts, Mädels. Er sitzt am längeren Hebel. Wir gehen einfach Morgen shoppen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Gina legte ihr begeistert einen Arm um die Schulter. „Du hast vollkommen recht! Wir lassen uns von diesem Idioten nicht unterkriegen." Lachend und scherzend gingen die Freundinnen die Treppe, die in die Eingangshalle führte, hinunter.

Sie waren fast am unteren Ende der Treppe angekommen, als Jessies Blick zum Eingang wanderte und ihr dort drei Handwerker in blauen Overalls auffielen, die gerade das Schulgebäude betraten. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund irritierten sie Jessie. Irgendetwas schien mit ihnen nicht zu stimmen. Jessies Augenbrauen zogen sich zusammen während sie darüber nachdachte, woher dieses Gefühl wohl kam. Plötzlich rempelte ein Schüler einen der Handwerker an und für einen kurzen Moment konnte Jessie ein Pistolenholster, inkl. zugehöriger Handfeuerwaffe, erkennen die sich unter dem Blaumann versteckte. Wie vom Blitz getroffen blieb Jessie abrupt stehen. Irritiert folgten ihre Freundinnen ihrem Beispiel.

Gina sah sie Kaugummi kauend mit erhobener Augenbraue an. „Was is'n los?"

Auch Kate und Amalia sahen sie fragend an. Bevor Jessie antworten konnte, öffneten die Handwerker ihre Werkzeugkisten. Diese klappten seitlich auf und gaben den Blick ins Innere frei. Darin befanden sich kleine handliche Maschinenpistolen, die sie nun fast gleichzeitig hervorholten. Im nächsten Moment schossen sie damit in die Luft. Für einen kurzen Augenblich schien die Zeit still zu stehen. Ihre Freundinnen standen paralysiert und kreidebleich neben ihr. Jessie beobachtete alles wie in Zeitlupe, bis die drei Männer anschließend durch den Gang liefen. Ab da kehrte die Realität mit voller Wucht zurück. Um sie herum brach Panik aus. Die meisten Schüler versuchten vor den bewaffneten Männern davon zu laufen, wieder andere drängten sich in irgendwelche Ecken; zu verängstigt um auch nur an Flucht zu denken. Jessie blinzelte kurz, dann kehrte wieder Leben in sie. Ihre Freundinnen verfolgten noch immer geschockt das Geschehen. Eine Woge von Adrenalin schoss durch Jessies Körper.

„Lasst uns abhauen...schnell!", rief sie aufgebracht ihren Freundinnen zu.

Sie griff sich Amalia, die ihr am nächsten stand und rannte los; zurück die Treppe hinauf. Kate und Gina, von Jessies Ausbruch aus der Schockstarre gerissen, folgten ihr mit nur minimaler Verzögerung.

***

Zur selben Zeit fuhren vor dem Schulgebäude zwei schwarze Vans auf den Parkplatz der Schule. Aus ihnen stiegen schwarz uniformierte Männer; unter der Führung von Ares, dem Mann vom Dach des Hochhauses. Wie eine gut geölte Maschinerie wurden Waffen, Ausrüstung, Munition und zwei schwere Kisten verteilt; Worte wurden nicht benötigt. Ares blickte derweil nachdenklich auf die Schule vor ihm. Im Geiste ging er den Bauplan Raum für Raum und Etage für Etage durch.

Einer seiner Männer wandte sich an Ares. „Wir sind soweit." Ares lächelte. „Gut, alle auf ihre Plätze. Die Show beginnt." Mit einem Nicken wandte sich der Mann ab, gab ein Handzeichen und ein Teil der Gruppe begab sich mit ihm zusammen zum Hintereingang der Schule. Der Rest der Männer betrat zusammen mit Ares die Schule über den Haupteingang.

***

In der Schule selbst herrschte nach wie vor heillose Panik. Schüler und vereinzelte Lehrer versuchten verzweifelt der Gefahr zu entrinnen. Doch statt wie Jessie und ihre Freundinnen ihr Heil in einem anderen Stockwerk oder den angrenzenden Klassenräumen zu suchen, flohen sie zielstrebig durch die Pausenhalle Richtung Hintereingang. Längst hatten ihre Urinstinkte übernommen und wie eine wild gewordene Herde flohen sie als eine einzige lebende Masse unbeirrbar dem Hintereingang entgegen, in der Hoffnung dort die ersehnte Rettung zu finden. Die Hoffnung starb ja bekanntlich immer zu Letzt. Die ersten Flüchtenden hatten kaum den Hintereingang erreicht, als auch schon dessen Türen aufgestoßen wurden und weitere bewaffnete Männer in die Schule eindrangen. Die Schüler hatten kaum Zeit in ihrer Flucht innezuhalten, als sie auch schon niedergeschlagen wurden. Gewehrsalven stoben an die Decke. Einige schrien auf, Andere sackten stumm in sich zusammen, als ihnen klar wurde, dass sie in der Falle saßen. Hier in der Pausenhalle gab es keine Fenster die geöffnet werden konnten und keine weiteren Türen durch die sie hätten fliehen können. Aber es gab auch einige wenige unter ihnen die völlig ihren Kopf verloren; sie wollten nur noch raus, egal wie. Mit einem verzweifelten Aufschrei versuchten sie sich gegen die Bewaffneten zu werfen; in der Hoffnung, vielleicht doch noch aus dem Gebäude gelangen zu können. Die Anderen beobachteten mit hoffnungsvollem Blick ihre Mitschüler. Doch bevor diese auch nur in die Nähe der Männer kamen, wurden sie von diesen erschossen. Die letzten Schreie verklangen, stattdessen hörte man vereinzelte Schluchzer. Es war beängstigend still geworden. Alle Kraft schien aus den Schülern gewichen zu sein.

***

Gen-X: OuroborosGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt