Da war ich nun; allein in Castiels Wohnung. Der Abend und der darauffolgende Morgen verliefen nicht besonders spektakulär. Ich hatte keinen grossen Hunger, machte mir lediglich einen Kaffee, doch ansonsten sass ich nur rum und dachte nach. Was passierte gerade? Wem wollte ich etwas beweisen? «Was mache ich hier?» Ich hatte es laut ausgesprochen, wohl eine Antwort erwartend, die leider ausblieb.
Ich sah auf die Uhr, es war viertel vor neun. Mein Handy war immer noch aus, ich getraute mich einfach nicht, es wieder einzuschalten. Nicht jetzt. Schliesslich ertrug ich die Leere nicht mehr, ich schnappte mir meine Tasche und den Zweitschlüssel und ging raus.
Es war fast fünf, als ich wiederkam, doch als ich das Wohnzimmer betrat, wäre ich am liebsten geradewegs wieder hinaus gegangen. Castiel lag auf der Couch, Debrah über ihm. Sie machten nur rum, zum Glück, dachte ich, doch Castiel hatte kein Shirt mehr an und Debrah trug nur ein etwas längeres Top. Schnell wendete ich den Blick ab und räusperte mich. Anscheinend hatten sie mich gar nicht bemerkt, aber wie immer hatte sich Debrah schnell wieder im Griff und fauchte mich gereizt an; «Was machst du denn hier? Wie bist du überhaupt hier reingekommen?» fügte sie, eine Augenbraue hobend hinzu. «Mit dem Zweitschlüssel», gab ich resigniert zurück, und da ich nicht wirklich wusste was ich nun tun sollte, blieb ich mitten im Raum stehen. «Oh, ich dachte, du wärst wieder nachhause gegangen», schaltete sich auch Castiel ins Gespräch mit ein. «Wo warst du denn so lange gewesen?» - «War üben» sagte ich schulterzuckend und hob meine Geigentasche an. «Klar, du hast einen ganzen Tag mit Spielen verbracht» meinte Debrah augenrollend. Wieder zuckte ich mit den Schultern. «Naja, ich habe morgen ein wichtiges Konzert und...» ich bereute meine Worte gleich, nachdem ich sie ausgesprochen hatte. Wieso? Wieso hatte ich das gerade gesagt? Debrahs Grinsen wuchs und wuchs, doch kurz bevor sie etwas erwidern konnte, schaltete sich Castiel wieder ein. «Du spielt Geige?», fragte er verwundert, worauf ich ihn nur unfassbar anstarren konnte und sogar Debrah rollte mit den Augen. «Wir gehen seit fünf Jahren in dieselbe Klasse! Wie konnte dir nicht auffallen, dass ich jeden zweiten Tag ein Instrument mit mir mitschleppe?» fragte ich verletzt. Anscheinend war ich nicht einmal interessant genug in seinen Augen gewesen, dass er mich auch nur ein bisschen beachtet hätte. «Umso besser, dann hören wir dich morgen spielen...» Augenblicklich war meine Trauer verschwunden. Ich wollte sie anschreien, ihnen verbieten zu kommen. Wie sollte ich spielen, wenn ich im Hinterkopf hatte, dass Castiel, oder noch schlimmer, Debrah im Publikum sass. Das Konzert war zu wichtig. Du musst etwas sagen Korra, jetzt! Mach den Mund auf. «Ach, das ist nichts für euch», stotterte ich herum, meine Stimme war ungewöhnlich hoch», wir spielen Vivaldi und das Ganze geht sicher länger als eine Stunde. Ihr würdet euch zu Tode langweilen...» Damit hatte ich sie, auch wenn Debrahs Augen immer noch gefährlich funkelten.
Den Rest des Abends verbrachte ich auf dem Sofa und versuchte das Paar zu ignorieren. Sie schienen wirklich keine Hemmungen zu haben und vergnügten sich miteinander während ich mich auf meine Serie zu konzentrieren versuchte. Als Debrah dann endlich Anstalten machte zu gehen, seufzte ich erleichtert auf. Doch meine Freude war nicht von langer Dauer, denn ich bemerkte schnell, dass sich auch Castiel anzog. «Wird das die nächsten zwei Wochen so weitergehen, oder lässt du ihn auch mal von der Leine?», wandte ich mich schnippisch an Debrah. Sie lachte nur und keine zwei Sekunden später waren sie weg.
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Wie kam es soweit?
Teen FictionKorra ist die Idealverkörperung eines Aussenseiters. Doch nachdem sie sich auf eine Wette einlässt, verändert sich so einiges... Eine Sweet Amoris Fanfiction