3.Kapitel

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Ich schlief, was ich kaum glauben konnte, den ich hatte schon seit Tagen kein Auge mehr zugetan, als ein lautes Schreien mich aus meinen tiefen Träumen riss. „Bitte! Bitte!", flehte eine Frau mit Kind in dem Arm. Ich spuckte auf den Boden. Was hatte sie getan um hingerichtet zu werden? „Nemmt ihr das Kind und gebt es einer der Adelsfamilien.", donnerte ein Wächter und schupste die Frau weiter den Gang entlang. Heiße Tränen liefen ihr herunter. „Nein!", schrie sie. „Ich habe nicht versucht einen Massenmord zu veranstalten!" Ich sah die Frau mitleidig an, auch wenn ich nicht wusste wie viel Mitleid ich wirklich für sie Übrig hatte. Ihre Schreie und die Trauerrufe des Kindes, verstummten langsam. Ich atmete hörbar aus. Wenn ich nicht bald hier rauskam, dann war der Tod für mich besiegelt. Scheiss Dämonen! Scheiss Prinz! Bei dem Gedanken bald tot zu sein, musste ich unwiederbringlich kotzen. Mist! Der Geruch stieg mir in die Nase und ich musste mich zusammen reisen, mich nicht wieder zu übergeben. Ich stöhnte. Ich brauchte einen Plan, einen Scheiss Plan. Vielleicht wude ich ja bald hingerichtet und konnte kurz vor der Hinrichtung fliehen? Nein! Der Plan war zu billig, viel zu billig. Wenn alles nur so leicht wäre, wäre ich schon längst abgehauen von den Dämonen, dann säße ich jetzt nicht in diesem Scheiss Loch. Meine Schläfe schmerzte und pochte laut. Zu wenig Schlaf. Zu wenig Essen. Zu wenig Wasser. Was hatte ich eigentlich was nicht zu wenig war? Nichts. Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht und seufzte.
Schritte erklangen am Gang und ich ging davon aus, das ich wieder vertrocknetes Brot und irgendwelche Essensreste bekam. Mein Magen fing bei dem Gedanken an Brechreiz zu bekommen. Genervt stützte ich mich mit meinen Händen am Boden ab. Die Schritte entfernten sich wieder ich hörte auch kein Gemaule und Gejammer wie bei den üblichen Essensrationen. Insgesamt, waren nicht die quietschenden Geräusche der Essensluken zu hören und auch nicht das Geraschel der Schlüssel. Ich hob leicht den Kopf und hielt inne. Die Schritte näherten sich wieder und ich hatte das Gefühl, das die Personen immer auf und ab gingen. „Vater", ertönte eine junge Männerstimme. Es war kein Gefangener, kein Diener oder Soldat. Ich hielt inne. „Mein Sohn, deine Vorstellungen sind absurd. Du bist schon immer ein Träumer. Selbst deine Mutter sagt das. Aber als Prinz, kannst du dir die Welt nicht so träumen wie sie dir gefällt. Du kannst nicht alle lieben. Nicht alle retten. Egal welchen Weg du auch einschlägst, es gibt immer Gründe weshalb dich andere nicht verstehen, oder mögen." Prinz? Ich krallte mich an dem Gitter fest und versuchte einen Blick in den Gang zu werfen. Schuhsohlen kratzten über den Boden. Welche Ehre hatten wir Gefangenen, den Prinzen und seine Vater hier vor zutreffen? Würde vielleicht in den nächsten Stunden eine Massenhänkung stattfinden? Waren sie da um uns in den Tot zu schicken? Lieber das, als gestorben durch die Klinge eines Dämon. Sie töteten nicht gerecht. Nicht schnell. Ihre Klinge ging nicht grade durch die Kehle. Nein. Sie taten alles um ihre Opfer zu Quälen. Sie wollten Rache, sie wollten Blut. Ich stieß mich vom Gitter ab und setzte mich hin. Welche Optionen gab es sonst noch? Nein keine Optionen. Es gab nur eine. Ich brachte ihnen die Leiche des Prinzen und verschwand. Der Prinz, er war hier, die vielleicht grade mal fünf Meter von mir entfernt. Scheisse! Ich hatte weder Waffen noch meinen Gürtel. Ich holte Luft. Scheiss Zelle! Scheiss Dämonen! Dieses Mal sog ich die Luft noch stärker ein. Ich durfte jetzt nicht ausrasten. Nicht jetzt, wo die Chancen so nahe waren. „Sie hatte nur einen Namen. Sie war keine von uns.", sagte der Prinz und musste sich keine Sekunde später das schnauben seines Vaters anhören. Sie hat nur einen Namen, ich verzog meine Lippen zu einem graden Strich. Er sprach von mir. Ich war nicht aus seinem Gedächtnis gehuschte, so wie gehofft. Ich hatte mich dort festgesetzt, so wie eine Zecke bei einem Pferd. Scheisse! Verdammte Scheisse! Energisch kickte ich einen kleinen Kieselstein, der auf dem Boden lag, an die Wand der Zelle. „Du bist ein Dummkopf und um zu herrschen musst du noch viel lernen, mein Junge.", erwiderte der König. Ich merkte wie alle anderen Gefangenen ebenso wie ich dem Gespräch lauschten. Im Gegensatz zu Ihnen wusste ich aber von wem sie sprachen. Von mir.
Der König musste sich sehr wohl bewusst sein das ihr Gespräch belauscht wurde. Von Gefangenen, die wichtige Informationen im schlimmsten Fall gegen ihn benutzen könnten. „Ich denke deshalb, sie stammt aus einem der anderen Länder. Vermutlich wollte sie spionieren. Wenderin womöglich. Schließlich hatten wir mir Ihnen bis vorkurzem noch Krieg. Zumindest Streit.", sagte der Prinz ernsthaft stolz über seine Ermittlungen. Ich lächelte. Oh, wie sehr er sich doch täuschte. Ich war nicht aus Dasht und auch nicht aus einem der anderen Ländern. Ich war von den Höhlen der Dämonen. „Du triffst schnell Entscheidungen mein Sohn. Zu schnell, zu unüberlegt. Sie wollte dich umbringen, nicht spionieren." Der König hatte recht. Er lies sich zu schnell überreden, überlegte nicht zu was seine Taten führen könnten. Vielleicht war es ein Vorteil, es könnte mir helfen, vielleicht könnte ich es schaffen sein Tod wie ein Unfall aussehen zu lassen. Dann hätte ich den Wunsch des Dämonenfürsten erfüllt und würde hier gleichzeitig nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Ich lächelte wider und fletschte meine Zähne. Es war mein Schachzug, nicht ihrer. Es war meine Klinge und ich hoffte sie bald einsetzen zu könnten. „Und warum denkst du, das meine Idee nutzlos wäre? Wir hätten sie, ohne ihr etwas dafür zu geben. Sie wäre nützlich. Sie ist weder kraftlos noch dumm. Also?!" Jetzt wurde es erst wirklich interessant. Ich regte mich nach vorne um ihre Worte noch besser zu verstehen. Wir hätten sie, ohne ihr etwas zu geben, hallte die Stimme des Prinzen in mir nach. Wollten sie mich jetzt als Sklave in den Minen benutzen? Nein! Mir wurde mit jedem Moment bewusster wie wichtig es war einen Plan zu schmieden. Einen Plan um hier wegzukommen. Um mich zu retten. „Dir liegt etwas an ihr.", sagte der König genüsslich. Ich schluckte nur um nicht wieder zu kotzen. Wie er es ausspracht. Hässlich, lieblich. „Nein. Nichts weshalb du dir sorgen machen müsstest." Ich lehnte mich an die Wand. Wann kamen sie endlich mal zum Punkt?! Mein Herz fing an zu rasen. „Oh, das tue ich aber." Der König schritt immer näher in meine Richtung und der Prinz folgte ihm. „Selbst wenn, warum denn nicht?" Mussten sie denn nur diskutieren? Ich schrie innerlich auf. „Eric! Du bist ein Dummkopf. Worauf haben wir dich trainiert? War denn alles um sonst?", schrie der König und raufte sich aufgebracht durch die Haare. „Eric, du bist einfach nur verrückt." Der Prinz nickte. „Ich weiß das es sich unmöglich anhört. Aber seh doch mal die Vorteile in diesem Plan." Ich atmete tief ein. Mein Mund verzog sich zu einem Strich. Was sollte das? Ich hätte schwören können, das ich sie alle beide umgebracht hätte, wären da nicht dies Gitterstäbe, die meine Vorstellung vernichteten. Der König stand nun schon fast vor meiner Zelle, während er eine wegwerfende Bewegung mit den Händen machte. „Denkst du wirklich es würde uns so viel bringen um einen so großen Aufwand zu machen?", fragte er fast schon gelangweilt. Der Prinz nickte. „Irgendwie schon", sagte er sanft und legte seinem Vater die Hand auf die Schulter. „Vater seh doch mal, gestern erst habt ihr verzweifelt überlegt wer im Garten helfen kann. Heute schon, gibt es eine Lösung." Ich im Garten? Mein Fuß prallte hart auf dem Boden auf, als ich aufstampfte. „Man kann Sie nicht bändigen mein Sohn, vergiss das nicht!" Die Stimme des Königs war schneidend, wie eine Messerklinge und doch so sanft. Ich kannte es. Bei der Stimme die ich kannte, klang es sanft, Messerscharf und doch kalt. Anders als bei dem König. Ich lächelte. Endlich hatten sie kapiert, das ich kein Mädchen war das man hinschleppen konnte wo man mochte. Keine Dame des Schlosses die es genoss herumzustehen und zu plaudern. Ich hielt mein Atem an, gespannt was jetzt kam. „Und trotzdem Vater. Denkst du nicht ein wenig Frischluft würde ihr guttun? Sie etwas... besänftigen?" Der König schaute seinen Sohn erschöpft in die Augen. Alls sei er es satt zu diskutieren. „Du hast recht, auch wenn ich denke, es ist mehr was wir geben, als was wir bekommen. Vielleicht stillt es ja ihren Durst nach Blut. Nach Tod.", sagte der König und verschränkte seine Hände hinter dem Rücken. „Du bist ein Prinz. Du kannst etwas vordern und ich muss es mir anhören. Solange bis du deine Ruhe gibst. Und dein betteln, kann ich nicht ertragen. Also, ab morgen wird sie helfen." Der Prinz lächelte. Ab morgen. Ich zog die Augenbrauen zusammen. Was wenn das meine Lösung war? Was wenn ich sie alle umbringen würde und dann fliehen? Der Garten war gut. Gut um abzuhauen. Vielleicht waren meine Gedanken zu leichtsinnig, aber es war mir egal. Ich hatte einen Plan. Morgen würde ich mich umgucken. Erkundigen. Und dann, dann würde ich abhauen. Irgendwie. Ich wäre frei. Mein Herz begann zu springen. Und dann, dachte ich, dann bring ich ihn um. Trage seine Scheiss, verdammte Leiche, bis in die Höhlen. Bis in die endgültigeFreiheit. „Ich kann etwas vordern, sagst du. Und dann musst du es dir anhören?", brachte mich die helle Stimme des Prinzen zurück in die Gegenwart. Der König nickte. „Also könnte ich jetzt ewig um einen SchokoladenPudding betteln und würde ihn bekommen?", scherzte der Prinz. Ich hasste ihn dafür. Er konnte darüber lachen. Er konnte Scherzte reißen. Er konnte all das Leiden in Dash vergessen. Dafür würde er bezahlen. Irgendwann, würde er büßen. Dafür würde ich sorgen. Lachend schlenderten sie aus den Zellen. Ich biss meine Zähne zusammen. Diese verdammten Idioten!

Thyra Dämonenfürst (Band 1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt