Ich saß auf dem Boden, der Stein drückte mir in die Haut und hinterließ einen unangenehmen Fleck. Ich vermisste die frische Luft. Hier in den Zellen roch es nach Urin und Verwesung, hier wurde einem die Lunge zugeschnürt. Mein Magen knurrte und ich konnte nicht anders als an Helens Plan zu denken. An mein Überleben. Ein Soldat kam vor meine Zelle um mich in den Garten zu bringen. „Na wen haben wir denn da?", sagte er spöttisch. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. „Halten sie ihre Klappe!", zischte ich bissig zurück. „So spricht man mit einem Soldaten?" Ich verzog meine Lippen zu einem schmalen Strich. Was wollte er von mir? „Ich schon", entgegnete ich ebenso spöttisch. Es war nicht grade angemessen, aber es war mir egal. „Dann halte deinen Mund, oder soll ich dir Unterricht in Verhaltensweisen von Menschen geben?", sagte er. Sagt der Richtige, dachte ich mir und stand genervt auf. Er öffnete die Luke und ich hielt die Hände hin. Sollte er mich doch Fesseln, aber heute durfte ich wirklich keinen Fehler mehr machen, heute würde ich den Plan erfahren und wahrscheinlich kotzen. Ich glaubte nicht das ihr Plan eine gute Idee werden würde, doch ich wusste auch, dass ich sie nicht unterschätzen durfte. Der Soldat riss mich aus der Zelle und zog mich aus dem Schloss nach draußen in die Frische Luft.
Heute versank das Schloss nicht in den dichten Wolken, heute senkte sich die glühende Sonne auf den Platz. Der Brunnen war voller Soldaten, die ihre Arbeitspausen genossen. Wir überquerten den Platz, doch anstatt durch das Tor zu gehen, gingen wir weiter einen Kiesweg entlang. „Warum laufen wir anders herum?", wagte ich zu fragen, während der Soldat seine Lauf Geschwindigkeit, verdoppelte. Grimmig lief ich ihm hinterher. Meine wahren Gedanken jedoch, schweiften bei Helena und ihrem Plan. Der Soldat drehte sich zu mir um, nur das knirschen seiner Schuhsohlen war auf den kleinen Steinchen zu hören. „Wenn du nicht gleich deinen Mund hältst, werde ich dir vielleicht doch eine Belehrung geben. Vielleicht einen Zahn ausziehen?", sagte er. Seine Stimme vermischte sich mit einem leisen Zischen. „Oder vielleicht auch zwei?!", donnerte er und packte mich noch enger am Handgelenk. „Nein Danke, auf ihre Belehrung kann ich verzichten.", war das einzige was ich erwiderte, dann blieb ich wirklich still. Nicht weil ich seinen verdammten Befehlen gehorchte sondern weil der Garten in mein Sichtfeld huschte. Und da erkannte ich auch warum wir einen anderen Weg gewählt hatten. Der Prinz stand mitten auf den Wegen, die in den Garten führten. In seiner rechten Hand hielt er ein Speer, er war eher schlicht und hatte eine dünne Spitze aus Eisen. Der einzige Grund, weshalb man erkennen konnte, das er von königlichem Hause stammte, war ein kleines Gold schimmerndes Zeichen, was im Holz eingeritzt war. Ich wendete meinen Blick ab und ging eilig in Richtung Helenas Hütte. Als der Soldat klopfte, hörte es sich dumpf und leblos an. Schritte näherten uns und die Tür wurde aufgestossen. Helena musterte mich, bevor sie nickte und meinen Arm griff. Ich wollte ihren Plan wissen. Ich war gierig, wie eine Raubkatze. Ihre kalten Finger schlossen sich um mein Handgelenk, als könnte ich ihr davon laufen, entwischen. „Hast du geschlafen?", fragte sie hart und doch so mitfühlend, das ich mich zusammenreißen musste um keine Gänsehaut zu bekommen. „Ja.", gab ich etwas schnippisch zurück, „Hast du dir was überlegt?" Sie nickte. Ihre Augen Lieder flatterten immer wieder, was aussagte, das sie wenig geschlafen hatte. „Ja, habe ich. Wenn auch nicht so, wie du es vielleicht dachtest." Ich zog fragend die Augenbrauen nach oben. „Wie dann?" Sie lächelte verlegen und zog mich zu dem Tisch, erst dann lies sie mein Handgelenk los. „Anders." Wollte sie mich auf die Folter spannen?! Ich setzte mich, der Aufprall war hart, es hörte sich an wie Steine die laut aufeinander prallten. „Nun, sag schon.", drängte ich unruhig und klapperte mit dem Fuß auf und ab. Mein Blick wanderte durch den Raum, zu einem Schrank, der mit Stoffen und Papieren vollgestopft war. Es ähnelte einer Näherin oder Magt. „Ich habe den Plan geändert.", sagte sie leise und beugte sich über den Tisch. Ich verzog die Augen zu engen Schlitzen. „Plan Änderung also, und die wäre?" Ich hatte bei der Sache kein gutes Gefühl. Eher das Gegenteil, ein scheiss, verdammtes Gefühl. Meine Haare vielen mir ins Gesicht und deckten sich wie ein Vorhang über meine Augen. Als ob sie nicht wollten, das ich sah was jetzt kam. „Wir werde den Prinzen entführen." Ich stockte. Warum nicht? Ich würde es genießen dem Prinzen in Fesseln zulegen. Ihn zurück zu schlagen, ihm das anzutun, was er mir antat, doch was hatte es mit unserer Vereinbarung zu tun. Sie sollte mich befreien, nicht ihren Sohn, den arroganten Prinzen. Ich setzte eine fragende Miene auf. Warum hatte ich dieser verdammten Frau nur getraut?! „Warum?", antwortete ich spitz. Ich ignorierte Helenas beißenden Blick der auf mir ruhte und wartete stattdessen auf eine Antwort. „Ich sollte den Plan schmieden nicht du!", sagte sie und zeigte mit ihren langen dünnen Fingern auf mich, als könnten sie mich von der Ferne verletzten. Sich durch mich bohren. Ich hatte der Falschen meine Zukunft in die Hände gelegt. Ich hatte nicht mehr lange, dann war ich tot. Meine Hände versteiften sich vor Wut und ich lehnte mich erschöpft zurück. „Wir werden gemeinsam fliehen.", erklärte mir Helena mit ruhiger Stimme, wofür ich sie bewunderte. Nur mit Mühe lies ich zu, mir den Plan anzuhören. „Glaubst du ich arbeite hier, weil es mir Spaß macht?" Ich nickte, auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entsprach. „Ich dachte nicht das du so Gefühllos bist, Thyra.", sagte Helena mit einem kritischen Unterton. Ich lachte kalt während sie mich schief bemusterte. „Ich liebe ihn, er ist mein Sohn.", fuhr sie fort. Ich hasste es wenn Leute nicht zu dem Punkt kamen, der wirklich interessant war. Ob sie ihn liebte oder nicht konnte mir doch egal sein, Hauptsache, ich würde befreit werden! „Okay.", sagte ich gespielt theatralisch. „Wenn du ihn nicht hören möchtest, dann ist es auch ok." Ihre kurze Rede Pause, regte mich unwesentlich auf! Doch ihre Ruhe wenn sie sprach, war wie ein Schwert das, bereit zum Kampf gegen meines schlug. Immer und immer wieder. „Ich bin nicht hier, weil ich es so will. Nicht weil ich es liebe im Garten zu arbeiten. Ich bin da weil es der König so will. Weil ich meinen Sohl liebe. Vielleicht weiß er es nicht, doch ich bin seine Mutter und ich Wache immer über ihn." Bei diesen Worten verwelkte ihre Stimme und wurde klein und traurig. Ich seufzte, Ahnungslos was ich sagen sollte. „Thyra ich muss hier weg, aber ich kann ihn nicht alleine lassen." Vielleicht war es mein Todesurteil jetzt zu nicken, doch vielleicht auch ein Vorteil. Wir würde fliehen, ich müsste nicht nochmal ins Schloss um ihn umzubringen. Einige Minuten lang sagte ich nichts, starrte nur ihre Augen an, die mich eindringlich anstarrten. Sie glänzten, doch dieses mal war es nicht der Glanz Sonne der sich in ihnen widerspiegelte. Diesmal waren es Tränen, die ihre Augen benetzten. Es könnte ein Vorteil für mich sein. Solange sie mir vertraute, ihn am Leben zu lassen. Solange sie mir meine Lüge ab kaufte, die mich am Leben hielt. Ich nickte, meine Lippen formten sich zu einem gefährlichen Lächeln. „Dann zeig mir wie. Und wehe es geht schief.", sagte ich gefährlich leise. Helena nickte und stand auf. Ihre Schritte hörten sich falsch an auf dem alten Holzboden, genauso wie unsere Abmachung. Meine Gedanken waren nirgend und überall, während Helena mir Pflanzen in die Hand drückte und wir anfingen zu arbeiten um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
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Thyra Dämonenfürst (Band 1)
FantasyEin Mädchen. Eine Mörderin. Eine letzte Chance. Thyra, ist Mörderin der Dämonen, als diese tötet sie für Ungeheuer. Doch als sie den Prinzen des Landes Dash umbringen soll und dabei scheitert, schwebt sie in Lebensgefahr. Entweder sie tötet den Pri...