7.Kapitel

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Ich hätte mich fast übergeben, als ich zusah, wie Sybillen sich in meine Klamotten quetschte. Und noch schlechter wurde mir, als sie sich meinen Brustpanzers überzog und feststellte wie gut er ihr stand. Selbst meinen Gürtel musste ich ihr überlassen. Nein, nein, nein! Sie beide trugen einen Umhang, wodurch man ihre Gesichter nur mit Mühe erkennen konnte. „Seid ihr endlich fertig?", sagte ich mit genervtem Unterton und lies mich auf einen Stuhl fallen. Meine Augen folgten Helenas Händen, die Flink und geschickt an Arias Kleidern zupften. Das Russ, das wir ihr aufgetragen hatten, ließen ihre Haut dunkler wirken, müder, stärker. Ich verengte die Augen zu Schlitzen und beobachtete Sybillen, wie sie sich siegessicher auf ihre neue Kleidung klopfte. „Steht Dir ja wirklich fabelhaft.", säuselte ich, wobei sie die Ironie nicht rauszuhören schien. Verdammter scheiss! „Stimmt, danke. Das ist definitiv besser, als diese Kleider." Sie lächelte. Genau!, dachte ich, es war besser und ich musste sie trotzdemtragen. Das Atmen viel mir immer noch schwer und die Luft lies sich nur mit Mühe einsaugen. In meine Hände schoss Blut, als ich sie krampfhaft zusammen ballte. Ich musste mich zusammenreißen, aber konnte ich es auch? Konnte ich meine Klappe halten, still sein? Ich musste. Für mich, für mich und mein Leben.

Leise schloss die Tür sich hinter uns, als Aria und Sybillen die Hütte verließen. Das Licht der Kerze, war erloschen und uns umgab nichts als unangenehme Dunkelheit. Sie war erdrücken, düster. Wir warteten eine gefühlte Ewigkeit, bis Helena sich endlich von ihrem Stuhl erhob und mir mit einer Handbewegung bedeutete, ihr zu folgen. „Und wie soll ich die ganzen Soldaten gleich umbringen?", flüsterte ich, wobei fraglich war, ob man das noch zu flüstern zählen konnte. „Du sollst sie nicht alle umbringen, nur um Notfall!", zischte sie leise in meine Richtung. „Okay, dann eben nicht, trotzdem woher bekomme ich Waffen?!" Ich zischte ebenfalls, nur um ihr zu zeigen, das ich das auch konnte, wobei sie dies von mir sicherlich schon mehr als gut kannte. Sie griff zu einem erdverkrustetem Tuch. Zwischen den vielen Pflanzen sah es unscheinbar aus und viel erst im zweiten Moment auf. Ich war unvorsichtig geworden seit ich hier war. Innerlich in mir fing es an zu brodeln. Ich spürte das Schwert das in mir steckte, wenn ich nicht tat was sie wollten. Die Dämonen. Eine Erinnerung keimte in mir auf und nur mit Mühe konnte ich sie unterdrücken. „Hier.", sagte sie und drückte es mir in die Hand. Meine Finger glitten über den Stoff und zogen ihn beiseite. Ich runzelte die Stirn. „Was hast du erwartet? Ein schwer poliertes und Silber glänzendes Schwert? Oder ein aus Eichenholz geschnitzten Bogen? Tja nicht mein Problem, oder dachtest du ernsthaft das sie mich hier mit Waffen rumlaufen lassen würden?" Helena tätschelte mir verlegen den Arm. „Irgendwie ja.", sagte ich. Sie nickte mitfühlend, auch wenn ich der Meinung war, das ich es nicht benötigte, bevor sie mir den Rücken kehrte. „Ich denke du schaffst das auch damit. Ich kenne dich zwar nicht wirklich, weiß nicht woher du bist, aber zumindest ist mir sehr wohl bewusst das du es kannst." Ich lies meine Augen über das Schwert huschen und nahm es dann in die Hand. Der griff fühlte sich nicht warm und gut in meiner Hand an, viel mehr fremd und kalt. Die Klinge war weich und nicht annähernd so scharf wie meine eigene, trotzdem, für die Mission musste es schon gehen.

Das einzige Licht, war das des Mondes. Es schien auf den Garten und lies die dunklen Bäume Schatten werfen. Wir drückten uns in einen der Büsche am Rande des Gartens. Helena machte den Mund auf um etwas zu sagen, doch als ich sie böse anfunkelte, schloss sie ihn sofort. Wir hatten ausgemacht während des Weges nicht zu sprechen. Es wäre zu riskant. Würde man uns hören, wäre mein Tod besiegelt und Helenas auch. Sie hatte mir zuvor einigermaßen den Aufbau des Gebäudes erklärt. Zumindest soweit, das ich uns hineinbringen konnte. Mit einer Handbewegung bedeutete ich Helena mir zu folgen. Meine Schritte waren lautlos, ihre hingegen raschelten auf dem Laub das auf der Wiese verteilt lag. Wenn wir nicht gleich erwischt wurden, wäre es das beste Wunder was mir jemals begegnet war. Doch ich glaubte es nicht. „Scheisse! Geh halt noch lauter!.", sagte ich und fing mir dafür Helenas bösen Blick ein. „Nicht sprechen.", flüsterte sie und fuchtelte mit ihrem Finger vor meinem Gesicht herum. Wären wir nicht hier und hätte jeder Schrei uns nicht verraten, hätte ich ihr ihren verdammten Finger abeschnitten. Ich saugte die kalte Luft ein. Sie brannte in meinem Rachen und gab mir das Gefühl zu brennen.

Thyra Dämonenfürst (Band 1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt