Ich kann nichts gegen dieses komisch unangenehme Gefühl machen, das sich in mir breitmacht. Aufgedreht fahre ich mir durch die kürzer geschnittenen Haare und ziehe an den gefärbten Strähnen.
Gestern waren Penelope und ich beim Frisör. Dort wurden meine Haare etwas kürzer geschnitten und schwarz gefärbt. Von Natur aus habe ich schon dunkle Haare aber das sie jetzt schwarz sind ist wirklich neu für mich und es hat Gewöhnungsbedarf. Versteht mich nicht falsch, die neue Änderung ist echt cool aber auch komisch.
Außer meine Haare wurde nichts geändert. Ich darf mein Lippenpiercing behalten und ich durfte mir ein neues Tattoo stechen lassen. Eine kleine schlichte Taube unter dem linken Schlüsselbein, als Zeichen der Freiheit. Das Gefühl wirklich frei zu sein habe ich bis jetzt immer noch nicht verspüren können, aber ich bin nicht mehr im Gefängnis und das ist Freiheitsgefühl für mich genug. »Es ist dein Körper, also mach damit was du willst«, hat Penelope gesagt, also hätte ich mir nicht mal die Haare verändern müssen aber der Punkt, das ich als Serienmörder zu bekannt bin ließ es mich dann doch machen.
Der Typ, der mir den neuen Look verpasst hat, war echt nett. Hatte das gewisse Gefühl, das er schwul war, was ich cooler an ihm fand. Im Knast gab es auch jemanden, mit dem ich mich wirklich gut verstanden habe und der schwul war. Ramon hieß er.
Anfangs dachte ich, er würde auf mich stehen, weil er mir nahezu immer an den Fersen war. Irgendwann muss er gemerkt haben, das ich glaube, er könnte auf mich stehen also hat er mir klar gemacht, das er es nicht ist und das er einen Mann Zuhause hat, der auf seine Zurückkehr wartet.
Ramon und ich haben das erste mal geredet, als ich mich für ihn eingesetzt habe. Ameer, der Mafiaboss, der es auf mich abgesehen hat, hat sich mit Ramon angelegt und ich habe es mitbekommen und mich dazwischen gedrängt. Keine so schlaue Idee, wenn man bedenkt, das eine ganze Gruppe von Schwerverbrechern uns dann verprügelt haben.
Ameer konnte mich anfangs leiden, bis ich ihm Gründe gab, auf mich einschlagen zu dürfen. Seine Gründe waren die, das ich mich für die schwächeren Häftlinge einsetzte und das passte ihm nicht in seinen Kram, was mir egal war.
Ramon war nicht schwach. Im Gegenteil. Er war wirklich muskulös und breitgebaut aber er hatte eine gute Seele. Und was hätte er gegen zwanzig Mann machen können? Da kann man so gut trainiert sein wie man will, gegen so viele kommt man alleine einfach nicht an.
Ich starre durch den Spiegel meine dunkelbraunen Augen an. Ich kann so vieles in ihnen sehen, aber nichts deuten. Alles in mir dreht sich, als stünde ich kurz davor eine Panikattacke zu bekommen. Man, ich dachte das wäre nachdem Gefängnis vorbei. Anscheinend nicht, flüstert die Stimme in meinem Kopf und am liebsten will ich sie schlagen.
Ein komisches Gefühl beschleicht mich. Eine Erinnerung, die ich tief vergraben habe blitzt in meinen Gedanken auf. Mein Brustkorb hebt und senkt sich, während ich versuche den Blickkontakt zu mir selber zu halten, um mich nicht zu verlieren. Nicht nochmal.
Meine Arme fangen an zu zittern und es fällt mir auf einmal schwerer mich zu halten. Alles was ich sehe sind meine Augen und mein Gesicht, bedeckt mit Blut. Ich spüre wie das Blut meine Wangen runterrinnt und mit einem leisen Geräusch ins Waschbecken fällt. Ein schmerzhafter Druck breitet sich in meiner Lunge aus aber ich kann nur mein merkwürdig entspanntes Gesicht vor mir sehen und die Augen, die vor Verzweiflung um Hilfe schreit.
»Marco?« Ich schrecke hoch und rutsche dabei fast aus. »Bist du okay?«, höre ich Penelope von der anderen Seite der Badezimmertür. Ich drehe mich wieder zum Spiegel um und kann kein Blut mehr ausmachen. Mein Brustkorb hebt und senkt sich hektisch während mein Körper noch zittert. Ich räuspere mich. »Alles gut«, rufe ich zurück und bin wieder mal erstaunt wie gut ich das Zittern meiner Stimme verstecken konnte. »Okay, ich dachte nur ... Na ja, gut, dann beeil dich mal.«
»Ja, ja, ich komm ja schon.«

DU LIEST GERADE
Malicious
Romance»Zwing mich nicht dazu dir zu zeigen, wie kalt ich sein kann.« Marco tötet schon seit er denken kann. Teilweise befürchtet man, er wäre dazu geboren, Menschen in ihr Untergang zu stürzen. Fünf Jahre im Gefängnis haben ihn verändert, aber ob das gut...