Ein Geschenk

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Glücklich durchstieß ich die Tür des Restaurants nach draußen. Ich machte eine überschwengliche Drehung und landete schließlich in Kisakis Armen, der mich doch glatt auffangen musste. "Da hatte wohl jemand eins, zwei Gläser zu viel von dem Wein, mh?" Er lächelte mich an und ich versteckte mein Gesicht in seinem Schal. "Du hast mich heute einfach so glücklich gemacht." "Ein Burger und Pommes mit Mayo reichen dafür? Das merke ich mir. Wer weiß wann ich mal was anstelle." Ich schlug ihn sanft gegen die Schulter. "Du bist doof.", murmelte ich und hakte mich bei ihm ein. "Dabei ist das doch heute dein Geburtstag und du überrascht mich hiermit. Ich habe ein schlechtes Gewissen." Hatte ich wirklich. Denn ich hatte zwar durchaus etwas geplant, aber wenn ich ehrlich war, so war seine Idee essen zu gehen besser. Eigentlich wollte ich etwas kochen, einen romantischen Abend zu zweit machen. Denn ich wusste das Kisaki seinen Geburtstag nur ungern feierte, aber da hatte mich mein Freund mal wieder ganz schön überrascht. "Ach quatsch. Ich hatte dir versprochen mal hier her zu gehen und ich finde das war heute einfach passend." Fast schon schnurrend legte ich meinen Kopf auf seiner Schulter ab, während wir nach Hause gingen. Er konnte aber auch manchmal süß sein!

Allerdings machte ich mir dennoch Sorgen. Früher hätte Kisaki das nicht gemacht. Er war nie so ein Romantiker, von wegen Essen gehen, dann ein Spaziergang am Abend. Und vor allem hasste er es an seinem Geburtstag vor die Tür zu gehen, nahm sich sogar Urlaub damit man ihm bloß nicht auf der Arbeit gratulierte! Aber er war einfach anders geworden. Und ich wusste nicht ob ich mich über diese Veränderung freuen sollte oder ob sie mir Angst machte. Doch jetzt gerade wollte ich die Zweisamkeit einfach genießen. Der Wein sorgte das es mir sogar egal war so angekuschelt neben ihm zu laufen, die Blicke der Anderen störten mich nicht und es war mir sowieso lieber mich am Körper des Jüngeren zu wärmen. "Wo gehen wir eigentlich hin?", fragte ich, nachdem mir bewusst wurde das er nicht einmal in die Straße abbog, die zu unserer Wohnung führte. "Ich dachte wir genießen noch ein bisschen die frische Winterluft." "Aber mir ist kalt! Kisaki!", murrte ich wie ein kleines Kind, ließ mich aber weiter von ihm führen. Irgendwann fand ich mich auf einer Brücke wieder. Ich war etwas verwundert warum wir diese nicht überquerten, doch als Kisaki so am Geländer stand und hinab zu all den Lichtern schaute, verstand ich warum er hier her wollte. Eine Brücke bei Nacht, das hatte schon etwas. "Aber du willst doch nicht springen, oder?", witzelte ich und Kisaki schnalzte mit der Zunge. "Mach doch nicht die Stimmung kaputt. Also wirklich, wie ein Elefant im Porzellanladen!" Ich lachte, während ich meinen Blick wieder hinunter warf und dem Treiben unter uns die Aufmerksamkeit schenkte.

"Das hier ist mein Lieblingsort. Ich kam früher häufig her und schaute einfach runter und fragte mich wie es all den Leuten dort unten geht. Wie sie leben und ob sie glücklich sind." "Das hast du mir nie erzählt." "Ich wollte nicht das du mich für kitschig oder sentimental hältst." Hätte ich das? Vermutlich hätte ich derartiges gesagt, doch hätte ich auch wirklich so empfunden? Es hätte mich nur verwundert. Denn einen so weichen und verletzlichen Kisaki, lernte ich erst in den letzten Monaten kennen und ich war froh darüber. Nur vor mir ließ er sein Schutzschild schwinden und offenbarte mir all seine Gefühle und Wünsche. Darauf war ich wirklich stolz!

Während ich hinab schaute, sah ich aus dem Augenwinkel wie sich der Blonde neben mir bewegte. "Hanma Shuji.", hörte ich auf einmal leise neben mir und drehte mich um. Und dort am Boden sah ich Kisaki vor mir knien. Was hatte er vor? Doch nicht etwa..?! "Ich weiß das gleichgeschlechtliche Ehen in Japan nicht erlaubt sind, dennoch möchte ich dir eine Frage stellen." Er holte aus seiner Manteltasche eine kleine Schachtel und öffnete sich langsam. Darin ein silberner, nein, wie ich Kisaki kannte ein Ring aus Platin mit einem schlichten Schliff und einem streifen Carbon. "Willst du mich heiraten?"

"Kisaki.", hauchte ich leise und griff ihn am Arm um ihn dazu zu zwingen aufzustehen. Ich wollte nicht das er vor mir kniete, ich wollte in seine Augen sehen, auf gleicher Höhe! Als er sich dann aufrichtete, sah ich etwas in seinen Augen was Angst glich, doch das musste er nicht haben. "Ich würde dich heiraten. Nein, ich will dich heiraten! Auch wenn wir nicht dürfen!" Ich fiel ihm schon direkt um den Hals und ich konnte ein erleichtertes Ausatmen hören. "Aber wieso heute?! Du machst mir so einen schönen Tag, aber verdammt, heute bist du doch dran beschenkt zu werden!", maulte ich, während ich mein Gesicht in seiner Halsbeuge vergrub. "Ach weißt du, ich wollte mir einfach selbst ein Geschenk machen. Und kommt, ich will dir den Ring anziehen. Ich will sehen wie du damit aussiehst."

Ich musste wie ein Trottel aussehen, denn ich lief Kisaki die ganze Zeit nur noch hinterher, weil ich mir ständig den Ring ansehen musste. Eigentlich war sich nicht so der Typ der auf Ringe stand, auch Ketten oder Uhren störten mich und ich machte mir nur den Ohrring an, aber auch nur der guten alten Zeiten zu liebe. Aber verdammt, diesen Ring liebte ich bereits jetzt! Denn es war nicht nur irgendein Ring, es war ein Ring von Kisaki! Und wenn ich dann noch an die Bedeutung des Schmucks dachte wurde mir ganz warm. Wir gingen langsam nach Hause, vermutlich weil er wusste das ich inzwischen bis auf die Knochen durchgefroren war.

Zuhause ankommen, betrachtete ich noch immer den Ring, bis mich Kisaki aus meinen Gedanken heraus holte. "Der Ring wird auch morgen noch da sein." Ich zuckte zusammen, fühlte mich ertappt. Verlegen lachte ich und schüttelte den Kopf. "Darf ich mich denn nicht über dieses tolle Geschenk freuen?" "Natürlich, ich hätte nur nicht gedacht das ich dich damit derartig glücklich machen würde." "Wie du siehst." Wir schauten uns eine Weile an, es war komisch, denn es kam mir alles nun ein wenig anders vor. Wie sollte ich das beschreiben? Es fühlte sich so intensiv zwischen uns an, als würde unsere Beziehung von nun an noch mehr in die tiefe gehen. Und auch Kisaki schien etwas zu spüren, denn auch sein Blick war ein anderer als sonst. Er wirkte viel entspannter und gelöst.


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