Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis ich mich verabschiedete und Richard anrief, er solle mich abholen. Ty sagte noch, ich solle mal im Hauptquartier vorbeischauen, Charlotte wolle mit mir reden.
Zuhause ging ich sofort ins Bett und dachte über unser Gespräch nach. Ich hatte mich riesig gefreut als er mich gefragt hatte. Dieser Rosenball sollte am letzten Ferientag stattfinden. Am Tag danach wäre der erste Schultag, dann würde auch mein Vater wieder da sein. Es war sozusagen der letzte Tag in Freiheit. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.
Am nächsten Morgen zwang ich mich joggen zu gehen. Ich hätte auch das Laufband im Fitnessraum benutzen können, aber dazu war es viel zu schön draußen.
Der Morgen war klar und man erkannte, dass es ein sonniger Tag werden würde. Ich lief die Straßen entlang bis ich zum Hyde Park kam. Ein großer grüner Fleck zwischen all den Hochhäusern der City. Ich joggte bis zu diesem kreisrunden Teich. Um diese Zeit sah ich nur eine handvoll andere Jogger. Als mein Magen knurrte machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause um zu Frühstücken. Den restlichen Vormittag verbrachte ich damit meine zukünftige Schule zu googeln.
Mittags ging ich zu McDonalds um mir einen Burger zu holen. Ich grinste, richtig klischeehaft für einen Teenager. Dann schlenderte ich durch die Einkaufsstraßen, kaufte aber nichts. Mir fiel das mit Charlotte ein und ich beschloss den Mentalis einen Besuch abzustatten. Die heiße Nachmittagssonne blendete mich und so war ich froh als ich die U-Bahn Haltestelle South Kensington erreichte. Hier drinnen war es erfrischend kühl. Ich ging zum Gleis und schaute auf meine teure Uhr, die mein Vater mir zum 16. Geburtstag geschenkt hatte. Okay, in den nächsten zehn Minuten sollte kein Zug kommen. Solange hatte ich Zeit den Eingang zu finden. Schnell stellte ich sicher, dass niemand in meine Richtung schaute, dann sprang ich in den Tunnel, stets darauf bedacht nicht die unter Strom stehenden Gleise zu berühren.
Mit wild schlagenden Herzen hastete ich den beleuchteten Tunnel entlang. Ich starrte auf die gewölbte Wand. Das sah doch alles gleich aus, wie sollte ich bloß hier diesen versteckten Gang finden? Panisch lief ich den Weg zurück, den ich gekommen war. Als ich an eine Kreuzung kam begann ich wirklich fast zu hyperventilieren. Welcher Weg war der Richtige ? Ich konnte mich einfach nicht mehr erinnern. Ich schlug den rechten Weg ein, in der Hoffnung das er mich zurück zur Station brachte. Inzwischen hatte ich angefangen zu rennen. Adrenalin strömte durch meine Adern und ich spürte kalten Schweiß auf meiner Stirn.
Plötzlich hörte ich ein entferntes Rattern. Oh nein, der Zug. Ich rannte so schnell ich konnte. Da sah ich das eine ganze Reihe Lampen ausgeschaltet waren. War das etwas ein Hinweis, befand sich hier die Tür ? Abrupt hielt ich an und tastete die Wand ab. Tatsächlich, da waren komische Rillen in der Wand. Mit aller Kraft drückte ich dagegen.
Mit einem knarrenden Geräusch gab der Beton unter meinen Handflächen nach. Schnell schob ich mich durch den Spalt.
Kaum war ich in dem alten Tunnelsystem, da sah ich den Zug vorbeisausen. Das war verdammt knapp geworden. Ich ging weiter, bis ich zu der dicken Metalltür gelangte. Sie war schwerer als gedacht, deswegen brauchte ich ein paar Anläufe bevor ich sie aufbekam. Jetzt war Boden nicht länger nackter Beton mit Gleisen, sondern alte Holzdielen bedeckten jetzt den Untergrund. Links und rechts führten schmale Türen aus dunklem Holz in andere Räume. Der Flur schien fast endlos zu sein.
Ziellos lief ich herum, bis ich um eine Ecke kam. Dort stand die Frau, die vorgestern mit Charlotte in das Krankenzimmer gekommen war. Lange dunkle Locken gingen ihr bis zur Hüfte und die hellbraune Haut war dezent geschminkt. >> Hallo Natalia, was machst du denn hier? << fragte sie freundlich. Es war irgendwie gruselig, dass jeder der Mentalis meinen Namen zu kennen schien. Ty sagte gestern, dass sich die Nachricht der Weltenwandlerin, also mir, wie ein Lauffeuer sich verbreitet hatte und ich den Leuten wieder Hoffnung gegeben hätte. >> Ich... << fing ich an >> Charlotte wollte mit mir sprechen.<< stotterte ich. >> Ach so, ich dachte mein Sohn hätte dich eingeladen. << sie grinste >> Ich bin Tys' Mutter. Du kannst mich ruhig Vanessa nennen. Komm mit ich kann dich zu Charlotte bringen. << Ich folgte Vanessa.
Als mir schon fast meine Beine wehtaten hielten wir vor einer besonders verzierten Tür. In das Holz waren drei Omegas eingraviert, die an der gewölbten Seite miteinander verbunden waren. Vanessa verabschiedete sich und verschwand in einem anderen Zimmer. Zaghaft klopfte ich dreimal.
Ich hörte ein gedämpftes >>Herein< . Meine Finger umfassten die Messingtürklinke und die Tür ging auf.
>> Schön das du gekommen bist, wir müssen uns unterhalten<< Charlotte saß hinter einem wuchtigen Schreibtisch auf dem ein Schildchen das mit Charlotte Elizabeth Starkwell — Leiterin der londoner Mentalis beschriftet war.
>> Worum geht es? << fragte ich. >> Die Engel greifen immer wieder Elba an und sie sind uns überlegen, jeden Monat verlieren wir viele unserer Leute. Obwohl es ihnen noch nicht gelungen ist die Hauptstadt Midnight einzunehmen brauchen wir deine Hilfe. Hast du, als du in anderen Dimensionen warst je ein goldenes Schwert gesehen, dieses Schert ist unsere einzige Chance diesen Krieg zu gewinnen.<<
>> Nein, da war kein Schwert. Aber es gibt tausende von Welten, bis jetzt hab ich nur einem Bruchteil davon gesehen. Die Suche könnte Jahre dauern. << nervös kaute ich auf meiner Unterlippe. >> Du kommst doch in die Dimensionen, indem du dich darauf konzentrierst, oder? Versuch doch dir ein goldenes Schwert vorzustellen<<
>> So funktioniert das nicht. Ich kann nur in die Welten reisen, die ich bereits kenne und das sind die in die es mich aus Zufall hineinzieht. Es reicht nicht mir ein Schwert vorzustellen, dass ich noch nie in meinem Leben gesehen habe.<< Ich sah förmlich wie Charlottes Hoffnung sich verflüchtigte. Obwohl sie mir nicht wirklich sympathisch war, hatte ich Mitleid. Mir lag es doch auch am Herzen die versteckte Welt und die Mentalis zu retten. >> Aber ich könnte es versuchen, vielleicht klappt es aber ich kann nichts versprechen.<<
Ich schloss meine Augen und versuchte mir ein Schwert vorzustellen. Schlicht und aus Gold geschmiedet. Das übliche Schwindelgefühl stellte sich ein. Und doch war irgendwas anders. Es fühlte sich an als würde die Temperatur plötzlich rasch ansteigen. Ich öffnete meine Augen wieder und sah leuchtende Farben, doch ich spürte keinen Boden unter meinen Füßen. Es war als würde ich schwerelos durch eine bunte Galaxie fliegen. Blitzschnell jagten Bilder von unbekannten Welten an mir vorbei. Ein Strand mit grotesken Palmen die verfaulten. Eine eingeschneite Großstadt und ein endloses Ödland. Ich wurde immer schneller bis ich nur noch gleißendes Licht sah.
Plötzlich war ich wieder in Charlottes Büro. Ich war außer Atem und fühlte mich als ob ich einen Marathon gelaufen wäre. Erschöpft ließ ich mich auf einen Stuhl sinken bis sich meine Atmung wieder normalisiert hatte. >> Hat es funktioniert? << Ich verdrehte die Augen. >> Was denken sie denn? <<
>> Es ist als wäre ich an den Dimensionen nur vorbeigeschrammt. Es tut mir wirklich leid.<<
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Worldrambler
FantasyDie 17- jährige Natalia zieht nach London um. Sie hat einen reichen Vater den sie über alles hasst. Plötzlich trifft sie übernatürliche Wesen und ist bald in einen Kampf um Liebe, Macht und Freundschaft verstrickt.