Kapitel 3

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Nach dem Ereignis machte mir die Frau den Rest meines Aufenthaltes zur Hölle. Zu erst war alles wie abgesprochen, doch nach einigen Stunden flüsterte sie den Patienten irgendetwas ins Ohr und zeigte dabei auf mich. Ich tat so als würde ich es nicht bemerken, jedoch wusste ich, dass sie ihnen nichts gutes erzählte. Und schon bald sprudelte das Gerücht herum, ich sei einer von der russischen Mafia. Die Patienten schenkten mir keinen einzigen Blick mehr und sogar eine Krankenschwester fragte nach, ob es stimmte.
Auf jeden Fall wollte ich sofort weg von da, weshalb ich beschloss einfach abzuhauen, das wäre die einfachste Lösung. Was sollte denn dabei sein? Das dachte ich jedenfalls. Ich meine ich habe sowieso so ein Nasending an, mir geht es gut und wenn ich verschwinde werde ich nicht mehr von den Gerüchten belästigt. Ist doch besser für alle so, dass die russische Mafia weg ist.

Nachts war es dann so weit, ich nahm nichts außer mein Handy mit, ich hatte schließlich nichts anderes dabei. Meine Klamotten waren sowieso weg, und ich hatte nicht die Zeit um sie zu suchen. Leise öffnete ich meine Tür und lugte vorsichtig durch den kleinen Schlitz. Am Tresen saß diese eine Empfangsdame und sie schien zu schlafen, was ich auch sofort ausnutzte und an ihr vorbeischlich. Es war dunkel und ich konnte kaum was sehen, weshalb ich mich an irgendwas stieß und erstmal leise rumfluchte. Nachdem ich fertig war, schlich ich wieder leise herum um den Ausgang zu finden. Irgendwann fand ich dann eine Tür mit einem grünen „Exit"-Schild. Ich rannte so schnell es ging dort hin und brach erfolgreich aus. Zu erst schaute ich mich um, dann beschloss ich zu spazieren. Eigentlich wollte ich nicht spazieren, ich wusste genau ich wollte einfach nur an Kenmas Haus „zufällig" vorbeilaufen. Dies tat ich dann auch, extra langsam. Da ich nichts anderes zu tun hatte, und nicht nachhause wollte, beschloss ich ihn mitten in der Nacht zu besuchen. Ich kletterte unauffällig an einem Baum hoch und klammerte mich am Fenster fest. So bin ich zuvor schon öfter reingeschlichen, als er mir Nachts geschrieben hatte er könne nicht schlafen, also war das wohl das kleinste Problem. Leise öffnete ich das Fenster und betrachtete zunächst den Boden, wo ich mich hinunterlassen könnte. Einen Moment gingen mir die verschiedensten Dinge durch den Kopf. Will er mich überhaupt sehen? Geht es ihm gut? Wird er mich hier sofort rausschmeißen oder sich vielleicht freuen? Die Gedanken schüttle ich aus meinem Kopf und beschloss nur nachzusehen, ob es ihm gut geht. Ich sprang leise auf den Teppich im Flur und stand schon vor seinem Zimmer. Scheiße, was ist, wenn er wach ist? Was soll ich dann sagen???? Ich fing an in Panik zu geraten und stand deshalb noch knapp 5 Minuten wie der letzte Idiot vor der Tür rum. In dieser Zeit stieg in mir die Nervosität auf und mein Herz begann schneller zu schlagen. Ich hatte Angst vor einer Abweisung, jedoch war es eine 50/50 Chance, weshalb ich mir große Hoffnungen machte. Bevor ich noch nervöser wurde, drückte ich die Türklinke langsam runter und öffnete sie anschließend vorsichtig. Der komplett leere Raum versetzte einen Stich in meiner Brust und meine vorherige Nervosität fiel von Level 100 auf 0. Geschockt sah ich mich um. Alle Möbel waren weg, alles war weg. Scheiße was ist wenn das das falsche Haus ist? Oh mein Gott ich muss hier so schnell es geht raus. Panisch eilte ich zurück zum Fenster und gelang unversehrt nach draußen. Ich begab mich vorsichtig zur Haustür, um nachzusehen, ob es die richtige Nummer war. Unerwarteter Weise war es die richtige Adresse. Niedergeschlagen war ich dabei mich umzudrehen, bis ich in meinem Augenwinkel ein kleines dunkles Schild am Fenster sah. „Zu vermieten?", murmelte ich als ich mit meiner Handytaschenlampe draufleuchtete.

Somit verließ ich das Grundstück mit einem tief bedrücktem Gesicht, sodass man meinen könnte ich hätte Depressionen. Langsam und gedankenversunken schlenderte ich die Straße entlang und betrachtete die Häuser. Irgendwann wurde mir dann aber kalt und ich beschloss doch nachhause zu gehen. Von Kenma bis zu mir war es kein langer Weg, weshalb ich auf ziemlich schnell zuhause ankam. Behutsam öffnete ich die Tür und spazierte vorsichtig hinein. Langsam schlich ich die Treppen hoch, bis eine von ihnen knarrte und ich einen halben Herzinfarkt bekam. Ein paar Sekunden verblieb ich dort in einer Schockstarre und löste mich dann auch schnell wieder. In meinem Zimmer angekommen stieg mir sofort ein mir wohltuender Geruch in die Nase. Endlich wieder zuhause. Keine blöde Kantinenfrau, keine nervigen Ärzte. Zuhause. Ich schmiss mich auf das Bett und weil ich auch ziemlich müde war, legte ich mich hin und schloss meine Augen. „Gute Nacht, Kenma", murmelte ich vor mich hin und realisierte erst danach was ich sagte. Geschockt riss ich die Augen auf und überlegte wie das gerade passiert sein könnte. Meine Gedanken blieben daran hängen, dass ich einfach nur viel an ihn dachte und das ausversehen herausplatzte. Somit schlief ich dann auch wie erwartet schnell und traumlos ein.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, lag ich im Krankenhaus. Zu erst ahnte ich nichts, doch als die Erinnerungen der letzten Nacht zurückkamen, war ich enttäuscht und erleichtert gleichzeitig. Erleichtert, weil Kenma vielleicht doch nicht umgezogen ist und enttäuscht, weil ich dachte ich müsse nicht mehr hier den ätzenden Krankenhausgeruch inhalieren. Also war das alles... nur ein Traum? Sofort sprang ich auf und suchte nach einem Arzt. Als ich dann einen fand und dieser mich überrascht anblickte frage ich: „Wann darf ich raus?". „Das hier ist doch kein Gefängnis, du darfst gehen wann du willst. Ist ja nur ein Nasenbruch und damit kannst du auch zuhause rumlungern.", antwortete er mir trocken und eilte weiter in den Gang. Ich stand dort wie der letzte Idiot und starrte Löcher in die Luft. Ich fühle mich echt verarscht.

Zügig verließ ich das Krankenhaus ohne ein Wort und begab mich sofort zu Bokutos Haus. Allerdings starrten mich auf dem Weg dort hin alle Leute an als hätte ich blaue Haare oder so, was mich ziemlich verunsicherte und ich mich zugleich total unwohl fühlen ließ. Als ich allerdings ankam öffnete nur Bokutos neuer Mitbewohner Akaashi die Tür, und teilte mir mit, Bokuto sei am duschen. Allerdings kam mir das ganze etwas seltsam vor, denn so nervös hatte ich ihn schließlich noch nie gesehen. „Dann warte ich halt drinnen", meinte ich lässig und versuchte die Tür aufzumachen, doch Akaashi hielt sie nur einen kleinen Schlitz offen und lies garnicht zu, dass die sich ein Stück bewegte. „Nein, geht nicht.", sagte er kalt und setzte seine alltägliche, ernste Miene auf. „Und wieso nicht?", brummte ich genervt vor mich hin. Ohne einmal zu blinzeln schaute Akaashi mir tief in die Augen und antwortete: „Geht nicht. Hat eben nen Grund". Mich kotzte es dermaßen an, dass er so stur war. Doch plötzlich schrie jemand aus der Wohnung heraus: „Akaashi? Wer ist da?". Die Stimme kam mir bekannt vor, aber es war weder Bokutos, noch die Stimme seiner Mutter. Hektisch knallte er dann schnell die Tür vor meiner Nase zu und ich beschloss sie zu belauschen. Ich hielt ein Ohr an die Tür und hörte wie sich Akaashi rausredete mit: „Ach nur der Postbote" oder so. Die mir bekannte Stimme sagte dann nichts mehr und sie schienen weg gegangen zu sein. „Scheiße", fluchte ich leise und setzte mich vor die Tür auf den Boden. Ich beschloss zu warten bis jemand die Tür öffnete, ja ich bin hartnäckig ich weiß, interessiert mich aber einen Dreck.

Und so endete auch schon der Tag, ich saß dort die ganze Zeit und schlief Abends dann auf der Fußmatte ein. Komischerweise verließ den ganzen Tag niemand die Wohnung und ebenso wollte niemand rein.

Lost Puzzle Piece || KurokenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt