Mit weit aufgerissenen Augen starrte Xander auf den Turm, der sich scheinbar immer weiter von ihm entfernte. Es fühlte sich nicht an, als würde er selbst stürzen — vielmehr wirkte es, als würde der Turm in die Ferne gleiten und Xander zurücklassen. Seine Konturen verschwammen, wurden kleiner und blasser, bis sie schließlich nur noch als schwaches Leuchten in der Dunkelheit schwebten. Die Halle um ihn herum hatte sich bereits in ein finsteres Nichts aufgelöst.
Ein stummer Schrei erstarrte auf Xanders Gesicht, während er jeden Moment damit rechnete den Glasboden zu durchschlagen und von der Wucht und den scharfen Splittern in tausend Teile zerschnitten zu werden. Doch der Aufprall blieb aus. Xander fiel weiter. Immer tiefer zog es ihn hinab . Die Schwärze dehnte sich endlos um ihn aus, bis auch das letzte Glimmen des Leuchtfeuers verschluckt war und nichts als eine bedrückende Leere zurückblieb.
Fiel er noch immer? Oder schwebte er? Xander konnte es nicht sagen. Ohne einen festen Bezugspunkt war sein Körper schwerelos, verloren in der endlosen Schwärze. Oben und unten hatten ihre Bedeutung verloren. Vergangenheit und Zukunft verschwammen. War er noch am Leben? Oder hatte er längst die Grenze überschritten?
Er blinzelte. Doch nichts änderte sich. Die Dunkelheit blieb. Selbst mit geöffneten Augen fühlte sie sich an, als wäre sie in ihn hineingekrochen, und hätte ihn dann von innen heraus verschluckt. Nur das Geräusch seines unsteten Atems durchbrach die Stille. Oder war es das dumpfe Pochen seines rasenden Pulses?
„Xander..." Die Stimme war kaum mehr als ein Hauch, doch sie schnitt durch die Leere wie ein Messer.
„Xander, es ist Zeit, aufzuwachen."
Er zuckte zusammen. „Ich versuche es doch!", wollte er rufen, doch die Worte verließen seine Lippen nur als gedämpftes Murmeln. Sie verhallten in der Dunkelheit, als hätten sie nie existiert. Oder hatte er sie sich nur eingebildet?
Plötzlich fiel ihm etwas Wichtiges ein. „Hektor!"
Sein eigener Ruf hallte in seinem Kopf wider, laut und verzweifelt. Aber auch dieses Mal schien die Dunkelheit ihn zu verschlucken. Seine Stimme klang fern und verzerrt, als würde sie durch Wasser dringen oder von dicken Wänden verschluckt werden.
„Hektor, bist du da?"
Doch keine Antwort kam. Nur Stille.
Und dann war die Stimme wieder da.
„Xander, wach auf!"
„Ich will ja, verdammt!" Seine Stimme klang hohl, sie verirrte sich in der Dunkelheit. „Ich will zurück!"
Doch wohin? Xander neigte den Kopf, suchte nach Antworten, die ihm entglitten wie flüchtige Schatten. Wo war er eben gewesen? Und wo wollte er sein?
Er erinnerte sich nur schemenhaft:
Ein Turm im Nebel.
Ein Haus im Wald.
Ein hübsches Mädchen im Diner.
Der Strand.
Und Venedig.
Ein kleines Mädchen auf einer Schaukel. Sie lächelte, während sie hin und her schwang—auf und ab, auf und ab. Xander lächelte ebenfalls.
Der Frühling war warm, die Luft summte vor Leben. Blumen bedeckten die Wiese, Bienen tanzten zwischen den Blüten, und eine vertraute Melodie schwebte durch die Äste der alten Eiche.
„I see trees of green
Red roses too
I see them bloom
For me and you
And I think to myself
What a wonderful world."
Xander summte mit, ließ sich treiben, vor und zurück, als würde die Zeit sich selbst im Rhythmus des schwingenden Brettes bewegen. Die Welt war schön. Friedlich. Leicht.
Er wollte für immer hierbleiben.
„Xander, mein Gott! Verdammt noch mal—WACH AUF!"
Die Stimme war ein Donnerhall, riss ihn aus seiner Trance. Die Erde bebte. Der alte Baum ächzte und krachte. Mit einem unheilvollen Knall brach er entzwei. Xander fiel. Die Schaukel riss ihn mit sich zu Boden. Hitze durchzog das Erdreich. Ein Zittern, das stärker wurde.
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Start - Dream - Repeat
Fantascienza| Science Fiktion | Willkommen im Paradies - oder in deinem schlimmsten Albtraum? Xander Breece ist ein erfahrener Traumreiseleiter. In einer Zukunft, in der manchen Menschen die Realität für die Erfüllung ihrer Träume nicht mehr ausreicht, begleite...
