Hinter der schweren Eichentür des alten Kleiderschrankes lag ein dichtes, nebelverhangenes Waldstück, in dem die knorrigen Bäume in unnatürlicher Stille standen. Der Boden aber schien schwer zu atmen, als ob der Traum selbst ein lebendiges Wesen wäre. Durch die weißen Tropfen, die wie gefroren in der Luft zwischen ihnen hingen, konnten sie nur wenige Meter in den Wald hineinsehen. Danach verschluckte der Nebel alle Schemen und helle Schatten blieben wie eine undurchdringliche Wand vor ihnen stehen.
Nia drehte sich noch einmal entschlossen zu Xander um. „Los geht's. Kein Zurück mehr. Und verliere den Anschluss nicht." Sie trat selbstsicher hinaus in den Nebel, doch ihre Schritte wurden bald vom moosbewachsenen Waldboden verschluckt.
„Ich lasse dich nicht aus den Augen, Kleines." Xander grinste, obwohl ihm etwas mulmig zumute war. Nia lachte amüsiert und trat immer tiefer in den Wald, während der Nebel sich wie lebendige Finger um ihre Beine legte. „Wenn jemand von uns beiden verloren geht, dann bestimmt nicht ich." Sie verschwand ein Stück weiter im Nebel, ihre zierliche Silhouette war nur noch schemenhaft zu erkennen.
„Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft." Xander zuckte zusammen, als er plötzlich Hektors Stimme hörte. Er war also noch mit ihnen verbunden. „Du bist verrückt, dass du einem Avatar, den du gar nicht kennst, in einen nebeligen Wald folgst", meinte er tadelnd.
„Ja, vielleicht", murmelte Xander, während er Nia beobachtete, wie sie leichtfüßig, fast schwebend über den Boden des Waldes tanzte. „Aber wenn es stimmt, was sie über diese Übergangstraume gesagt hat, ist Mr Harold in Gefahr!"
„Und du auch!", mahnte Hektor. „Ist es das wert?"
Xander schwieg und versuchte mit Nia schritt zu halten. Doch es fiel ihm immer schwerer, sich in dem dunklen Wald und dem Nebel zu orientieren. Der Boden schien unter seinen Schuhen immer wieder nachzugeben und bei einem unachtsamen Schritt stolperte er über einen Baumwurzel. Als er sich nach einem kurzen Schreck wieder fing, hatte er seine Gefährtin bereits aus den Augen verloren.
„Nia?!" Xander rief ihren Namen, aber die Antwort schien regelrecht von dem Nebel verschluckt zu werden. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus. Wo war sie? Warum hatte sie ihn alleine gelassen?
Unruhig drehte er sich einmal um sich selbst, seine Augen suchten die Umgebung ab, als er plötzlich ein Geräusch aus der Richtung hörte, in die Nia vermutlich verschwunden war. Panik stieg in ihm auf, und seine Augen suchten weiter, doch er konnte nichts erkennen, nichts hören - außer dem Rauschen des Windes und dem eigenen, unregelmäßigen Atem.
„Verdammt", fluchte er leise. Der Nebel schien dichter zu werden, kroch an seinen Beinen hinauf und legte sich wie feuchte Hände an seinen Körper. Xander versuchte ihn abzuschütteln, doch die eisigen Wassertropfen fraßen sich erbarmungslos durch seine Kleidung. Das Labyrinth aus Bäumen und feuchter Luft, das sich um ihn herum entwickelte, schien immer dichter und undurchlässiger zu werden und langsam kroch Panik in Xander hoch.
„Hektor, wo ist Nia?", rief er verzweifelt, seine Stimme viel zu hoch in seinem Kopf, doch nur die Stille antwortete ihm. War er der Einzige, der das Gefühl hatte, sich im Kreis zu drehen? „Verdammt, das ist nicht gut..."
Ziellos setzte er einen Schritt nach dem anderen nach vorne, wischte den Nebel von seinem Gesicht, doch es half nichts. Der Wald schien sich zu verschieben, die Bäume wankten unnatürlich und seine Schritte klangen merkwürdig entfernt, als ob er sich in einem Raum bewegte, der nicht wirklich existierte.
„Nia!" Sein Rufen wurde lauter, fast flehend. „Nia, verdammt, wo bist du?"
Plötzlich hörte Xander hinter sich ein Knirschen. Er drehte sich abrupt um und sah plötzlich in Nias Gesicht. Für einen Moment verspürte Xander Erleichterung, doch dann bemerkte er die Gefahr, welche Nias unerwartetes Auftauchen mit sich gebracht hatte. Ein junger Mann, der Xander sehr vertraut vorkam, stand dicht hinter ihr und hielt den Avatar fest. „Xander, wie schön, dich wiederzusehen. Ich habe dich nicht erwartet."
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Start - Dream - Repeat
Science Fiction| Science Fiktion | Willkommen im Paradies - oder in deinem schlimmsten Albtraum? Xander Breece ist ein erfahrener Traumreiseleiter. In einer Zukunft, in der manchen Menschen die Realität für die Erfüllung ihrer Träume nicht mehr ausreicht, begleite...
