„Wir haben keine Zeit mehr!" Nias Stimme klang dringlich. „Xander, wir müssen den Turm erreichen! Von dort können wir vielleicht Kontakt zur realen Welt herstellen. Aber wenn die Wächter uns einholen—"
„Dann war's das!" Xander riss Mr. Harold auf die Beine. „Los jetzt!" Nia packte Xanders Arm und zog ihn mit, während der Boden hinter ihnen aufbrach, splitterte und in die sich öffnende Tiefe stürzte. Mr. Harold stolperte hinter ihnen her, bleich und wacklig.
Mit jedem Schritt zerfiel die Welt weiter. Als wollte sie sich selbst vernichten, bevor die Eindringlinge die Kontrolle übernahmen. Trümmer der Wände stürzten in die Tiefe, dahinter nur ein schwarzes Nichts offenbarend, doch der Turm vor ihnen flackerte wie ein Leuchtturm im Sturm — ihr letzter Hoffnungsschimmer.
Renard und Yasmin waren weit voraus. Xander hatte zu lange versucht, Harold zu überzeugen, Yasmin gehen zu lassen und hatte ihre Flucht zu spät bemerkt. Jetzt waren sie zurückgefallen, und Renard würde die Traumwelt garantiert nicht friedlich verlassen.
„Wir müssen schneller sein als die Wächter!" Sie rannten bereits so schnell sie konnten, doch die Wächter waren ihnen dicht auf den Fersen. Nias Stimme kämpfte gegen das Klirren des zerbrechenden Bodens an. „Denk dir was aus, Xander!"
„Was ausdenken?" Xander wusste nicht, wie er das anstellen sollte, bevor Nia ergänzte: „Irgendwas, das uns schneller macht! Nutze die Traumwelt!"
Xander zögerte — bis ihm klar wurde, was sie meinte. Sie waren noch immer im System. Gedanken formten hier die Realität.
Rollschuhe!
Die Idee blitzte auf, und kaum hatte er daran gedacht, rollen sie dahin. Xander glitt über die glatte Oberfläche, schneller als jemals zuvor. Ein kurzer Moment der Euphorie packte ihn — bis er zurückblickte.
Mr. Harold lag am Boden. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Er hatte diesen Geistesblitz nicht kommen sehen.
„Nia, hilf Harold!" Xander wirbelte herum. Nia drehte scharf ab, während Xander den Blick wieder nach vorn richtete. Renard war fast über die Brücke aus flackernden Datensträngen, Yasmin dicht hinter ihm.
„Renard! Was hast du vor?" Xanders Ruf hallte durch die zerfallende Welt. Keine Antwort. Nicht mal ein Blick zurück.
Der Boden bebte, als würde er unter ihren Füßen atmen. Aus den Schatten wuchsen weitere Wächter, stumm, gesichtslos—und viel zu schnell.
„Zum Turm! Jetzt!" Nia war wieder bei ihm, Harold stützend. Eilig setzte Xander einen Fuß auf den Datenstrang. Dann den zweiten. In diesem Moment verschwanden die Rollschuhe, als hätte er eine andere Ebene betreten. Die Tiefe unter ihm flimmerte, pulsierte wie ein lebendiges Wesen. Er fröstelte, doch er hatte keine Angst vor der Höhe. Er wagte einen weiteren Schritt. Dann geschah es: Unsichtbare Wände schienen neben ihm aufzusteigen, engten ihn unangenehm ein. Ein Schraubstock zog sich um seine Brust zusammen. Die Enge erstickte ihn, während sein Blick in den schwindenden Abgrund fiel. Seine Beine weigerten sich zu bewegen. Wenn er jetzt für immer hier gefangen war...
„Xander, beweg dich!" Nias Stimme schnitt durch den Nebel in seinem Kopf. „Es ist nur ein Traum. Das System versucht dich aufzuhalten."
Xander schloss die Augen und dachte daran, dass Nia und Mr. Harold hinter ihm waren. Ohne seinen Mut, das Richtige zu tun, hätten sie keine Chance, hier heil rauszukommen. Also zwang er sich, den nächsten Schritt zu machen. Dann noch einen. Die Enge griff nach ihm wie unsichtbare Hände, doch Xander zerriss die Fesseln in seinem Kopf. Schritt für Schritt stürmte er voran, bis nur noch das Licht des Turms vor ihm lag.
„Wir sind da." Xanders Stimme zitterte, als könnte er selbst kaum glauben, dass sie es geschafft hatten. Doch die Gefahr lauerte noch immer.
„Hoch, sofort!" Nia schob sich an ihm vorbei, ihre Schritte hallten auf den Stufen wider, während sie die enge Wendeltreppe des Turms hinaufstürmte. Xander folgte ihr, dicht auf den Fersen.
DU LIEST GERADE
Start - Dream - Repeat
Fantascienza| Science Fiktion | Willkommen im Paradies - oder in deinem schlimmsten Albtraum? Xander Breece ist ein erfahrener Traumreiseleiter. In einer Zukunft, in der manchen Menschen die Realität für die Erfüllung ihrer Träume nicht mehr ausreicht, begleite...
