Eine gute Stunde später saß Xander in einem der gemütlichen Sessel im Aufenthaltsraum des Instituts und wärmte seine Hände an einer dampfenden Tasse Kaffee. Sassy hatte ihm gegenüber Platz genommen und musterte ihn mit einem ernsten Blick.
„Ich bin wirklich froh, dass du endlich aufgewacht bist, Xander! Wir hatten dich schon fast aufgegeben", meinte sie mit einem Hauch Theatralik. Doch Xander spürte, dass ihre Worte einen wahren Kern hatten. Nach allem, was mit seiner Mutter geschehen war, fühlte er sich demütig und dankbar, dem Albtraum entkommen zu sein.
„Was ist denn eigentlich passiert?", fragte Xander und rieb sich die Schläfe. „Ich hatte das Gefühl, dass ich nur ein paar Stunden in Elysium Haven unterwegs war."
Sassy nickte verständnisvoll. „Das kann ich nachvollziehen. Hektor hat uns berichtet, was du und Renard nach dem Stromausfall erlebt habt. Auch, dass er dich wieder zurückgeschickt hat. Und von Nia. Im Übergangstraum hat er dich dann allerdings verloren. Sein Versuch, dich sofort zu wecken, schlug fehl."
„Ich habe ihn erst noch gehört. Doch dann war er plötzlich weg", erinnerte sich Xander. „Aber warum konnte er mich nicht wecken? Er hätte doch nur den Stuhl aktivieren müssen."
„Das hat er getan. Aber dein Gehirn hat nicht reagiert. Wir vermuten, dass du dich zu dem Zeitpunkt bereits im Übergangstraum verlaufen hattest. Leider wissen wir noch nicht genug über diese Träume und ihre Mechanismen. Zum Glück haben wir durch deine Erfahrungen jetzt weitere Erkenntnisse gewonnen. Wenn du uns helfen willst, die Traumwelt wieder aufzubauen, könnten wir das Problem vielleicht lösen", fügte Sassy hinzu.
„Ist die Traumwelt denn zerstört worden?" Neugierig musterte Xander seine Kollegin, die offenbar mehr über den Vorfall wusste, als sie bisher zugegeben hatte.
„Zerstört ist vielleicht der falsche Ausdruck. Sie hat eher eine Art Reset durchlaufen. Nia hat zum Glück kurz vor dem Zusammenbruch sämtliche Daten aus der Traumwelt heruntergeladen und dann alles aus dem Elysium Haven gelöscht. Die Erinnerungen der Kunden sind erhalten geblieben, während die Träume selbst zerstört wurden. Wenn du die Oasis jetzt sehen könntest, Xander..."
Plötzlich verdüsterte sich Sassys Gesicht. Sie und Xander hatten oft davon geschwärmt, wie atemberaubend schön diese Welt trotz ihrer Perfektion und Realitätsferne gewesen war.
„Ich fürchte, du und Renard habt den letzten Sonnenuntergang dieser Welt gesehen."
„Das heißt, dass jetzt niemand mehr dort ist? Sind denn alle aufgewacht, die noch geträumt haben? Was ist mit Mrs. O'Hara?" Xander wollte sich nicht vorstellen, dass der netten alten Dame etwas passiert sein könnte.
„Es geht ihnen gut!", beruhigte ihn Sassy. „Sie wurden in einem Übergangstraum zwischengelagert. Einem etwas generischen zwar, aber für ein paar Wochen wird es wohl auszuhalten sein. Immerhin hat der Reset auch sein Gutes: Wir können die Traumwelt neu aufbauen, ohne die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden."
„Ich kann immer noch nicht fassen, wie Renard das alles organisieren konnte. Und woher er diese Informationen über Yasmin und meine Mutter hatte." Xander überlegte eine Weile, dann fragte er offen: „Weißt du, wer ihm geholfen und Nia geschickt hat?"
Sassy stieß einen langen Seufzer aus. „Ich fürchte, das war ich."
„Was?" Xander sprang auf. Sein Kaffee schwappte über, und der Becher fiel klappernd zu Boden. Die braune Flüssigkeit breitete sich auf dem dunklen Teppich aus, aber Xander achtete nicht darauf. Er starrte Sassy an, die ruhig sitzen blieb und ihn mit einem Hauch von Verlegenheit ansah.
„Bitte, Xander, setz dich wieder hin. Ich kann es dir erklären."
„Erklären?" Xanders Stimme zitterte vor Wut. „Dass du mich fast hast ertrinken lassen und dann vom Turm gestoßen hast? Darauf bin ich jetzt aber gespannt!"
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Start - Dream - Repeat
Ficção Científica| Science Fiktion | Willkommen im Paradies - oder in deinem schlimmsten Albtraum? Xander Breece ist ein erfahrener Traumreiseleiter. In einer Zukunft, in der manchen Menschen die Realität für die Erfüllung ihrer Träume nicht mehr ausreicht, begleite...
