Kapitel 9

5 1 0
                                        

Am nächsten Morgen erwachte ich, weil Diana mich an der Schulter schüttelte. "He, Storm! Du musst los!" Ich murrte, stand aber auf und machte mich fertig. Unten hörte ich bereits jemanden rumlaufen, also entschloss ich mich zu etwas anderen. Ich wollte außer Diana gerade keine Menschen sehen. Meine Entscheidung, einen anderen Ausgang zu nehmen bestätigte sich, als ich unten die Stimmen von Light und Sam hörte. Ich erschauderte leicht bei dem Gedanken, dass Light wusste das ich auch da war - im selben Haus! Schnell schüttelte ich den Kopf, öffnete die Balkontür und winkte Diana zu. "Komm! Ich hab keine Lust, anderen Menschen zu begegnen, vor allem Light und Sam nicht!" Diana nickte verständnisvoll und stellte sich neben mich. Ich hob meine Hände, zielte auf sie und setzte meine Kraft ein. Ich hob sie sanft in die Luft, ließ sie durch die Luft schweben und machte sicher, dass Diana sicher auf dem Boden ankam. Dann schwang ich mich selbst über das Geländer, sprang und federte mich mit Telekinese ab. Diana zeigte mir zum Abschied ein Peace-Zeichen, dann ging sie los, um ihre Schülerin zu treffen. Ich hörte vorne die WG-Tür aufgehen und Sam mit Light rauskommen.

Schnell fasste ich einen Entschluss: Ich würde ihnen auf keinen Fall begegnen! Ich lauschte kurz. "Gut...sie stehen noch da vorne und sie gehen außerdem langsam. Wenn ich mich beeile, hätte ich eine Chance!" Ich sprintete los. Über die Terrasse, dann die kleine Treppe runter in den Garten. Am liebsten hätte ich nochmal gelauscht, wo die beiden jetzt waren, aber wenn ich jetzt stehenblieb, wäre meine einzige Chance vertan! Ich rannte also weiter, am Rand des Gartens lang, dann über die zweite kleine Terrasse. Als ich um die letzte Ecke bog, fand ich mich Auge in Auge mit Light und Sam wieder. Mir stockte für eine Sekunde der Atem, dann nahm ich meine gesamte Energie zusammen. Ich hob eine Hand und konzentrierte mich. Ich hörte zwar, wie Sam sagte: "D-das wagt sie nicht! Oder?", aber ich ignorierte es. Ich konnte es mir bildlich vorstellen, wie Sam Light anschaute, und dieser nickte. Als ich meine Augen öffnete, hatte ich zum einen eine telekinetische Wand heraufbeschworen, die mir ein paar Sekunden Vorsprung geben würde, sobald ich loslief. Und zum anderen leuchtete alles in einem grünlichen Licht.

Ich ließ meinen Blick nervös umherschweifen. Als ich Sam kurz mit meinen Augen streifte, hatte ich das Gefühl, als ob ich ihn berührt hätte. Aber ich stand doch gut eineinhalb Meter von ihm entfernt! Außerdem merkte ich, dass Sam das Gesicht leicht verzog und sich mit einer Hand an den Hinterkopf fasste, so als ob er Schmerzen hatte. Verwundert blinzelte ich mehrmals. Daraufhin verschwand das grüne Licht und alles war wieder normal. Nach einem tiefen Atemzug und einem letzten Blick zu meinem besten Freund raste ich davon, sprang jede einzelne Treppe in einem Satz hinunter und sprintete den Berg runter. Ein leichtes Gefühl von Freiheit stieg in mir auf, während ich mit dem Wind den Berg runterrannte. Auf einmal hatte ich wieder ein Lied im Kopf, was ich länger schon nicht mehr gehört hatte. Ich fing an, zu summen, während ich den Weg zur Schule weiter bewältigte. Am Schulgelände angekommen, blieb ich kurz stehen und schaute hinter mich. "Gut...sie sind mir also nicht hinterhergerannt!", stellte ich zufrieden fest. Nachdem ich kurz Pause gemacht hatte, betrat ich das Schulgelände und lief in Richtung Sporthalle.

Auf dem Vorplatz wartete Caine bereits auf mich. Ich holte tief Luft und fragte zögerlich, noch bevor er etwas sagen konnte: "Ahem...es gibt etwas Wichtiges, was ich klären müsste...heute - jetzt. Wäre es in Ordnung, wenn ich erst nach der ersten großen Pause zu dir komme?" Caine staunte nicht schlecht über meine Frage. Vorerst kam keine Antwort, und ich dachte schon ich hätte meinen Mentor jetzt komplett verwirrt, aber dann sagte er: "In Ordnung. Geh und kläre dieses...wichtige Ding. Aber wenn du nach der Pause nicht da bist, wird das Folgen für dich haben!" Mir fiel die Drohung natürlich auf, also nickte ich gezwungenermaßen. "Ich werde da sein!", versicherte ich meinem Mentor und zwang mich zu einem leichten Lächeln. Er grinste kurz zurück, dann verschwand er. Ich stand kurz allein draußen, dann machte ich mich auf den Weg, um Sunny und Gaia zu finden. "Also gut...wo könnte ich Gaia finden?", überlegte ich, als ich über das Schulgelände tigerte. Unterwegs bemerkte ich, wie Sam und Light den Berg raufkamen. Ich glaubte, dass Sam mir einen kurzen Blick zuwarf, aber ging darauf nicht ein.

Schnell schlug ich eine andere Richtung ein. Auf einmal hatte ich die Idee! Ich rannte zur Schülercaféteria und lugte durch ein Fenster. Und tatsächlich! In dem Raum konnte ich zwei Gestalten ausmachen, die sehr nach Sunny und Gaia aussahen! Ich kletterte die paar Stufen hoch, öffnete die Tür und ging leise in den Raum. Als ich kurz davor war, Gaia berühren zu können, drehte sie sich zu mir um. "Was willst du von uns?", fragte sie mich. Ich erschrak, als ihr ihren Gesichtsausdruck sah und ihre Stimme hörte. Diese Stimme klang total erschöpft, und gleichzeitig aggressiv und wütend. "Sie ist nicht gerade in Bestform...", stellte ich fest. Es kostete mich einiges an Überwindung, meine Frage zu stellen. Doch nach einem kurzen Blick zu Sunny tat ich es einfach. "I-ich brauche deine Hilfe, Gaia...hättest du kurz Zeit für mich? Allein?" Gaia erhob sich mühsam, und ich zuckte zurück. Am liebsten hätte ich gefragt, was mit ihr war, aber das traute ich mich nicht. "Sunny, wir machen eine kurze Pause.", ordnete Gaia schroff an und gab mir ein Zeichen, ihr in den Nebenraum zu folgen. Dort setzten wir uns an einen Tisch.

"Also, was gibt's?", fragte Gaia kurz angebunden. Ich legte meine Hände auf den Tisch und erklärte die Situation. Gaias Augen leuchteten interessiert auf, als sie von meiner Nebenkraft erfuhr, die ihrer Kraft zu ähneln schien. "Nun, das ändert einiges! Wenn du es mir erlaubst, würde ich mit Mind Control in deinem Verstand nachschauen, was für eine Nebenkraft das ist!" Sie sah mich erwartungsvoll an. Auf einmal war ich mir unsicher. War es wirklich das, was ich wollte? Ich wäre Gaia ausgeliefert. Sollte ich ihr wirklich erlauben, in meine Gedanken einzudringen? Ich wandte mich an sie: "T-tut es weh, wenn ich es dir erlaube?" Gaia dachte kurz nach, dann schüttelte sie zu meiner Erleichterung den Kopf.

"Da du es ja erlaubst und somit das Ganze freiwillig abläuft, sind deine Schilde automatisch runtergefahren. Also?" Ich holte tief Luft, schaute ihr in die Augen und sagte dann: "Tu es..." Sofort leuchteten ihre Augen leicht grünlich auf, ähnlich wie bei Caine. Doch dieses Mal spürte ich nichts. Unfassbar! Nun wusste ich, wie ich demnächst Caines Attacken von Mind Control abmildern konnte! Auf einmal hatte ich das Gefühl, in einen Strudel hineingezogen zu werden. Einen Strudel aus leuchtenden Farben und tiefschwarzen Schatten. Und dann sah ich Dinge, die ich vielleicht besser nicht gesehen hätte. In genau dem Moment, wo ich diese Dinge sah, wusste ich schon, dass das alles kein gutes Ende für mich nehmen würde.


GONE-Schule ~ Storms SichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt