Kapitel 8

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Spät am Abend lag ich immer noch auf der Windklippe. Ich feilte mittlerweile an einem Plan, wie ich herausfinden konnte, wer loyal war und wer nicht. Seufzend setzte ich mich auf und schaute in den langsam dunkler werdenden Himmel. "Was passiert hier bitteschön...jetzt misstraue ich schon meinen Freunden.", murmelte ich. Dann stand ich auf und machte mich auf den Weg zu meiner WG, da ich schon recht müde war. Auf dem Weg nach oben zu meiner WG kam mir eine Gestalt entgegen. Als ich ihr näherkam, erkannte ich, dass es Diana war. "He, Diana! Was machst du hier?" Diana kam neben mir zum Stehen. "Naja...ich kann nicht schlafen. Und du?" Ich wusste nicht, ob ich ihr vertraute, aber dann entschloss ich, dass ich es ihr sagen würde.

"Ich bin noch wach, weil ich einen Plan brauche, wie ich rausfinden kann, wer von meinen Freunden noch alles loyal ist und wer nicht. Kannst du mir vielleicht helfen...?" Ich sah sie flehend an, und sie verstand. Anscheinend spürte sie, wie wichtig dies mir war. "Okay, ich helfe dir. Lass aber in deine WG gehen, hier draußen wird es im Moment reichlich kühl!" Ich nickte. Kurze Zeit später saßen wir in meinem Zimmer unter dem Dach auf dem Sofa und redeten. Auf einmal meinte Diana: "Irgendwie hab ich das Gefühl, dass es für dich nicht ganz so leicht mit Caine ist, oder?" Ich seufzte und erklärte, was er bis jetzt mit mir gemacht hatte. Diana hörte aufmerksam zu und schien schon in Gedanken zu überlegen, ob sie mit Caine darüber sprechen sollten oder nicht. Schlussendlich sagte ich: "Also, um deine Frage zu beantworten...nein, es ist alles andere als leicht! Ich hab es satt, bei jedem kleinsten Fehler mit Mind Control gequält zu werden! Ich hab keine Lust mehr, jeden Tag diese anstrengenden Übungen zu machen! Ich will einfach nicht mehr!"

Ich spürte, dass in mir etwas brach. Ich wusste nicht, was genau in mir passierte, aber als ich sagte, dass ich nicht mehr wolle, spürte ich, das ein Gefühl in mir verschwand. Was genau es war, würde ich erst später erfahren. Diana legte einen Arm um meine Schultern und lächelte mitfühlend. "Soll ich mal mit ihm reden?", bot sie an. Ich schüttelte den Kopf und kämpfte gleichzeitig gegen den Drang zu weinen an. "N-nein...besser nicht. Er fängt gerade an, sich zu ändern und nett zu mir zu sein. Und das will ich nicht wieder aufgeben..." Diana seufzte leise und meinte: "Nun gut, wenn du meinst...ich finde es aber komplett falsch, dass er dich für jeden kleinsten Fehler bestraft, und dann auch noch so hart! Du kennst diese Kraft im Gegensatz zu ihm nicht und brauchst Zeit, um dich da reinzuarbeiten. Außerdem erwartet er, dass du ihm vertraust und ihm überall hin folgst. Bestes Beispiel: Unsere Ankunft hier. Ich hab von dem 'Kampf' gehört, den er über dich ausgelöst hat. Es ist nicht richtig, was er da tut und das weiß er auch, aber er will nicht akzeptieren, dass du nicht so schnell bist wie es ihm lieb wäre. Und deshalb versucht er, dich mit Gewalt anzutreiben und auf seine Seite zu ziehen!" Sie redete sich in Rage und ich merkte, wie ich langsam immer müder wurde.

Irgendwann hob ich meine Hand und stoppte Diana. "Ich bin da ja vollkommen deiner Meinung, aber wie soll ich das Caine klarmachen?" Ich ließ meinen Blick durch mein Zimmer schweifen und dachte kurz an Light. Wie ging es ihm? War alles in Ordnung? Doch bevor ich diese Gedanken verstärken konnte, bekam ich einen elektrischen Schlag von innen - aus meinem Körper heraus! Keuchend zuckte ich zusammen. Erneut spürte ich die elektrische Entladung in mir. Ein weiterer innerer Blitz traf mich und ließ mich noch mehr Schmerzen spüren. Verschwommen erkannte ich Diana, die sich dichter neben mich setzte und mit mir sprach, aber ich hörte nichts. Mein ganzer Körper kribbelte und ich hatte das Gefühl, dass in meinem Kopf eine Bombe explodierte. Ich war kurz davor, laut aufzuschreien, als der Schmerz endlich langsam wieder abnahm. Ich registrierte, dass ich nun voll ausgestreckt auf dem Sofa lag, Diana stand davor und schaute mich besorgt an. Nach einer knappen Minute hatte ich mich erholt und setzte mich langsam auf. Diana setzte sich sofort wieder zu mir, falls ich umkippen sollte. "W-was war das gerade?! Ist alles in Ordnung?", fragte sie mich. Ich atmete tief durch und antwortete: "J...ja, ich denke schon. Und...ich würde dir gerne sagen, was das war, aber ich weiß es selbst nicht! E-es war wie ein Blitz, der mich von innen heraus traf!" "Hattest du in dem Moment an etwas Spezielles gedacht...?", erkundigte Diana sich und legte mir einen Arm um die Schultern. Mit der anderen Hand zog sie meine rote Kuscheldecke heran und gab sie mir.

Dankbar nahm ich sie und wickelte mich darin ein. Dann erst war ich in der Lage, zu antworten. "Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich an Light gedacht hatte..." Warum ich mich bei diesem Satz so unwohl fühlte, wusste ich selbst nicht. Diana schwieg kurz, dann sagte sie: "ich glaube, du solltest dir von irgendwem aus deinem Freundeskreis Hilfe holen und -" Ich stoppte sie sofort und erzählte ihr, dass ich meinen Freunden aus bestimmten Gründen nicht mehr traute - und zwar niemandem! Und das ich ja auch deshalb diesen Plan brauchte, um die Loyalität zu testen! Diana hörte erneut zu und nickte, doch dann hatte sie noch eine Frage: "Und...was hat das mit diesem Funken auf sich? Was bedeutet das nur...?!" Sie sah mich fest an und berührte gleichzeitig vorsichtig meine rechte Hand. Nach knapp zwei Sekunden schreckte sie nach Luft schnappend zurück. "D-das...NEIN! Das kann nicht sein!" Ich starrte Diana nur verwirrt und müde an, abwartend ob eine Erklärung käme. Sie kam. Und sie schockierte mich, weil ich jetzt wusste, wie weit Caine schon gegangen war...

"Deine Kräfte sind eigentlich gleich...du bist immer noch ein Vierer. Aber da ist etwas...ich kann es nicht genau definieren! Eine kleine Nebenkraft, die mich etwas irritiert. Sie erinnert mich stark an Gaia. Vielleicht solltest du morgen mal mit ihr reden und ihr diesen Funken zeigen. Sie kann dir bestimmt sagen, was das für eine Nebenkraft ist." Ich stöhnte nur leise, da ich immer noch leichte Nachwirkungen von den vielen Strapazen fühlte, dem ganzen Schmerz, der ganzen Anstrengung. Total müde ließ ich mich einfach zur Seite kippen. Diana stand auf, ging kurz in mein anderes kleines Zimmer und kehrte mit einem Kissen zurück. Sie schob es mir unter den Kopf, deckte mich mit meiner Kuscheldecke zu und dimmte das Licht. Ich hörte ein Rascheln, als sie es sich auf meinem Sitzsack gemütlich machte. Ich warf noch einen kurzen Blick zu ihr, dankbar mit ihr reden zu können, ohne Angst zu haben dass sie mich verraten würde. "Wenn du Diana vertraust, könntest du theoretisch auch Wind vertrauen...", dachte ich. Ich spürte, wie ich langsam einschlief. Mit dem Gedanken, morgen mit Gaia zu sprechen, tauchte ich in das Land der Träume ein.


GONE-Schule ~ Storms SichtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt