Nach knapp fünf Minuten kam Light zu mir, kurz darauf trafen Thunder und Sura ein. Auch ein paar andere unseres Clans kamen, aber ich hielt mich etwas entfernt, unterbewusst wissend dass Caine dieses Treffen nicht gutheißen würde. Die anderen redeten über ihren Unterricht und was sie alles lernten, aber ich stand still in der Ecke. "Alles gut, Storm?" Light stellte sich neben mich, während die anderen weiter ihre Gespräche führten. "Ich würde mich gerade so gerne an ihn kuscheln und alles vergessen...aber was macht Caine dann mit mir?!", überlegte ich.
Ich drehte den Kopf und schaute Light in die Augen, wich aber unbewusst ein paar Schritte zurück. "T-tut mir leid...aber ich glaube, es ist besser wenn wir uns auf einer normalen Distanz unterhalten...", meinte ich und hoffte, er würde es verstehen. Mein bester Freund schaute mich irritiert an und meinte dann: "Egal was Caine dir gesagt hat, es ist nicht so wichtig!" Ich seufzte leise und sagte nichts. "Und ob das wichtig ist...", dachte ich mir nur und starrte in den Himmel. Ich spürte, wie eine Hand mich an der Schulter berührte und zuckte zurück. "Bitte...glaub mir. Mit mir ist alles in Ordnung. Es passiert mir schon nichts, Caine ist einfach nur...ehrgeizig. Er möchte das Beste aus mir rausholen und allen beweisen, dass auch er eine Schülerin ausbilden kann. Ich passe schon auf mich auf." Nach einer knappen Minute der Stille zwischen mir und Light versuchte ich es mit einem Themenwechsel: "Wie läuft eigentlich dein Training? Wie kommst du mit Sam klar?" Er zögerte kurz mit seiner Antwort, dann sagte er: "Mein Training läuft eigentlich ganz gut, ich hatte nur ein paar Differenzen mit Sam! Und was das mit Caine angeht: Ich weiß ungefähr, was er dir antut, und das ist nicht okay! Bitte bilde dir nicht ein, dass er das nur aus Ehrgeiz macht!" Ich ging ein paar Schritte aus der Ecke und musterte ihn unsicher. "Woher weißt du, was Caine mit mir macht? Unser Training geht dich nichts an!"
Während meiner Worte versuchte ich, eine Entfernung zwischen ihm und mir aufzubauen, da ich das Gefühl hatte, dass Caine wusste, was ich gerade tat. Light folgte mir jedoch, ließ mir keine Chance zu gehen. "Und ob mich das was angeht! Schließlich quält er dich mit Schmerzen!" Ich schüttelte den Kopf. "Er macht das doch nur, um mir zu zeigen was ich falsch mache! Halte dich aus dieser Angelegenheit bitte einfach raus!" Light schaute mich besorgt an und ich wusste, er würde sich nie raushalten. Seufzend drehte ich mich um und wollte weggehen, aber Light sprang mir in den Weg, während meine anderen Freunde sich langsam wieder auf den Weg zum Unterricht machten.
"Geh mir aus dem Weg!", fuhr ich meinen besten Freund an. Er machte jedoch keine Anstalten wegzugehen. "Nein! Erst will ich die ganze Wahrheit wissen! Womit quält er dich so?!" Ich stand da und wusste nicht, ob ich es ihm sagen sollte oder nicht. Schlussendlich kam ich zu dem Ergebnis, nichts zu sagen. "Entschuldige, aber das kann und darf ich dir nicht sagen! Konzentriere du dich lieber mal auf dein Training und lass mich in Ruhe!" Ich hatte das Gefühl, dass das, was ich sagte, gar nicht richtig von mir kam. Es fühlte sich eher an, als würde jemand durch mich durchsprechen, denn eigentlich würde ich mit meinem besten Freund so sonst nie reden. Ich erhob eine Hand, starrte in die Augen von Light und setzte meine Kraft ein. Ich schob ihn einfach auf Seite und ging. Er starrte mir fassungslos nach, das spürte ich genau. Plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel etwas sehr Helles aufleuchten. Ich wirbelte herum und bemerkte einen grünen Lichtstrahl, der auf mich zuschoss. Schnell versuchte ich, auszuweichen, aber dafür war es schon ein bisschen zu spät. Ich schaffte es zwar, aus der direkten Schusslinie zu kommen, aber der Schuss kam so nah an mir vorbei, dass ich die Hitze an meinem rechten Arm spürte. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte, die Hitze und den darauffolgenden Schmerz zu ignorieren.
Nach ein paar Sekunden öffnete ich die Augen wieder und schaute zu Light, der geschockt immer noch im Lager stand und auf seine Hände starrte. Dann hob er den Blick, bemerkte mich und kam ein paar Schritte auf mich zu. Ich wich sofort zurück und warnte ihn mit einem Blick, dass er nicht näher kommen sollte. "Storm, glaub mir, das war nicht gewollt! Es tut mir l-" Ich hörte ihm nicht bis zum Ende zu, sondern sprintete zur Sporthalle. Vor der Tür blieb ich kurz stehen und wappnete mich gegen das, was jetzt folgen würde. Unterbewusst wusste ich, dass ich länger weggeblieben war als ich eigentlich sollte. "Das wird Konsequenzen für mich haben...", dachte ich und legte die Hand auf die Türklinke. Sobald ich die Tür öffnete, versuchte ich zu erahnen wo Caine war. Ich lief die ersten Schritte in die Halle, doch dann fegte mich auf einmal eine telekinetische Attacke von den Füßen.
Benommen lag ich auf dem Boden und fühlte ein Brennen an meinem rechten Arm, wo mich das Licht meines Freundes gestriffen hat. Bevor ich noch eine Chance hatte, mich zu erklären, war Caine neben mir. Ich setzte mich auf, nur um kurz darauf wieder umzufallen und mich vor Schmerzen zu winden. "Caine...bitte lass es mich erklären...!", versuchte ich meinen Mentor zu beruhigen. Doch die glühenden Schmerzen in meinem Kopf hörten nicht auf. Eher im Gegenteil, sie wurden noch schlimmer. Ich rollte mich zuckend zusammen und kämpfte gegen die Tränen an. Es war schlimmer als jemals zuvor. In den nächsten paar Sekunden hatte ich das Gefühl, von innen heraus zu explodieren vor Schmerz. Es fühlte sich an, als ob jemand mit glühenden Krallen in meinem Kopf alles zerkratzte und verbrannte, was im Weg war. "Bitte...", unternahm ich einen letzten verzweifelten Versuch, aber ohne Erfolg. Caine starrte mich nur mit einem eiskalten Blick an und machte weiter. Auf einmal hatte ich das Gefühl, als würde jemand mit unsichtbaren Händen in meinem Gehirn herumkramen, meine guten und positiven Erinnerungen an meine Freunde nehmen und sie in einen Käfig aus Energie stecken, sodass ich keinen Zugriff mehr darauf hatte. Und dann...es fühlte sich an, als würde in mir etwas kaltes, dunkles sich breit machen und alles an Freundschaft und Nettigkeit ersticken. Dann endlich ebbte der glühende Schmerz ab und ich konnte wieder klar denken.
Caine stand mit abgewandtem Rücken zu mir. Ich empfand im Augenblick nur bitteren, tiefen Hass für ihn. Schwankend kämpfte ich mich auf die Beine und richtete meine linke Hand zitternd auf ihn. Den rechten Arm schonte ich absichtlich. Mein Mentor reagierte nicht, obwohl ich mir sicher war, dass er wusste was ich tat. "Gib dir keine Mühe, du bist im Augenblick zu schwach, um zu kämpfen.", kam es von ihm, als er sich zu mir drehte. Der grünliche Schimmer in seinen Augen verschwand, und auf einmal hatte ich das Gefühl, dass alles wieder normal war. Unbewusst legte ich meine linke Hand auf meinen rechten Arm und zuckte zusammen, als sich der brennende Schmerz wieder bemerkbar machte. "Was hast du?", erkundigte sich Caine. Ich streckte ihm den Arm hin.
"D-das war Light...", brachte ich nur raus und starrte Caine an. Er begutachtete die leichte Verbrennung und sagte dann: "Ich hatte dich ja gewarnt! Wenn er wirklich dein Freund wäre, hätte er nie auf dich geschossen! Du hältst dich in Zukunft fern von ihm, und von Sam auch! Ich könnte schwören, dass Sammy seinen Schüler darauf angesetzt hat, auf dich zu schießen..." Ich seufzte leise und schaute zu Boden. "Ja, Caine...ich werde mich von den beiden fernhalten.", erwiderte ich. "Und was das mit dem Schuss angeht...du könntest Recht haben. Vielleicht ist er doch kein wahrer Freund!", fügte ich hinzu. Zufrieden lächelnd nickte Caine und legte einen Arm um meine Schultern. Erstaunt sah ich auf und begegnete seinem Blick. Mein Hass auf ihn verebbte wieder und ich blendete langsam aus, was er mir vorhin angetan hatte. "Danke das du für mich da bist, Caine...", flüsterte ich. Er lächelte nur noch mehr und meinte: "Ich werde immer für dich da sein, egal was kommt. Wir beide werden zusammen noch große Taten vollbringen!"
