Am nächsten Morgen wurde ich davon geweckt, dass ich hin und her geschaukelt wurde. Leicht genervt öffnete ich die Augen und streckte mich. "W-was...?", versuchte ich herauszufinden, was los war. "Guten Morgen! Ich dachte mir mal, dass ich dich netterweise wecke!", hörte ich Caines belustigte Stimme. Schnell setzte ich mich auf und bemerkte, dass ich mitsamt der Matte in der Luft schwebte. Caine stand unten und hatte seine Hände auf die Matte gerichtet. "Jaja...schon gut! Aber lass mich jetzt runter!" Er grinste nur und schüttelte den Kopf. "Nö, weißt du, du musst jetzt da oben verhungern!" Seufzend hob ich meine linke Hand und zielte auf ihn. "Mach jetzt!", forderte ich. Er tat so, als ob er sich erschrak und ließ mich runter.
"Schon gut, schon gut! Ich lass dich runter! Nur bitte tu mir nichts!" Lächelnd sprang ich auf und landete vor ihm. "Das kann ich nicht versprechen!" Wir mussten beide lachen. Dabei fiel mir auf, dass Caine wirklich viel entspannter war als sonst. "Als ob unser Gespräch gestern irgendwas zwischen uns bewirkt hätte...", dachte ich. Caine schaute, nachdem er sich von dem Lachflash erholt hatte, auf die Uhr. Dann wandte er sich an mich: "Du solltest vielleicht aufbrechen, wenn du mit Gaia trainieren willst." Ich atmete tief durch und nickte. "Stimmt, du hast Recht..." Eigentlich wollte ich gar nicht gehen, da die Stimmung zwischen meinem Mentor und mir gerade so gut war. Aber ich hatte keine Wahl. Schließlich hatte ich Gaia versprochen, mit ihr zu üben. Schnell verabschiedete ich mich von Caine und wollte gehen. Aber bevor ich auch nur einen Schritt aus der Turnhalle machen konnte, wurde ich von unsichtbaren Händen aufgehalten und zurückgezogen.
"Hey...was?!", wunderte ich mich und wollte mich befreien. Als die unsichtbaren Hände mich losließen, stand ich wieder vor meinem Mentor. "Hm? Was ist denn noch?", erkundigte ich mich. Er legte mir jeweils eine Hand auf meine Schultern und schaute mich fest an. "Bevor du gehst möchte ich dich darum bitten, dass du auf dich aufpassen sollst. Ich weiß, du glaubst mir nicht, aber ich bin mir sicher, dass Gaia irgendetwas vorhat. Ich traue ihr nicht. Deshalb will ich eigentlich nicht, dass du öfters mit ihr zusammen bist. Und das sage ich dir jetzt nicht als dein Mentor, sondern als dein Freund. Ich will nicht, dass dir etwas passiert." Erstaunt sah ich ihn an. Das war so komisch, solche Worte von Caine zu hören. Wohlgemerkt dem Caine, der mich vor ein paar Tagen noch extrem mit Mind Control gequält hatte! Verwirrt schüttelte ich diesen Gedanken ab und erwiderte: "Es ist schön zu wissen, dass ich dir anscheinend so wichtig bin. Ich verspreche, auf mich aufzupassen. Mir wird nichts passieren." Er seufzte erleichtert und senkte kurz den Blick. Dann zog er mich an sich und legte seine Arme um mich.
Ich zuckte leicht zusammen, weil das sehr unerwartet kam. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass er so etwas einmal tun würde! Nach der kurzen Schreckenssekunde schloss ich die Augen und umarmte ihn einfach zurück. Nach einer knappen Minute ließ Caine von mir ab und schaute durch die Halle, nur um meinem Blick auszuweichen. Ich lächelte nur leicht und drehte mich um. "Ich geh dann mal...", sagte ich und verließ den Raum. Schnellen Schrittes ging ich in Richtung Unterstufengebäude. Dort sollte ich Gaia treffen. Als ich dort ankam, wartete sie schon bereits. "Da bist du ja endlich! Was hat das denn so lange gedauert?" ich atmete kurz ein bisschen durch und meinte: "Ich bin einfach etwas zu spät aufgestanden!" Gaia warf mir einen Blick zu, und mir wurde klar dass sie mir nicht glaubte.
Seufzend gab ich nach und erzählte ihr Teile des wahren Grundes. Ich sagte ihr, dass ich mich noch kurz mit Caine unterhalten hatte, weil wir von gestern noch einen Punkt hatten, wo ich gerne noch was zu sagen wollte. Sie war immer noch nicht ganz überzeugt, aber zumindest konnte ich sie davon abhalten, zu Caine zu gehen, um den wahren Grund herauszufinden. "Gut...lass uns anfangen.", sagte sie knapp und ging auf die Wiese beim Mittelweg. Dort setzte sie sich auf die Wiese und bedeutete mir, mich dazuzusetzen. Dann begannen wir mit der ersten Übung. "Ich werde gleich immer wieder mal in deinen Verstand eindringen. Du sollst versuchen, zu erspüren, ob ich gerade bei dir bin, und wenn ja was ich mache. Verstanden?" Ich nickte und machte mich bereit. Gaia ließ ihre Augen grün aufleuchten und fing an.
