Kapitel 7

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Nachdem ich für ungefähr zwei Stunden Freizeit hatte, und danach wieder auf unser Schulgelände kam, saß Caine am Infopoint und wartete auf mich. Ich schaute erst verwundert, da ich dachte wir würden weiterhin in der Turnhalle bleiben. Aber da irrte ich mich, denn Caine hatte jetzt was Besonderes geplant. "Komm, ich zeig dir etwas!", forderte er mich auf und ging los, in Richtung Innenstadt. Ohne eine Wahl folgte ich ihm, unwissend was er mit mir vorhatte. In der Ketzerbach stoppten wir, liefen in die Mitte der Straße und standen jetzt an den Wasserbecken, die dort schon seit Ewigkeiten waren. Verwirrt sah ich zu, wie Caine die Hände in das noch fließende Wasser steckte, die Augen schloss und sich konzentrierte. Auf einmal floss das Wasser viel schneller, und am Ende des Beckens türmte es sich wie eine Fontäne auf, nur um dann einen Bogen durch die Luft zu machen und wieder im Becken zu landen.

Erstaunt trat ich näher an das Becken. Caine trat einen Schritt auf Seite und nickte mir aufmunternd zu. Tief Luft holend streckte ich meine Hände ins Wasser und konzentrierte mich auf meine Kraft. Gerade als ich das Gefühl hatte, dass etwas passierte, kam ein Geräusch von meiner linken Seite und irritierte mich, sodass ich die Konzentration verlor. Aus dem Augenwinkel sah ich zu Caine, der mich unzufrieden musterte. "Deine Konzentration ist schlechter als sonst...woran liegt das?", erkundigte er sich, tat einen auf nett und versuchte so, mich zu täuschen. Aber ich kannte ihn und wusste, dass er mich gerade am liebsten durch die Gegend werfen würde. "Caine, du musst dich nicht verstellen. Zeig mir ruhig, dass du unzufrieden bist!", kam es von mir, bevor ich mich stoppen konnte. Seine Miene verfinsterte sich, und das grünliche Leuchten trat wieder in seine Augen. "Ich glaube, du bist nicht in der Position, Sprüche zu machen!", knurrte er nur dumpf und drang für ein paar Sekunden in meinen Verstand ein, sodass Wellen von Schmerz mich überfluteten. Ich setzte mich auf den Rand des Beckens, schloss die Augen und hoffte, Caine würde bald aufhören, mich zu quälen.

Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass vor meinem inneren Auge ein kleiner, grün schimmernder Funke herumflog. Die Schmerzen von Mind Control ließen etwas nach. Ich streckte meine Sinne nach diesem Funken aus und zuckte zusammen, als ich ihn berührte. Es war mindestens so schmerzhaft wie als wenn man die Wand der FAYZ berührte. Doch dann biss ich die Zähne zusammen und griff geistig nach dem Funken, der sofort in mich hineinfuhr. Keuchend öffnete ich die Augen wieder und blickte mich um. Als mein Blick dem von Caine begegnete, dachte ich für eine Sekunde, dass ein leicht grünliches Licht zwischen uns auftauchte. Doch als ich blinzelte, war es wieder weg, genauso wie die Schmerzen. Caine atmete tief durch, versuchte sich wieder unter Kontrolle zu kriegen und setzte sich dann neben mich. "Wir müssen dringendst etwas an deiner Konzentration arbeiten. Hast du Vorschläge?", fragte er extra sanft. Ich war kurz irritiert, warum er dies tat, sagte dazu aber nichts. "Hm...ich hätte eine Idee, aber ich weiß nicht...es ist komisch, dass ich jetzt auf einmal Ideen äußern darf." Caine nickte bestätigend und setzte an, etwas zu erwidern, aber dann sah er jemanden auf dem Gehweg und sprang auf. "Komm!", forderte er mich auf und ging zu den zwei Gestalten.

"Diana und Wind...", erkannte ich, während ich meinem Mentor folgte. "Caine! Storm! Ist das aber eine Überraschung das wir uns hier treffen!", rief Diana und zog Caine ein bisschen auf Seite, um mit ihm zu reden. Ich stand nun neben Wind. Mit einem Blick zu ihr wich ich vorsichtshalber einen kleinen Schritt zur Seite. "Alles in Ordnung?" Anscheinend hatte sie meine Unsicherheit bemerkt und drehte sich nun zu mir. Ich atmete kurz tief durch, dann antwortete ich: "J-ja...alles in Ordnung. Wieso seid ihr hier unterwegs?" Wind zögerte kurz mit der Antwort, dann meinte sie: "Wir sind hierher gegangen, damit wir in Ruhe reden konnten. Aber wir wussten ja nicht, dass ihr hier seid. Warum seid ihr hier?" Unsicher was ich antworten sollte, schwieg ich kurz. Aber dann kam mir der Gedanke, dass Wind sonst nicht überzeugt wäre, dass alles in Ordnung ist. Also sagte ich: "Wir sind hier, weil Caine mir etwas zeigen wollte - trainingsmäßig halt..." Meine Freundin gab ein zustimmendes Geräusch von sich, dann herrschte wieder Stille zwischen uns. Ich bemerkte, dass ich mich mittlerweile ziemlich unwohl fühlte, weil ich bei meiner Freundin stand. Dabei kannte ich sie und ich wusste, wie sie so drauf war. Ich hatte keine Ahnung, weshalb ich mir deshalb so komisch vorkam. Und warum wollte ich die ganze Zeit auf Distanz zu meinen Freunden sein? Es ergab alles keinen Sinn.

Mehrere Minuten vergingen und immer noch war es still zwischen uns. Das Schweigen wurde schlussendlich von Caine unterbrochen, der mich aufforderte wieder zu ihm zu kommen. Schnell verabschiedete ich mich von Wind und begab mich zu meinem Mentor. Nachdem Diana und Wind weg waren, fing Caine an zu reden: "Sag mal...ich habe dich beobachtet. Ich habe gesehen, wie du Abstand zu deiner Freundin genommen hast und dich sogar unwohl gefühlt hast. Wie kommt das? Zweifelst du an deinen Freunden?" Ich schaute ihn kurz irritiert an, dann versuchte ich, es ihm zu erklären. "Naja...ich zweifle nicht direkt an ihnen, aber nach der Sache mit Light..." Ich verstummte, unwissend wie ich mein Gefühlschaos erklären sollte. Caine schwieg kurz, dann meinte er: "Ich glaube, ich kann dich verstehen." ich schaute ihn erstaunt an. Ich konnte mir beim besten Willen nicht erklären, was heute mit meinem Mentor los war. Erst quälte er mich extrem mit Mind Control, dann tat er einen auf nett und bot mir an, dass ich selbst Vorschläge für das Training machen konnte, und jetzt das - er glaubte mich zu verstehen! Unsicher musterte ich ihn, was ihm natürlich auffiel. Glücklicherweise sagte er nichts dazu, aber es war ja irgendwo auch verständlich, warum ich von ihm verwirrt war.

"S-sicher? Aber wie...wie bei der unheiligen FAYZ kannst du sagen, du könntest mich verstehen?", fragte ich nach, war mich aber nicht sicher, ob das gut gewesen war. Caine schaute mich nur leicht lächelnd an und erklärte: "Natürlich kannst du deine Zweifel an mir haben, aber ich weiß doch was ich gesehen habe. Du hast mir das Gefühl gegeben, als ob du deinen Freunden nicht mehr vertraust nach der Sache mit Light. Und deshalb will ich dir hier und jetzt eins versichern: Wenn du mich jemals brauchen solltest, ich werde für dich da sein." Jetzt war ich total verunsichert. Ich machte möglichst unauffällig ein paar kleine Schritte rückwärts. Caine sah es, hielt mich aber nicht auf. "I-ich...ich danke dir für dein Angebot, Caine Soren. Aber ich muss erstmal über diese neue Situation nachdenken...allein."

Caine nickte nur und ließ mich gehen. Ich rannte zurück auf's Schulgelände, setzte mich auf die Windklippe - eine kleine Wiese mit einem steilen Abhang - und fing an, nachzudenken. Als ich merkte, dass die Pause für die anderen begonnen hatte, blieb ich einfach sitzen. Ich wollte in diesem Moment einfach nur allein sein, ohne irgendwelche 'Freunde', bei denen ich sowieso nicht wusste, wem ich vertrauen konnte und wem nicht. "In dem Punkt hat Caine wirklich Recht...ich weiß nicht wem ich vertrauen kann und wem nicht. Ich muss das herausfinden!" Damit war es entschlossen. Ich würde Caine bitten, dass er mir für morgen freigab, sodass ich herausfinden konnte, wer mir noch loyal war und wer nicht. Entschlossen holte ich kurz Luft, dann schloss ich die Augen und legte mich hin, den Blick in den Himmel gerichtet.


GONE-Schule ~ Storms SichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt