Kapitel 10

2 2 0
                                        

Erstaunt hielt ich den Atem an. Diese Dinge, die jetzt vor meinem inneren Auge abliefen, waren zu unfassbar. Es gab keine Worte, um dieses Gefühl zu beschreiben. Ich sah, wie die FAYZ entstand, konnte beobachten wie Gaia die anderen Gone-Charaktere ins Leben rief. Nun wusste ich auch, wer für das ganze Chaos hier verantwortlich war. "Hm...darauf wäre ich nicht gekommen, dass ausgerechnet Kuro, Frost und Talo damit zu tun haben...und natürlich Gaia auch!", dachte ich mir nur. Dann merkte Gaia anscheinend etwas und lenkte ihre Gedanken in eine andere Richtung. Ich spürte, wie Gaia langsam und gründlich sich durch den Funken in mir durchtastete. Ich schloss meine Augen und wartete einfach ab. Nach gefühlten Ewigkeiten - in Wahrheit waren es nur drei Minuten - merkte ich, dass Gaia sich aus meinem Kopf zurückzog. Der Strudel an Farben und Schatten verschwand, und ich konnte ungestört meine Augen wieder öffnen. "Und?", fragte ich sie sofort. Sie lächelte mich nur an und fixierte mich genau. "Ich glaube, wir werden uns noch öfters begegnen...da gibt es etwas, was nur ich dir beibringen kann!" Verwirrt musterte ich sie und begriff erst nicht, was sie meinte.

Auf einmal nutzte Gaia ihre Kraft, um mir leichte Schmerzen in den Kopf zu setzen. Ich fasste mir an den Kopf und versuchte, es auszublenden. Es funktionierte so halb. Zumindest waren die Schmerzen nicht mehr ganz so stark. "Siehst du? Du hast instinktiv schon richtig gehandelt!", lobte Gaia. Ich starrte sie fassungslos an. "D-du ... du meinst, ich hätte auch...?!" Ich wagte es gar nicht, diese Wörter auszusprechen. Gaia nickte nur und zog ihre Gedanken wieder zurück, sodass ich wieder klar denken konnte. "Also, wie wollen wir jetzt vorgehen?", fragte Gaia mich. Ich war kurz erstaunt, dass sie mich das fragte, da ich dachte sie hätte schon einen Plan. Aber dies war anscheinend nicht der Fall. Als sie mich weiterhin abwartend ansah, holte ich kurz Luft und sagte dann: "Wie wär's, wenn wir gleich gemeinsam zu Caine gehen und du ihm erklärst, dass du mich ab und zu für etwas brauchst?" Gaia nickte sofort zustimmend. "Klingt gut. Also los, lass uns gehen!" Ich stand auf, öffnete die Tür und ließ Gaia vorgehen. Sunny ließen wir einfach ihn der Cafeteria zurück. Auf dem Weg zur Sporthalle warf ich Gaia immer wieder einen kleinen Seitenblick zu. So langsam wunderte mich echt nichts mehr. "Das ich einmal in meinem Leben Seite an Seite mit Gaia unterwegs sein würde...nicht zu fassen!", dachte ich.

Sie drehte den Kopf und lächelte mich extra freundlich an. "Du bist nicht besonders gut im Abschirmen deiner Gedanken..." Ich stöhnte kurz genervt, dann musste ich zu meiner Verwunderung etwas lachen. "Stimmt, du hast Recht...ich hab vollkommen vergessen, meine Gedanken abzuschirmen!" Gaia lachte auch etwas und meinte dann: "Naja...aber ich hätte ja auch abblocken können. Und was das angeht, - also deine Gedanken - da stimme ich dir vollkommen zu! Es ist schon sehr komisch, mit jemanden, den ich nicht kenne, Seite an Seite hier rumzulaufen. Und dazu kommt noch, dass du auch noch Caines Schülerin bist!" Ich nickte zustimmend und dann redeten wir noch etwas mehr über unsere Kräfte und wie man sie am besten einsetzte. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich für Gaia etwas empfand, dass mehr als nur Respekt war. Ich glaubte für eine Sekunde, dass wir Freunde waren. Und tatsächlich traute ich mich, dies Gaia mitzuteilen. Sie war erstaunt, da sie vorher noch nie Freunde hatte, geschweige denn jemanden kannte, der sie mochte und den sie ebenfalls mochte. Also bot ich ihr an, dass wir probeweise Freunde sein konnten, sofern sie sich im Griff hatte. Sie versprach, ihr Bestes zu geben.

Auf einmal meinte Gaia: "Ach, wenn wir schon davon reden: Wie ist das eigentlich mit deinen Freunden? Ich hab in deinem Kopf recht viel Misstrauen ihnen gegenüber gespürt..." Ich erinnerte mich an das Versprechen ihrerseits, sich im Griff zu haben, und ehe ich mich versah, hatte ich Gaia die ganze Situation erklärt. Sie war sofort begeistert und bot mir ihre Hilfe an. Ich gab ihr dieselbe Antwort wie vor einem Tag bei Caine. "Danke für dein Angebot, Gaia Soren-Ladris...aber ich würde es vorerst alleine versuchen." Sie nickte zustimmend und lächelte. Anscheinend war ihr gerade eine Idee gekommen. "Ich weiß, dass du vorerst keine Hilfe willst...aber ich hätte einen Vorschlag, wie du dir die Loyalität deiner Freunde sichern kannst und gleichzeitig einen Teil deiner Rache an Light ausführen kannst!" In ihren Augen konnte ich sehen, dass sie Light auch nicht wirklich leiden konnte, und ich spürte ihre Vorfreude auf das, was sie gerade im Kopf hatte. "Dann spuck's aus!", forderte ich sie auf.

Sie schaute mich kurz dankbar an, dann erklärte sie mir ihre Idee. Ich blieb ruckartig stehen. "N-nein...das meinst du nicht ernst! D-das kann ich ihnen nicht antun! Das wäre gegen die Kriegerehre!" Sie schaute mich leicht verärgert an, dann meinte sie: "Naja, es war ja auch nur ein Vorschlag!" Ich machte eine Geste, die ihr signalisierte, leise zu sein. Dann dachte ich angestrengt nach. Einerseits würde ich so etwas niemals freiwillig machen, andererseits ... es war ein sehr guter Vorschlag, der Beste bis jetzt. Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass diese Dunkelheit, die in mir ruhte, die Kontrolle übernehmen wollte. Ich versuchte dagegen anzukämpfen, aber es machte keinen Sinn. Die Dunkelheit gewann den kurzen Kampf und übernahm mein Handeln. Schlussendlich nickte ich und seufzte leise. "Gut...ich mach's. Danke für die Hilfe, Gaia!" In ihrem Gesicht erschien ein breites Lächeln. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter und schaute mich fest an. "Falls du weiterhin Hilfe brauchst, just call me and i'll be there!" Ich lächelte zurück und setzte mich wieder in Bewegung. Gleichzeitig spürte ich, wie die kalte Dunkelheit in mir sich wieder zurückzog und ich langsam wieder normal denken konnte.

Nach kurzer Zeit kamen wir bei der Sporthalle an. Wir traten gemeinsam ein und riefen nach Caine. Er kam sofort zu uns, musterte erst mich genau, dann starrte er Gaia an. "Was wollt ihr?", fragte er kurz angebunden und warf mir einen anklagenden Blick zu. Ich wusste genau, was er meinte. "Warum hast du SIE mitgebracht?! Du weißt, dass wir uns nicht gut leiden können!" Ich schüttelte unmerklich den Kopf und signalisierte ihm, dass das Schlimmere noch käme. Er atmete tief ein und fixierte weiterhin Gaia. "Wir wollten dir nur mitteilen, dass du nicht mehr der alleinige Mentor von Storm bist...", sagte Gaia. Für diesen Satz kassierte sie einen scharfen Blick von Caine. Ich schaute zwischen den beiden hin und her und wartete auf eine Reaktion von Caine. Seine Augen blitzen leuchtend grün auf, anscheinend versuchte er Mind Control auf Gaia anzuwenden. Doch sie lachte nur, schaute ihn gelassen an und dann ... ich weiß nicht, was sie machte, aber auf einmal schwankte Caine, zuckte am gesamten Körper und ging schließlich zu Boden.

Dort wand er sich und gab schmerzerfüllte Geräusche von sich. Ich erstarrte und beobachtete Caine. Ich wusste nicht warum, aber er tat mir leid. Vielleicht lag es einfach daran, dass er mein Lieblingscharakter war und dass ich ihn besonders gern hatte. Nach ungefähr dreißig Sekunden reichte es mir. Ich wandte mich an Gaia und schrie sie an: "Hör auf! Lass ihn in Ruhe! Lass es sein ... bitte!" Gaia wirbelte zu mir herum und fixierte mich. "Er ist selbst dran schuld, er hat die Energie von Mind Control auf mich gehetzt! Ich schlage ihn nur mit seiner eigenen Macht!" Ich warf einen Seitenblick zu meinem Mentor und glaubte zu spüren, was für Schmerzen er erlitt. Erneut unternahm ich einen Versuch, Gaia aufzuhalten. "Schon klar, es ist seine eigene Macht, aber ich bitte dich! Ich flehe dich als deine Freundin an, lass ihn bitte in Ruhe!!" Gaia starrte mich verärgert und etwas aggressiv an, ging aber auf meine Bitte ein.

Caine war vollkommen erledigt und lag regungslos auf dem Boden. Ich schickte Gaia mit einem strengen Blick weg. Zum Glück gehorchte sie sofort und ließ mich mit Caine allein. Ich holte mit meiner Telekinese eine kleine Sportmatte heran, hob Caine hoch und legte ihn auf die Matte. Dann setzte ich mich neben ihn. "Es tut mir leid, dass das passieren musste...", flüsterte ich und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er tat mir gerade wirklich leid, ob ich wollte oder nicht. Und genau jetzt beschloss ich, ihm zu vertrauen und ihm zu vergeben, was er mir schon alles angetan hatte. Ob das ein Fehler war? Ich wusste es nicht, aber ich hoffte, dass es keiner war. Ich spürte, dass Caine sich leicht regte und schaute sofort zu ihm. Sein Blick begegnete meinem und ich wusste sofort, dass er ahnte, was ich soeben beschlossen hatte. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, dann legte er den Kopf wieder auf die Matte und entspannte sich. Ich holte mir eine weitere Matte, legte sie neben Caines und legte mich ebenfalls hin, um mich etwas zu entspannen.


GONE-Schule ~ Storms SichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt