Mutig

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Hey,

ich habe wieder einen Os geschrieben, wie man hier unschwer erkennen kann :) Ein Thema, das mich in letzter Zeit schwer beschäftigt, spielt hierbei auch eine Rolle.

Ich bin Trans und das seit gut 1½ Jahren jetzt auch öffentlich. Es war damals ein sehr schwerer Schritt, aber ein guter! Ich habe das Glück, dass mich alle mir wichtigen Leute so akzeptieren und respektieren wie ich bin. In Anbetracht der momentanen politischen Entwicklungen hinsichtlich der Usa bei diesem Thema, musste ich allerdings einfach etwas darüber schreiben. Es gibt so viele Leute da draußen, die feindlich gegenüber Transmensch sind und die meisten sind es, weil sie noch nie mit einem gesprochen haben. Noch nie versucht haben die Welt aus den Augen genau dieser Personen zu sehen.

Jedenfalls wollte ich zumindest meinen Lesern hier einen kleinen Einblick geben, wie es sich anfühlt. In der Geschichte dreht es sich nicht komplett, um dieses Thema. Es ist nur Teil dieser Geschichte, so wie es Teil meiner eigenen ist.

Vielen Dank an die Leute, die sich meine Worte bis hier durchgelesen haben♡

Passend zu dem Thema gibt es ein Lied das ich viel beim Schreiben gehört habe. Es heißt: "When I Forgive you" von Sasha Allen.

Wenn das hier ebenfalls eine Transperson lesen sollte, die Jemanden zum Reden braucht der es gut nachempfinden kann, dann reagier bitte auf den Kommentar hier & wir können uns entweder hier in den Kommis unterhalten oder auf Insta. You are not alone!♡

Viel Spaß beim Lesen :)

All the Love ~ M xx

《♡》

Mutig.

Das war nie ein Wort mit dem ich mich selbst beschrieben hätte. Eher sogar das komplette Gegenteil. Angst ist ein treuer Begleiter seit ich anfangen konnte richtig zu denken. Ich habe vor allem Angst - Spritzen, Höhen, Enge Räume, Telefonate, Flugzeuge, Prüfungen, Menschenmengen, insbesondere Menschen. Es gibt definitiv nichts schlimmeres als neue Leute kennenzulernen.

Und doch gibt es Leute, die mich als mutig beschreiben. Weil ich meinen Weg gehe, als würde ich ihn freiwillig gehen. Ich gehe ihn nicht freiwillig. Ich gehe ihn, weil ich muss. Ich muss das tun, obwohl ich Angst habe. Das ist doch nicht mutig oder?

Zumindest fühlt es sich nicht so an.

Stirnrunzelnd sitze ich auf der Skateboardrampe und sehe in den Himmel hoch. Eine Zigarette in meiner rechten Hand. Harrys Locken in meiner linken. Er hat sich neben mir ausgebreitet und liegt dort wie ein Seestern. Augen geschlossen, als könnte ihm kein böser Gedanke etwas antun. So friedlich habe ich ihn in letzter Zeit schon lange nicht mehr gesehen.

„Denkst du das ich mutig bin?" ,frage ich und sehe der Sonne beim Untergehen zu.

Harrys Stirn runzelt sich, als wäre meine Frage, die dümmste, die er seit langem gehört habe. „Natürlich Lou, du bist die mutigste Person, die ich kenne" ,antwortet er, lässt dabei aber seine Augen geschlossen.

„Fühlt sich aber nicht so an" ,seufze ich, was Harry dazu bringt seine Augen zu öffnen. Seine Stirn runzelt sich wieder, als er mich ansieht.

„Wieso nicht?"

„Ich bin nicht mutig, nur weil ich den einzig möglichen Weg gehe" ,antworte ich. Diese Antwort scheint Harry so gar nicht zu gefallen, er richtet sich sogar auf und setzt sich neben mich. Die Falte in seiner Stirn wird immer tiefer. Vor ein paar Minuten sah er noch so friedlich aus.

„Natürlich bist du mutig, du hättest auch einfach nichts sagen können und dein Leben so weiter leben wie zuvor. Es gibt mehr als nur einen Weg, den du hättest einschlagen können, aber du hast dich für diesen entschieden und das ist mutig."

Larry OsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt