Das Ministerium roch wie immer nach Pergamentstaub und feuchtem Stein, doch für Hermine Granger-Weasley war dieser Ort nicht nur ein Arbeitsplatz – er war ein Schlachtfeld. Zum Glück kein Schlachtfeld mit Zauberstäben, wie sie es ihr halbes Leben erlebt hatte, sondern eines mit Argumenten, Gesetzesentwürfen und dem erbitterten Widerstand der Gewohnheit. Und heute würde sie erneut in den Ring steigen.
Ron hatte heute versprochen, die Kinder in die Schule zu fahren und am Nachmittag wieder abzuholen, denn Hermine rechnete damit, dass dieser Tag ein langer werden würde.
Auf ihrem Schreibtisch lag ein Ordner mit der Aufschrift „WR-E 4: Wesenrechtliche Erweiterung 4 – Hauselfenrechte". Es war ihre Herzenssache. Seit Jahren. Und sie war so weit vorangekommen wie niemand vor ihr – aber jeder Schritt war ein Kraftakt gegen Jahrhunderte der Bequemlichkeit und der Verdrängung.
Florence, ihre Assistentin, trat ein, einen Stapel Pergament unter dem Arm. „Die Anhörung zur WR-E 4 ist heute um zwei. Der Vorsitzende hat bereits seine Skepsis angekündigt."
„Natürlich hat er das.", murmelte Hermine, mehr zu sich selbst als zu Florence. „Was macht sonst der Vorsitzende eines Ausschusses für magische Wesen, wenn jemand ihm erklärt, dass Hauselfen keine Eigentümer, sondern Bürger sein sollten?"
„Immerhin wird heute zum ersten Mal über den Abschnitt zur freiwilligen Anstellung verhandelt.", sagte Florence vorsichtig.
„Es sollte keine Verhandlung sein", entgegnete Hermine leise. „Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein."
Vor der Anhörung traf sich Hermine mit einer kleinen Gruppe von Unterstützerinnen aus der Abteilung für magische Kreaturenrechte – unter ihnen Lia Fernhook, eine ruhige Halbelfe mit scharfer Zunge, und Barnaby Gold, ein junger Zauberer, der früher als Pfleger im St.-Mungo-Krankenhaus gearbeitet hatte.
„Wir haben die Ergebnisse der Umfrage unter freien Hauselfen aus dem letzten Jahr.", erklärte Lia, während sie einen dicken Ordner auf den Tisch fallen ließ. „Von 314 befragten Elfen äußerten 263 den Wunsch, unter fairen Bedingungen arbeiten zu dürfen. Mit Kleidung, Bezahlung, und—"
„—Urlaubszeiten", ergänzte Barnaby, der ein Blatt mit einem bunten Kreisdiagramm in die Höhe hielt. „Ein Drittel wünschte sich frei an Feiertagen."
„Das wird ihnen als Undank ausgelegt werden.", sagte Hermine düster. „Einige werden sagen, sie seien verwöhnt."
Lia schnaubte. „Nach fünfhundert Jahren Zwangsarbeit?"
Hermine lächelte schwach. „Ich bin auf eurer Seite. Aber der Ausschuss noch nicht."
Sie wandte sich an Florence. „Bring bitte auch die Statistik zu den Arbeitsunfällen mit – die unbehandelten Verbrennungen, die Verstauchungen, das alles. Ich will zeigen, was passiert, wenn wir 'Tradition' über Fürsorge stellen."
Florence nickte und verschwand.
Der Ausschusssaal war wie immer zu kalt, die Gardinen der großen Fenster waren zugezogen, um den Saal noch einschüchternder wirken zu lassen. Die Sitzreihen bestanden aus dunklem Holz, die Luft war trocken, die Blicke kritisch. Hermine stand allein vor einer Reihe von zwölf Zauberern und Hexen. In der ersten Reihe: Ignatius Greaves, Vorsitzender, konservativ bis ins Mark, bekannt für seine nostalgischen Reden über die „guten alten Strukturen".
Hermine sprach. Über die Geschichte der Hauselfen, über ihre Unfähigkeit, Verträge einzugehen – nicht aus Dummheit, sondern weil ihnen nie beigebracht wurde, wie. Über die freien Elfen, die sich außerhalb der magischen Gesellschaft bewegten wie Gespenster: zwischen den Mauern, zwischen den Regeln, zwischen den Rechten.
„Was wir hier fordern, sind keine Almosen.", sagte sie ruhig. „Es ist Anerkennung. Es ist ein Platz am Tisch. Es ist Schutz vor Ausbeutung, nicht Fürsorge wie für Haustiere, sondern Rechte wie für jeden anderen Bürger auch."
Greaves verschränkte die Arme. „Und was machen wir mit den Elfen, die sich weigern? Die sagen, sie wollen dienen?"
„Wir lassen ihnen die Wahl, ganz einfach.", sagte Hermine. „Aber wir geben denen, die frei sein wollen, endlich die Möglichkeit dazu. Freiheit darf kein Privileg sein, das man sich bei einem großzügigen Herrn verdienen muss. Sie muss ein Recht sein."
Ein älterer Zauberer hob den Finger. „Und wenn ein Elf die Arbeit verweigert?"
Hermine sah ihn an, als hätte er gerade die dümmste Frage seit mindestens einem Jahrhundert gestellt. „Dann hat er das Recht dazu. Wie jeder von uns."
Es entstand eine lange Pause. In der hintersten Reihe notierte jemand hektisch auf Pergament.
Später am Tag saß Hermine in ihrem Büro, die Finger an die Schläfen gepresst. Der Druck der Sitzung lastete noch schwer auf ihr. Sie wusste, dass das Abstimmungsergebnis vertagt worden war – wieder einmal. Aber sie hatte Greaves zum Schweigen gebracht. Und das war mehr als Symbolik. Es war Bewegung.
Am liebsten wollte sie nach Hause fahren, ihre Kinder umarmen und sich mit ihnen bei einem guten Film aufs Sofa kuscheln.
Florence kam herein, mit einer frischen Kanne Tee und einem Pergament in der Hand. „Der Tagesprophet will ein Interview. Thema: Sind Elfen bereit für Freiheit?"
Hermine lachte bitter. „Vielleicht sollte ich sie fragen, ob Menschen bereit sind für Verantwortung."
Am Abend kam Leona Proudfoot noch kurz vorbei – mit einer Neuigkeit aus dem St.-Mungo-Hospital. Das Mädchen , Nora, aus dem Pflegeheim, dass sich vor kurzem bei einer Demonstration für die Rechte der Hauselfen verletzt hatte, ging es besser. Und: Sie hatte eine erste Nachricht diktiert.
„Sie möchte wissen, ob es in Hogwarts auch Elfen gibt. Und ob man mit ihnen sprechen darf."
Hermine musste schlucken. „Sag ihr, ja. Und dass es dort eine Küche gibt, in der einige Elfen mittlerweile einen freien Lohn bekommen. Und dass sie sie ruhig alles fragen darf."
„Sie hat auch gefragt, ob sie irgendwann selbst eine Elfe sein kann."
Hermine lachte leise. „Dann sag ihr, dass sie etwas viel Besseres wird: eine Hexe, die Hauselfen als Freunde sehen kann."
Als sie spät abends das Ministerium verließ, nahm sie noch einmal die Mappe WR-E 4 in die Hand. Der Ordner war abgegriffen, mit Notizen und Eselsohren übersät. Aber darin steckte alles: Hoffnung, Arbeit, Trotz. Die Idee, dass man nicht erst Unrecht erleben muss, um dagegen zu kämpfen.
Der Weg war lang. Aber Hermine ging ihn.
Für Dobby.
Für Nora.
Für alle, die nie gefragt wurden, ob sie frei sein wollten.
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In den 19 Jahren dazwischen Part 1 (Laufend)
FanfictionDer Krieg gegen Voldemort ist vorbei und Harry und seine Freunde versuchen wieder in ihren normalen Alltag zu kommen. Erlebt die Zeit zwischen dem Krieg und Albus' Einschulung in Hogwarts.
