Die Sonne war noch nicht ganz über die Dächer der Winkelgasse gestiegen, als das erste Licht in den schmalen Spalt zwischen den schweren Samtvorhängen von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze fiel. Ein zartes, goldenes, fast magisches Flimmern glitt über die bunt gestrichenen Regale, die bis zur Decke reichten, über glitzernde Dosen, hüpfende Kartons und rot-gelbe Banner mit blinkender Schrift wie: „Lach dich frei – jetzt mit 50% mehr Wahnsinn!"
George Weasley war bereits auf den Beinen. Er stand barfuß im Verkaufsraum, trug eine abgewetzte Pyjamahose mit fliegenden Nasen drauf und ein ausgeleiertes Chudley Cannons-T-Shirt, das früher einmal orange gewesen war, jetzt aber mehr nach müdem Kürbis aussah. In der einen Hand balancierte er eine Tasse dampfenden Kaffees, in der anderen führte er mit einem lockeren Wink seines Zauberstabs einen Reinigungszauber aus, der schwebende Staubmäuse jagte.
Wie so oft war es gestern viel zu spät geworden, Roxanne war bereits in seinen Armen eingeschlafen gewesen, bevor der Laden überhaupt geschlossen hatten. Das Geschäft boomte momentan mehr denn je und so hatten sie oft länger auf, als üblich. Und da Roxanne und Fred immer im Laden waren, wenn sich ihnen die Möglichkeit dazu bot, war es kein Wunder, dass sie mal wieder in der kleinen Wohnung über ihrem Geschäft übernachtet hatten.
Von oben kam ein gedämpftes Quietschen, vermutlich von Roxanne, dann das gleichmäßige Trappeln nackter Kinderfüße auf Dielenholz. Einen Moment später tauchte Fred auf – sein rotes Haar stand wild in alle Richtungen ab, er trug einen Umhang, der bei jedem Schritt die Farbe wechselte, und hatte sich einen blinkenden Stinkbomben-Button ans Schlafshirt geheftet. George konnte nicht anders, als bei dem Anblick seines Sohnes zu lachen und sich zu fragend wann zum Teufel sein kleiner Junge so groß geworden war.
„Dad", sagte er, noch etwas verschlafen, „kann ich heute die Würgebonbons verkaufen?"
„Wenn du nicht wieder einem Erstklässler erklärst, sie würden Stimmen aus dem Jenseits hervorrufen, natürlich."
Fred grinste. „Aber das hat super funktioniert!"
Roxanne tauchte hinter ihm auf, gähnend und mit einem übergroßen Nachthemd, auf dem stand: „Ich bin kein Morgenmensch – ich bin eine tickende Zeitbombe."
Ihr Haar war zerzaust, und eine von den lebendigen Haarspangen, die sie gestern getestet hatte, zappelte noch halb in ihrem Pony.
George hockte sich zu seiner Tochter hinunter und küsste Roxanne sanft auf die Stirn.
,,Guten Morgen, Professorin Chaos. Ich hoffe, du hast heute keine Pläne, das Dach in Konfetti zu verwandeln?"
Roxanne kicherte leise und gähnte erneut.
,,Noch nicht." murmelte sie dann, lehnte sich aber mit einem leichten Lächeln an seine Schulter.
George legte einen Arm um sie, zog auch Fred dazu und hielt sie einen Moment lang fest. Es war einer dieser kleinen, stillen Morgenmomente, in denen er dachte, dass trotz aller Verluste, trotz des ständigen Lachens, das oft auch Schmerz überdecken sollte, sein Leben eigentlich ziemlich perfekt war. Und es war heil. So heil, wie es eben sein konnte.
,,Heute dürft ihr mit mir oder Mom die neuen Naschenden Nasen sortieren." sagte George, als er sich erhob. ,,Aber nur, wenn ihr vorher brav Zähne putzt und euch anzieht."
,,Ich will das Werbeschild machen!" rief Fred, plötzlich hellwach. ,,Mit explodierenden Buchstaben!"
,,Die letzten Buchstaben haben deiner Mutter die Brauen angesengt, nur nochmal zur Erinnerung!" rief George ihm nach, als die Kinder nach oben stürmten.
Dann wandte er sich wieder seinem morgendlichen Ritual zu: Er ging von Regal zu Regal, sprach mit den Produkten, als wären sie alte Freunde. Einige waren es auch. Einige von ihnen hatte er nie aus dem Sortiment nehmen können, einfach weil sie die Lieblinge seines Zwillings gewesen waren. Sie zu entfernen würde sich anfühlen, als würde er auch Fred herauswerfen. Eine Tröte bellte ihn an, als er sie aufrichtete.
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In den 19 Jahren dazwischen Part 1 (Laufend)
FanfictionDer Krieg gegen Voldemort ist vorbei und Harry und seine Freunde versuchen wieder in ihren normalen Alltag zu kommen. Erlebt die Zeit zwischen dem Krieg und Albus' Einschulung in Hogwarts.
