September 2014

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Es roch nach Dampf und feuchtem Eisen, als Percy zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern durch die  Öffnung zwischen den Absperrungen trat und sich plötzlich inmitten der bunten Menschenmenge auf Gleis 9¾ wiederfand. Ein silberner Schwall Dampf glitt über die Schienen, und der Hogwarts-Express stand mächtig und rot glänzend vor ihnen, die Fenster leicht beschlagen, das goldene Wappen auf der Lok funkelnd im schrägen Sonnenlicht. Es war der erste September – und diesmal war es mehr als nur ein weiterer Schulbeginn.

„Da ist er.", murmelte Lucy ehrfürchtig, ihre Hand fest um Percys Handgelenk geschlossen. 

Der kleine Eulenkorb, den sie mit der andern Hand an sich drückte, schwankte ein wenig, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um besser sehen zu können. Drinnen flatterte eine kleine Schleiereule mit etwas ungeschickten Flügeln. Lucy hatte ihr noch keinen Namen gegeben – „Sie muss sich erst selbst vorstellen", hatte sie mit todernster Miene gesagt.

„Der Zug nach Hogwarts.", sagte Percy mit ruhiger Stimme, während Audrey sich leicht vornüberbeugte und Lucy die Robe glatt strich, die an der linken Schulter leicht verrutscht war. „Deine erste Fahrt."

„Und Mollys dritte!", platzte Lucy hervor, drehte sich um und sah zu ihrer großen Schwester, die mit verschränkten Armen neben dem Kofferwagen stand, ihr Haar sorgfältig zu einem engen  Zopf geflochten, den Audrey ihr noch vor dem Frühstück gemacht hatte. Molly trug das neue Exemplar von „Magische Mythen des Mittelalters" unter dem Arm, das ihr Vater ihr letzte Woche in der Winkelgasse gekauft hatte. Sie hatte es kaum aus der Hand gelegt, obwohl sie die ersten Kapitel bereits auswendig zu kennen schien.

„Und es wird wahrscheinlich auch die langweiligste Fahrt bisher.", murmelte Molly, ohne die Augen vom Bahnsteig zu nehmen. „Ich kenne ja alles schon."

Audrey schmunzelte und warf Percy einen raschen Blick zu. Er antwortete mit einem kaum sichtbaren Lächeln. Ihre beiden Mädchen waren grundverschieden – Lucy quirlig, laut, voller Fragen und Begeisterung; Molly kontrolliert, ruhig, wissbegierig auf eine stille, tiefgründige Weise. Und doch verband sie etwas – etwas, das sich nur in kleinen Momenten zeigte, wie ein schneller Blick, eine Berührung am Ärmel, ein gemurmelter Kommentar, den nur die andere verstand.

Ein lauter Pfiff ließ den Dampf wieder aufsteigen, und Lucy fuhr erschrocken zusammen, drückte sich näher an ihren Vater. Percy legte ihr beruhigend die Hand auf den Rücken, streichelte leicht auf und ab. 

„Nur ein Probelauf.", sagte er sanft. „Der Zug fährt erst in zwanzig Minuten ab."

Sie nickte, presste die Lippen aufeinander, dann sah sie auf und entdeckte etwas weiter vorne zwischen den Gruppen von Menschen vertraute Gesichter. Victoire stand am Fenster eines Abteils, das sie sich offenbar mit zwei  Mitschülerinnen teilte. Ihre blonden Haare fielen elegant über ihre Schultern, und sie redete mit schnellen, lebhaften Gesten, ganz die Tochter ihrer Mutter. Percy sah Fleur und Bill am Bahnsteig daneben stehen, Louis, der sich sachte an seine Mutter lehnte, Bill leicht gebeugt, um Domingue auf Stirnhöhe die Haare zurückzustreichen. Ihre Koffer standen ordentlich aufgestapelt neben ihnen, und Percys Blick glitt kurz über sie hinweg, verharrte einen Moment zu lang, bevor er sich wieder auf seine jüngste Tochter konzentrierte.

Harry und Ginny standen ein paar Meter weiter. Albus kletterte gerade auf das Gepäck, James rannte um den Karren herum und rief „Ich bin schneller als der Zug!", woraufhin Ginny ihm mit hochgezogenen Augenbrauen hinterher rief, er solle sich bitte nicht den Hals brechen. Die kleine Lily stand zwischen ihren Eltern, die Hände um einen Teddybären geklammert, und starrte mit riesigen Augen auf den Zug.

Audrey trat etwas näher an Percy. „Siehst du? Noch nicht so viele Schulkinder.", sagte sie sanft. „Die beiden werden sich bald besser auskennen als die anderen."

In den 19 Jahren dazwischen Part 1 (Laufend)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt