01 - meine Tochter

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Laut dröhnt das Handy durchs gefühlt gesammte Haus. Verdammt, wo hab ich das Teil den bloß schon wieder? denke ich mir und eile die Treppen hinunter, um zu schauen ob es im Wohznimmer liegt. Ah da ist es ja. Zayn ruft an.
„Hey" spreche ich in den Hörer hinein. „Sag mal wie lange brauchst du denn bitte um ans Handy zu gehen?",fragt er und ich bin mir sicher, dass er gerade genervt die Augen verdreht. „Sorry hab das Handy nicht gefunden", murmele ich. „Ja wie immer. Lern mal deine Sachen ordentlich auf zu räumen." - „Ja ja. Was gibt es denn?", frage ich. „Harry und ich sind grad bei Nandos. Willst du auch was haben?" - „Bei Nandos? Was für eine Frage?! Natürlich", sage ich und Zayn lacht. "Natürlich, warum wundert mich das nicht?" Hallo? Wer sagt schon nein zu Nandos?!

Nachdem ich ihm meine Bestellung aufgegeben habe, lege ich auf und schmeiß mich auf die Couch. Nur um wenige Minuten später wieder aufstehen zu müssen, da es an der Tür klingelt. Sind die das etwa schon? Das ging aber schnell. Ich eile hin, um zu öffnen. Doch an der Tür sind nicht die Jungs, stattdessen steht da eine Frau, die ihrem Aussehen nach zu Urteilen ungefähr Sechzig oder älter sein muss mit einem kleinen Mädchen, welches ihre Hand hält, vor mir.
„Guten Tag", sagt sie, mit einem nicht sonderlich freundlichen Gesichtsausdruck. „Ähm guten Tag", sage ich leicht verwirrt, weil ich mir nicht ganz sicher bin warum sie hier ist. Ist sie so eine Zeugen Jehovas oder so? Schleppen sie jetzt schon Kinder mit sich rum? Bisschen früh nicht?

„Finde ich hier einen gewissen Niall James Horan?", fragt sie und reißt mich aus meinen Gedanken. „Äh ja. Das wäre dann wohl ich", antworte ich und mir wird ganz mulmig zumute, was hat das Ganze hier auf sich? „Das hier ist die kleine Amy", spricht sie weiter. „Okay?", sage ich, was viel mehr nach einer Frage klingt und schaue sie verwirrt an. „Sie ist ihre Tochter, Mister", lässt sie plötzlich die Bombe platzen.
In dem Moment gleitet mir so ziemlich alles aus dem Gesicht. „Was?...Moment mal...was?", frage ich und bin total irritiert. Ich soll eine Tochter haben? ICH? Ich, der sich glücklich schätzen kann in einer WG zu wohnen und einen Haufen an Bodyguards und Assistenten sämtlicher Art zu haben, weil ich komplett alleine mein Leben wohl sonst nicht geschissen bekommen würde soll Vater sein?

„Wir haben von der Mutter einen Auftrag erhalten, sie ausfindig zu machen, sie ist davon überzeugt gewesen, dass sie der Vater sind", spricht die Frau weiter. „Ähm...ich bin verwirrt...ich wusste gar nicht, dass ich Vater sein soll", sage ich und schaue die Frau verwundert an und versuche zu lächeln. Das kann sich doch nur um ein Missverständnis handeln. Die Frau erwidert mein Lächeln nicht und schaut mich weiterhin eher kalt an. „Wir haben hier einen Brief von der Mutter, vielleicht lesen sie ihn sich einfach durch", meint sie und überreicht mir einen Briefumschlag. Ich nicke leicht benommen und nehme diesen entgegen. Bevor ich den Brief jedoch lese, lasse ich die Frau und das kleine Mädchen, das angeblich meine Tochter sein soll eintreten, denn draußen ist es verdammt kalt.
Mit zitternden Händen öffne ich den Umschlag. So übel wie jetzt war mir glaube ich noch nie. Außer vielleicht kurz vor meinem Auftritt bei X-Factor.

Lieber Niall,
Du wunderst dich sicherlich warum ich dir erst jetzt deine Tochter vorstelle oder dir überhaupt erst  von ihr erzähle. Ich hatte echt große Angst davor, dass du sie nicht akzeptieren wirst, dass ich es dir lieber verschwiegen habe. Bis jetzt kam ich auch als alleinerziehende Mutter relativ gut zurecht, doch nun ist dies keine Option mehr. Es gibt etliche Gründe weswegen Amy Louise nicht mehr bei mir bleiben kann, dass ich von heute auf morgen meinen Job verloren habe ist nur einer davon, von den anderen Gründen will ich gar nicht erst anfangen. Deswegen musst du dich um sie kümmern, du bist der einzige auf der weiten Welt, den ich kenne und dem ich sie anvertrauen kann, alle anderen kommen nicht in Frage. Sie ist übrigens wirklich deine Tochter, dass sie dir ähnlich sieht kannst du nicht leugnen, sie hat deine Augen und wenn du doch daran zweifelst, dann hindere ich dich nicht daran einen Vaterschaftstest zu machen. Ich weiß ich hätte sie dir nicht verschweigen dürfen, aber wie ich schon sagte, ich hatte angst. Sehr große angst sogar. Ich hatte gedacht, dass du mich hassen würdest dafür oder dass du mich womöglich sogar zu einer Abtreibung gezwungen hättest, weil ein Kind einfach nicht in deine Planung gepasst hätte. Ich habe dich geliebt Niall und wollte nur das Beste für dich, ein Baby hätte womöglich deine Karriere sehr beeinträchtigt wenn nicht gar zerstört. Es tut mir leid, ich hatte wirklich oft mit dem Gedanken gespielt es dir zu sagen, aber wie hätte ich mich auch bei dir melden sollen? Die Nummer die ich von dir hatte, die hattest du geändert, hätte ich es dir auf Twitter oder Facebook geschrieben, hättest du es eh übersehen und die Leute die es gesehen hätten, die hätten nur einen Aufstand gemacht. Ich weiß nicht wieso du den Kontakt zu mir vor einem Jahr gänzlich abgebrochen hast, wir hatten schließlich eine tolle Zeit gehabt oder nicht? Aber zurück zum wesentlichem, zu unserem Kind. Ich gab Amy dem Jugendamt, welches dich ausfindig machen sollte und sie dir übergeben. Ich liebe meine Tochter mehr als alles andere und hoffe sie eines Tages wieder in meinen Armen halten zu können, aber im Moment ist es das Beste für mein Baby nicht bei mir zu sein. Pass auf Sie bitte gut auf. Ich verspreche dir du wirst sie lieben, sie ist ein so liebenswürdiges Kind. Bitte Niall, ich weiß, dass das was ich hier von dir fordere eine große Sache ist, aber ich kann mich wirklich an keinen anderen wenden.

Plötzlich VaterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt