Kapitel
„Elly du wirst mir so entsetzlich fehlen. Ich verstehe nicht wieso du ganz allein in ein fremdes Land willst um da zu leben. Reicht es denn nicht dort Urlaub zu machen? Ich hätte nie gedacht, dass du das ernst meinst", versuchte mich mein bester Freund Tobias zum wiederholten Male zu überreden.
Ich konnte nur lächeln, denn genau er musste wissen, dass ich es ernst meine.
„Du hättest hier eine gesicherte Zukunft. Du weißt doch mein Opa wollte dir seine Praxis überschreiben", er sprach immer weiter.
Ein reiner Verzweiflungstat, denn wir standen schon am Schalter um mein Ticket abzuholen und in einer halben Stunde würde der Flug in meine ‚ungewisse' Zukunft, sowie Tobias sie gerne nennt, obwohl sie es nicht ist, gehen.
„Tobias, wir kennen uns jetzt seit der 7. Klasse, das sind knapp 16 Jahre und ich spreche schon seit 14 Jahren davon, also wird es wohl mein Ernst sein. Dort kann ich auch eine Praxis übernehmen und außerdem akzeptiert es meine Familie, die mich seit gestern genau 27 Jahre kennt es doch auch, deshalb haben sie mich schon vorüber zwei Stunden gehen lassen im Gegensatz zu dir."
Ich hatte Tobias noch nie vorher so verzweifelt gesehen, nicht bevor ich vor zwei Wochen meinen Beschluss nach Schottland auszuwandern verkündet hatte. Es schmerzte ihn so zu sehen und dieses Gefühl erinnerte mich an unsere Worte, die wir vor langer Zeit noch in der Schule sprachen. Wie wahr sie doch gewesen waren, bloß, dass sie nicht in diese Richtung zeigten.
*
„Anna und ich haben letztens über dich gesprochen und mir ist aufgefallen, dass du wie ein kleiner Welpe für mich bist."
Ich wusste noch heute wie er mich angesehen hatte, doch ich konnte mir Ausnahmsweise ein Lachen verkneifen.
„Wie soll ich das verstehen?".
„Naja, stell dir vor du bekommst einen Welpen für eine begrenzte Zeit..."
Er unterbrach mich mit für mich dummen Worten.
„Ich bekomme aber keinen Welpen."
„Du sollst es dir VORSTELLEN. Also, du spielst mit diesen Welpen und verbringst sehr viel Zeit mit ihm. Mit der Zeit verdrängst du sogar, dass du ihn irgendwann zurückgeben musst. Er wächst dir ans Herz und du willst ihn nicht mehr hergeben. Dann kommen seine wahren Besitzer und wollen ihn zurück. Du bist gezwungen ihnen den Welpen zu überreichen und er macht sich nichts draus, doch du leidest – sehr sogar."
Tobias hatte mich weiterhin verwirrt angeschaut, aber ich konnte sehen, dass es in seinen Kopf arbeitete.
„Ich verstehe aber immer noch nicht den Sinn."
Daraufhin sagte ein Klassenkamerad - Max sehr zu Überraschung meinerseits:
„Du bist aber auch echt doof. Du bist das Hündchen und wenn wir den Abschluss machen muss Elayne dich abgeben. Sie wird sehr traurig sein und du wirst einfach deinen Weg gehen und Musiker werden und nicht mehr an sie denken."
Ich musste damals sehr schlucken und mir meine Tränen verkneifen, denn genau so hatten Anna und ich das auch gesehen.
„Genau und deshalb haben Anna und ich beschlossen, dass du mein kleiner Welpe mir nicht noch näher kommen darfst."
„Das ist doch Schwachsinn, aber eines stimmt, ich werde meinen Weg gehen und nicht mehr an dich denken."
Daraufhin hatte ich meine Hand gehoben und der Biolehrerin mitgeteilt, dass mir schlecht sei. Sie schickte mich an die Luft, aber nicht allein. Max sollte mich begleiten. Kaum das wir draußen waren, sagte er zu mir, während er mich in den Armen hielt.
„Er ist ein Idiot, aber glaube mir, er meint das nicht so und er wird schnell erkennen, dass er dich nicht loslassen kann."
Wie recht er doch hatte, denn jetzt kam ICH mir vor wie der kleine Welpe...
Tobias Stimme holte mich aus meinen Gedanken.
„Du hast Recht und ich werde dich wohl gehen lassen müssen, aber eins muss ich dir noch sagen. Ich werde dich sehr vermissen und ich liebe dich, Elayne Müller."
Seine Arme schlossen sich um mich und ich erwiderte seine Umarmung. Über seine Schultern konnte ich, da ich für eine Frau mit etwas weniger als 1,80m recht groß war, Menschen sehen, denen ein ‚oh wie schön' ins Gesicht geschrieben stand. Ja vor Jahren hätte ich es mir gewünscht, doch die Schule ist schon lange vorbei und das Verliebt sein entrückt.
„Ich liebe dich auch", flüsterte ich ihm ins Ohr, denn es war die Wahrheit. Ich liebte ihn, auch wenn es auf eine Art und Weise war, die niemand verstand – selbst ich nicht.
Tobias löste sich wieder von mir und gab mir ein Kuss auf die Stirn.
„Hier", er hielt mir das Ticket hin: „und nun geh bevor ich mir es anders überlege."
Ich nahm ihm das Stück Papier ab, drehte mich um und ging winkend davon. Ein Winken für Tobias und meiner Heimat Deutschland.
„Erinnerst du dich an damals in Bio mein kleiner Welpe?", fragte ich rufend bevor ich, ohne auf seine Antwort abzuwarten, komplett aus seinem Blickfeld verschwand und mich somit auf den Weg in ein anderes Land machte.
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Gefühle im Nebel
RomanceElayn o shea - Insel der Nebel... Diese kleine Insel ist das Ziel von Elayne Schuster und der Ort ihres neuen Lebens. Sie lässt ihre Familie, Freunde und Tobias zurück, um das Land ihrer Träume, Schottland, zu erkunden. Portree die Hauptstadt hat nu...