Erzürnt ging Harold immer näher auf Louis zu. „Wenn sie überleben, bist du dran", zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen. Schneller als Harold irgendetwas sagen konnte, hatte Louis ihm bereits sein Messer in die Brust gerammt und versenkte es immer tiefer. „Hör mir mal zu", schnaubte dieser in sein Gesicht. „In diesem Unternehmen hört alles und jeder auf mich. Nur wenige kennen dich, stimmt?" Schwer atmend nickte Harold. „Niemand wird dich vermissen. Die Geschäfte werde so weiterlaufen, wie vorher. Es wird sich nichts verändern, nur, dass du nicht mehr da sein wirst." Louis machte eine Kunstpause, ehe er weiter redete. „Tut mir leid Bruder, aber hier geht's um's Geschäft. Und um Jack." Mit den Worten drehte er das Messer herum und zog es gleich darauf wieder heraus. Mit aufgerissenen Augen sah Harold seinen Bruder an, konnte nicht glauben, dass dieser ihn gerade umgebracht hatte. Gleichgültig und kalt sah Louis ihn an. „Niemand bedroht meine Familie", zischte dieser, ehe er sich umdrehte und aus der Tür schritt. Hämisch lächelnd schloss er die Tür und machte sich auf den Weg zu seinem Wagen, nachdem er seinem Stellvertreter die Aufgaben gegeben hatte. Mit dem Gedanken an Jack raste dieser fast nach Hause.
Zuhause angekommen bereitete sich Jack etwas zu essen, welches er dann gierig herunterschlang. Er verstand immer noch nicht alles, was passiert war. Also beschloss er bei einer heißen Dusche darüber nachzudenken. Als er einen Fuß auf die knarrende Treppe setzte hörte er einen dumpfen Aufschlag. Dann noch einen. Es wiederholte sich im Sekundentakt. Es schien, als käme die Ursache für dieses Geräusch immer näher. Dann sah er es. Ein Kopf sprang die Treppe hinunter und hinterließ eine Blutspur. Mädchenhaft schrie er auf. „Was stimmt nicht mit diesem Haus?" Schrie er und stürmte an dem immer noch runter rollenden Kopf vorbei. Jack hielt sich ein Kissen über den Kopf, sodass er nichts mehr hören konnte. Stunde später, die Jack wie Minuten vorkamen, löste er vorsichtig das Kissen. Es war ruhig. Zu ruhig. „Jetzt werden wir Spaß habe", ertönte eine Stimme knapp hinter seinem Ohr. Jack wagte es nicht sich umzudrehen, nachzusehen, wer ihn dieses mal in den Wahnsinn treiben möchte. „Oh ... du kannst dich ruhig umdrehen." Sprach wieder die Stimme. Misstrauisch schüttelte er jedoch den Kopf. „Jetzt, wo Anna dich nicht mehr beschützen kann. Wirst du mit mir vorlieb nehmen müssen." Die Stimme legte eine Kunstpause ein. „Ich bin mir sicher, dass wir sehr schnell beste Freunde werden." Mit diesem Satz verstummte die Stimme vollkommen.
Plötzlich ertönten Geräusche. Es hörten sie sich an wie Fußstapfen. „Schade, schade. Wir werden wohl das nächste mal weiterspielen müssen." Die Stimme hasste Unterbrechungen. Vor allem jetzt. Die Schritte kamen immer näher. Dann öffnete sich Jacks Tür mit einem unmenschlich lautem Quietschen. Doch mit demjenigen, der vor der Tür stand, hätte Jack nie im Leben gerechnet.
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Nights
Short StoryNights ist eine Kurzgeschichte, die ich vor Jahren geschrieben habe