VIEL SPASS hubibeere
Ich kann selbst nicht glauben, dass
ich diesem Arschloch auch noch die Tür öffne und ihn hineinbitte. Die letzte halbe Stunde habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen was ich sagen werde, wenn er so wie jetzt vor mir steht, aber ich bringe kein Wort heraus. Stattdessen schaue ich ihn sprachlos an. Mein Blick weicht seinem aus, ich führe ihn in mein Wohnzimmer. Ich folge ihm und lösche das Licht im Flur. Er sinkt auf meine Couch und schaut mich an wie ein kleiner Schuljunge; aufmerksam und neugierig. Ich setze mich ebenfalls, halte aber genügend Abstand, um mich nicht von seiner schrecklich anziehenden Aura einnehmen zu lassen.„Über was wolltest du reden?", frage ich ihn und mustere ihn kurz so gelangweilt es mir möglich ist. Damian lächelt.
„Bietest du mir nicht mal mehr was zu trinken an, wenn ich dich besuche?" Ein Schauer fährt mir über den Rücken bei den Erinnerungen, die quälend langsam in den Vordergrund meines Gehirns treten. „Zeiten ändern sich.", antworte ich kurz und knapp und schlage meine Beine übereinander. Er zieht ein Zigarettenpäckchen aus der Tasche seiner Jacke. Ich schüttele den Kopf. „Lass das bitte." Er legt fragend den Kopf schief. Bisher hatte ich nie etwas dagegen einzuwenden, wenn er in meiner Wohnung ab und zu rauchte. „Wie ich sagte, Zeiten ändern sich.", wiederhole ich kühl und vermeide es ihm direkt in die Augen zu schauen.
Damian sagt eine ganze Weile gar nichts.
„Wirst du es Lucie sagen?", platzt es dann aus ihm heraus und er schaut mich mit großen Augen an. Fragend. Unsicher. Ich zucke mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.", antworte ich wahrheitsgemäß, „Ich will ihr nicht wehtun." Er sagt nichts, mustert mich nur stumm. „Ich weiß nicht einmal, ob ich es ihr sagen kann.", spreche ich weiter, „Ich habe viel zu viel Angst vor ihrer Reaktion." Damian seufzt.
„Du wusstest doch nicht einmal etwas von ihr.", versucht er seltsamerweise ein gutes Wort für mich selbst einzulegen, „Wenn, dann fällt die ganze Sache negativ auf mich zurück." Ich nicke. „Ja, das tut es wohl.", bestätige ich und streiche durch meine Haare.
Er mustert mich mit diesem durchbohrenden Blick, der etwas Quälendes hat. „Als ich Lucie kennen gelernt habe, wusste ich nicht, dass ihr euch kennt.", sagt Damian. „Das wäre ja wohl auch noch schöner!", stoße ich empört aus und verschränke meine Arme vor der Brust. „Das mit uns, das lief ja schon eine ganze Weile.", sagt Damian, „Ich mag dich wirklich sehr und ich empfinde etwas für dich."
Ich starre ihn schockiert an. „So etwas will ich nicht von dem Mann hören, der mit meiner besten Freundin schläft.", sage ich und sehe ihn nicht mehr an. „Das mit uns war aber doch nichts Festes, Dee.", sagt er jetzt, „Ich dachte wir waren uns einig, dass es nur um Sex ging." Ich seufze.
„Es geht hier gar nicht um mich!", fahre ich ihn wütend an, „Es geht darum, dass du mit meiner besten Freundin zusammen bist und trotzdem noch mit deiner Affäre schläfst – regelmäßig! Du hast sie hintergangen! Von Anfang an! Und ich kann es ihr nicht sagen!"
Damian starrt mich irritiert an. Ich habe ihn vorher noch nie angeschrien. Seine Gesichtszüge verhärten sich. Er mag es nicht, überhaupt aufmüpfig von mir angesprochen oder belehrt zu werden. Ich kenne ihn gut genug um das zu wissen. Unter anderen Umständen würde er mich jetzt vermutlich für meinen frechen Ton hart und erbarmungslos bestrafen, mich reizen und meine Lust hinauszögern, mir verbieten, mich endlich fallen zu lassen und mich meiner Lust hinzugeben, bis ich vor lauter Leidenschaft den Verstand verliere. Ich verdränge diesen Gedanken.
Ich spüre heiße Tränen in meinen Augen und blinzele sie weg. Es ist besser, wenn Damian jetzt geht. Ich will gerade aufstehen und ihn aus der Wohnung weisen, als er näher an mich heran rückt.
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The Affair | #aestheticawards2020
Short Story#47/Chicklit <3 „Seit wann machst du hier irgendwelche Regeln?", erwidert er provokant und durchbohrt mich mit seinem Blick. Alle Härchen meines Körpers stellen sich bei seiner dunklen Stimme automatisch auf. Mit einem lauten Knall wirft er achtl...