Ob Yuna bereit war? Sie wusste es nicht. Aber wenn sie etwas wusste, dann dass sie dieses Schuljahr durchstarten wollte, wenn der Plan mit der Uni noch stünde.
Yuna war keineswegs ein fauler Mensch, soviel konnte gesagt sein. Im frühen Alter musste sie bereits viel Verantwortung für sich und ihren kleinen Bruder tragen, da ihre Familiensituation heute noch aus Spannungen und Intrigen bestand.
Seitdem Yunas Vater einen schweren Arbeitsunfall erlitt, zog sich ihre Mutter in eine Hülle der Verdammnis und Selbstzweifel zurück. Wen wunderte es?
Die einzige Freude in ihrem Leben war ihr Mann gewesen. Sie liebte ihn mit Allem was sie hatte, doch er wollte seine Liebe nicht nur mit ihr teilen, denn dafür war er viel zu lebensfroh gewesen.
Sie wollte nie Kinder, doch sie gab ihm welche. Sie gab ihm das, was er als endgültiges Glück betrachtete. Nur konnte sie selbst nie nachvollziehen warum es ihm so wichtig war sich sein Leben lang um jemanden kümmern zu müssen. Sie wollte leben - und das nur für sich und ihren geliebten Partner.
Kaum zu glauben, dass man seine eigenen Kinder verabscheute.
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Kaum betrat Yuna die vertraute Gegend, da rannte ihr auch schon die merkwürdigste Person, die sie jemals kennenlernen durfte, in die Arme.
"Verdammt, Yuna! Wann bist du so sexy geworden?"
Hana war bekannt für ihren Hang zur Dramatik. Das Leben war wie ein Drama, pflegte sie zu sagen. Jedes Ereignis hinterließ emotionale Wirkung.
Doch Yuna war sich bei Hana nie wirklich sicher, ob ihr sowas wie gesunder Menschenverstand geläufig war.
Nichtsdestotrotz war sie ein Goldschatz, sowohl von innen als auch außen. Viele Mitschülerinnen beneideten sie, weil sie als eines der hübschesten Mädchen galt. Das schockierte niemanden, denn mit ihrer blassen Haut und dem herbstbraunen Locken wirkte sie wie eine antike Schönheit.
Auch Yuna bewunderte sie, aber niemals auf herablassendem Niveau. Sie gönnte ihr ihr Aussehen, denn auch ihre inneren Werte waren zu kostbar, als dass sie ihre beste Freundin aus Eifersucht verspotten würde.
"Ah was! Du solltest mich und sexy niemals in einem Satz erwähnen", sagte Yuna und funkelte sie an. Sie wusste, dass sie nicht schlecht aussah, aber sie würde niemals so weit gehen und behaupten sie sei sexy.
"Glaub mir Schätzchen, du bist ein heißer Feger."
Hana drehte sich leicht zur Seite und ihre sonnige Miene wurde schlagartig zu einem Gewitter.
"Hana, was hast du?", wollte Yuna wissen. Ihre Freundin schien jetzt ziemlich angenervt zu sein.
Der Lockenkopf zeigte auf eine Gruppe von Jungs. "Siehst du den Typen mit den braunen Haaren? Der, der neben dem mit dem rötlichen Haar da am Spind steht? Das ist mein Ex. Er heißt Yoongi. In den Sommerferien haben wir uns im Freibad kennengelernt, als ich mit meinem Eis ausgerutscht bin. Du kennst mich ja. Aber er war mein Retter in Not, sonst hätte es eine heftige Prellung gegeben. Und jetzt, jetzt hasse ich ihn. Oh man, warum sieht er denn nur so gut aus? Naja jedenfalls..."
Hana erzählte den Roman weiter, und obwohl Yuna sauer sein müsste und fragen sollte, warum Hana ihr erst jetzt davon erzählte, stand sie einfach nur da.
Denn...
Denn sie hatte ihn gesehen.
Nein.
Er hatte sie gesehen.
Oder...
Haben sie sich gesehen?
"Yuna. Yuna, hörst du mir überhaupt zu?" Hana zupfte an ihrem Ärmel, doch Yuna war noch immer gedankenverloren auf ihn fixiert.
"Warte mal. Wo schaust du hin? Yuna? Hör ganz ganz ganz schnell auf damit, wenn du dieses Schuljahr wirklich zum Superbrain mutieren möchtest. Willst du wirklich wissen, auf wen du da so vollkommen perplex starrst? Nein, eigentlich nicht. Aber du musst es wissen, denn, wenn da mehr- ach quatsch, ich meine, falls er dir-"
Yuna bemerkte aus dem Augenwinkel wie ihre beste Freundin wild herumgestikulierte. "Hana, hey. Wer ist das?" Sie deutete ganz vorsichtig und möglichst unauffällig mit ihrem Zeigefinger in die Richtung des Jungen, der zu den Freunden von Hanas (Ex-?)Lover gehören musste.
Er sah aus wie das, was man in seiner Zukunft als Mädchen den größten Fehler des Lebens nannte. Jemand, der durch die bloße Präsenz den ursprünglichen Plan umherwirbelte und dafür sorgte, dass man am Ende wieder am Anfang stand.
Dass man vom unabhängigen Freigeist zur Marionette der Verführung wurde.
Sie merkte es. 3, 2... Yuna machte sich schon Mal gefasst auf den nächsten Moment. 1.
"YUNAAAA! HÖRST DU MIR DENN ÜBERHAUPT MAL ZU? WEISST DU DENN GAR NICHT WIE ANSTRENGEND ES IST, MICH STÄN-"
Doch Hana wurde schon wieder so laut, dass sie ihren Worten erneut keine Beachtung schenkte. Ihre Befürchtung ist eingetroffen, daher blinzelte sie vorsichtig wieder zu dem Jungen herüber, doch was hatte sie erwartet? Natürlich hat die Zügellosigkeit des Mädchens, dass sie bereits seit ihrem Kleinkindalter kannte, seine Aufmerksamkeit erregt. Schließlich lagen jetzt alle Augen im Gang auf den Freundinnen.
Yuna wurde rot.
"Hey, pshht, beruhig dich. Ich hab doch nur mal durch die Menge geschaut. Da ist doch nichts dabei."
Blitzschnell bückte Hana den Kopf zu ihr herunter und flüsterte mit giftigem Unterton: "Nein, nein, nein! Du lügst, du hast nicht mal eben die Lage gecheckt. Du hast ihn abgecheckt! Ich hab's genau gesehen. Oh Yuna, das ist ja alles so stressig." Sie klatschte sich beinahe ihre Hand gegen die Stirn.
"Von wem reden wir hier?"
"Warum ausgerechnet er, Yuna? Es gibt so viele Kerle auf unserer Schule, die du beobachten kannst. Wieso, wieso, wieso?", quengelte sie.
Yuna verlor langsam aber sicher ihre Geduld und flüsterte nun zurück. "Verdammt noch Mal, sag mir wer er-"
Sie drehte sich einmal um 180 Grad, um ihn vor sich stehen zu sehen.
"Oh nein", hörte sie Hana ausatmen.
Er schob sich das pechschwarze Haar so unkompliziert nach hinten, als würde ihm alle Zeit der Welt gehören.
"Hey, ich bin Jimin."
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Dangerous gaze {Park Jimin FF}
Hayran KurguAls die 17-jährige Yuna nach den schlimmsten Sommerferien ihres Lebens wieder zurück zur Schule muss, wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, dass etwas noch schrecklicher sein könnte als die vergangenen Urlaubstage. Aber es liegt nun mal in der men...