Der letzte Tag im Krankenhaus

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Die nächsten zwei Wochen verliefen wie im Flug. Sayuri kam jeden Tag vorbei, wir unterhielten uns und lachten. Also nichts besonderes. Diese zwei Wochen waren mit die schönsten in meinem Leben. Nach den zwei Wochen kam der Arzt in mein Zimmer um letzte Test zumachen. ,,Morgen Herr Itō, guten Morgen Sayuri." ,,Morgen Doctor." sagten wir beide gleichzeitig. ,,So, Herr Itō, wie geht es ihnen heute." ,,Ganz gut." antwortete ich. ,,Gut. Im Moment sieht auch alles ganz gut. Wir würden jetzt noch ein paar letzte Test durchführen um zu gucken wie alles verheilt ist und ihnen dann alles mitteilen. Sie würde ich bitten den Raum für diese Zeit zu verlassen, Sayuri." ,,Okay." Sayuri verließ den Raum. Eine Krankenschwester brachte noch einige Geräte in den Raum und der Arzt begann mit den Untersuchungen. Erst ein paar Standartuntersuchungen, Puls, Blutdruck und so weiter, dann begann das Röntgen. ,,So, Herr Itō, dann würde ich Sie bitten den Oberkörper frei zu machen und sich einmal vor den Leuchtschirm zu stellen." Der Arzt zeigte auf die Stelle, wo ich mich hinstellen musste. Ich zog also mein T-Shirt aus und stellte mich vor den Schirm. Dabei kam die Narbe zu Vorschein, welche durch das Nähen der Wunde geblieben war. Sie zog sich über meine Brust hin zur rechten Schulter. Als ich fragte, warum die Narbe so groß wäre, sagte man mir, die Wunde wäre beim Aufprall aufgerissen. Aber egal. Das Röntgen begann. Die Röntgenröhre wurde eingeschaltet und mein Oberkörper wurde einmal durchleuchtet. Nach circa fünf Minuten war das Röntgen zu Ende. Dann ging es in einen anderen Raum, um ein MRT zu machen. Das ganze dauerte nochmal eine halbe Stunde und dann gingen wir wieder zurück in mein Krankenzimmer. Auf dem Korridor verabschiedete sich der Arzt allerdings. ,,So ,Herr Itō. Ich schaue mir die Bilder noch auf dem Computer an und teile ihnen dann morgen die Ergebnisse mit." ,,Gut." antwortete ich. Der Arzt und die Schwester gingen. Ich ging zurück in mein Zimmer und kurz darauf kam Sayuri hinein. ,,Und? Wie lief es?" fragte sie. ,,Der Doctor sagte, er wolle sich die Aufnahmen ansehen und mir dann morgen sagen, wie es aussieht." Sayuri atmete auf und grinste über beide Ohren. Sie freute sich anscheinend sehr darüber. Aufgeregt war sie auch. Sie konnte keinen Moment still sitzen. Ich sah sie fragend an. ,,Uhm...alles okay?" Sie guckte fragend zurück. ,,Ja, wieso?" ,,Na du freust dich so sehr nur weil mir morgen die Testergebnisse gesagt werden." Sayuri schaute mich noch verwirrter an. ,,Und?" ,,Ich frag mich nur, warum. Seit ich im Krankenhaus bin bist du jeden Tag zu mir gekommen, auch als ich im Koma lag. Ich bin nur ein Junge von der Straße und du sorgst dich um mich, als wären wir schon seit Jahren befreundet." Nun wurde Sayuri ruhiger. Viel ruhiger. Dann fing sie an zu reden:,,Es ist nun mal so. Ich hab keine wirklichen Freunde. In meiner Klasse sind alle gemein zu mir. Entweder werde ich von allen ignoriert oder beleidigt und gehänselt. Und immer als die Lehrer was gesagt haben wurde alles nur noch schlimmer. Ich hab nur eine wirkliche Freundin. Beziehungsweise hatte ich eine. Sie musste letzten Monat umziehen, da ihr Vater befördert und daher auf eine andere Stelle versetzt wurde. Nie war jemand wirklich nett zu mir, ich hab auch nie wirklich viel mit anderen geredet. Das war schon in der Grundschule so. Ich hab mich nie wirklich mit anderen verstanden.....Und dann traf ich dich. Du warst nett, sympathisch und jeden Tag haben wir zusammen gelacht. Wir kannten uns gar nicht und du hast dein Leben für mich riskiert. Deswegen freu ich mich so sehr für dich. Ich mag dich halt sehr." Ich wurde knallrot im Gesicht. Ich traute mich nicht, irgendetwas zu sagen. Wir schauten uns einfach nur in die Augen. Dann kamen wir uns langsam näher. Jetzt wurde auch Sayuri leicht rot. Unsere Gesichter kamen sich immer näher. Plötzlich ging die Tür auf. Sayuri zuckte zusammen. Auch ich knallte in mein Kopfkissen. ,,Hallo Haruto, hallo Sayuri.", begrüßte uns Tanaka. ,,Mutter! Das ist jetzt ein ziemlich unpassender Augenblick!", entfuhr es Sayuri. Tanaka lächelte hämisch in den Raum. ,,Stör ich euch etwa bei etwas." ,,MUTTER!!!" Sayuri's Mutter verließ lachend den Raum. Danach herrschte Stille im Raum. Keiner traute sich, etwas zu sagen. Wir saßen einfach nur stumm da. Für Minuten, für Stunden. Die Atmosphäre im Raum war......merkwürdig. Irgendwann ergriff Sayuri das Wort. ,,Uhm....ich....muss gehen...Ich hab noch was zu tun....Bis morgen." ,,Bis morgen Sayuri." Sie stand auf, schob den Stuhl, auf dem sie gesessen hatte, zur Seite und verließ den Raum. Auch als sie weg war konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Was war das für eine Situation? Was meinte Sayuri als sie sagte, sie mag mich sehr? All die Fragen schossen mir durch den Kopf und ich konnte keine Antwort finden. Um mich abzulenken schaltete ich den Fernseher an, von Kanal zu Kanal. Es war mir eigentlich egal was lief, ich wollte mich nur ablenken. Und es klappte. Ich dachte den Rest des Tages nicht mehr darüber nach, was am Tag passiert war. Doch als es Abend war und ich den Fernseher abschaltete um zu schlafen hatte ich wieder Zeit zum nachdenken. Nur schwer konnte ich einschlafen. Stunden vergingen und ich lag im Bett und starrte Löcher an die Decke. Doch letztendlich siegte die Müdigkeit und meine Augen fielen zu.

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