Kapitel 6

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Pov - Tyler:

Verdammt! Wo war Liz? Beunruhigt sah ich mich in dem leeren Raum um und versuchte sie irgendwo ausfindig zu machen. Ich hinterließ tiefe Fußspuren in der dicken Staubschicht. Ich war schon lange nicht mehr hier im Hale-Haus gewesen, doch wie fast jedes Mal, breitete sich in mir dieses... Familiengefühl aus, sobald ich die modrige Veranda betrat. Ein Krachen ertönte und ich fuhr herum. "Liz?" rief ich fragend. Stille. Dann wurde meine Vermutung bestätigt. Ein ohrenbetäubender Schrei ließ die Wände des alten Hauses erzittern und beben. Ich presste meine Hände gegen meine Ohren, eilte aber dennoch in die Richtung, aus der der Schrei kam. Vor der Treppe stieß ich beinahe mit Stiles zusammen, der den Schläger fallen gelassen hatte um sich nun mit schmerverzerrtem Gesicht die Ohren zuzuhalten. Ein weiterer Schrei erklang. Luna. Ich stürzte an ihm vorbei die Stufen hinunter. Ich stürmte in den Raum, Stiles und Olivia dicht hinter mir. Liz kniete auf dem Boden, Lunas Kopf lag in ihrem Schoß. Tränen rannen ihre Wangen herunter. Sie riss den Kopf hoch und starrte uns mit wirrem Blick an. Stiles wollte zu seiner Tochter doch ich hielt ihn zurück. "Liz..." fing ich an und machte langsam einen Schritt auf sie zu. "GEH WEG! ICH BIN GEFÄHRLICH!" brüllte Liz und streckte mir ihre blutverschmierten Hände entgegen. Ich wich zurück. Erschrocken starrte Liz auf ihre roten Hände. Aus Lunas Ohr rann Blut und es klebte nun an Alicias zitternden Händen. Ich lauschte und hörte erleichtert Lunas Herz schlagen. Doch es schlug schnell... Schneller als gewöhnlich. "Was hab ich getan?" hauchte Liz. Ich hob beschwichtigend die Hände und ließ mich langsam neben ihr auf den staubigen Boden sinken. Dabei ließ ich sie nicht aus den Augen, in Erwartung sie würde mich wieder anschreien, doch Liz war zu verwirrt, sie starrte nur aufgelöst auf ihre verletzte beste Freundin. Ich griff nach ihren Händen und sie sah mich erschrocken an, als hätte sie jetzt erst gemerkt, dass ich neben ihr saß. Stiles und Olivia beobachteten uns und ich merkte wie sehr Stiles seine Tochter in die Arme schließen wollte. "Ich... ich bin..." stammelte Liz. "Eine Banshee. So wie deine Mum. " vollendete Stiles leise den Satz. Ich hielt noch immer Liz Hände, als sich plötzlich ihre Finger verkrampften und meine Hand fast zerquetschte. Ängstlich sah sie sich um. Ihre grünen Augen huschten unruhig umher und blieben schließlich an mir hängen. " Diese Stimmen..." fing sie an. Ich zog Liz zu mir und schlang meine Arme um sie. "Liz, alles ist gut." wisperte ich ihr zu, auch wenn ich wusste, dass definitiv einiges nicht gut war. Olivia und Stiles kümmerten sich um Luna und riefen die anderen an. "Schh... Du bist okay Liz." beruhigte ich die zitternde Alicia, die ihre Finger in mein Shirt gekrallt hatte und ihren Tränen freien Lauf ließ.

Pov - Alicia:

Stumm starrte ich auf die regungslose Luna. Mein Atem stieß kleine weiße Wölkchen aus und die Kälte kroch meinen Rückn hinauf.

Ein Wispern. Ich riss den Kopf herum. Ich hörte Schreie. Viele Stimmen die um Hilfe schrien. Ich hörte knisternde Flammen und Krallen die an Gitterstäben kratzten. Es fühlte sich an als würde sich etwas in mir aufstauen. Die Stimmen wurden lauter, ich presste verzweifelt meine Hände gegen meine Ohrmuscheln. Alles drehte sich. Mein Atem ging stoßweise. Ich spürte es. Ein neuer Schrei, der sich in mir sammelte.

"Tyler!" brachte ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Tyler, der mich in seinen Armen hielt sah mich besorgt an. "Liz! Du musst versuchen es zurückzuhalten! Du kannst das!" "Tyler es geht nicht! LAUF!" rief ich. "Ich lass dich nicht alleine!" antwortete Tyler und nahm mein Gesicht in beide Hände. Ich starrte ihn an. Er ließ seine Augen golden aufglühen. Ich versank in dem Gold, ertrank regelrecht darin. Es funktionierte. Meine Atmung ging gleichmäßiger und der Druck in meinem Brustkorb ließ nach. Geschwächt sank ich gegen Tyler. Den Rest bekam ich nur halb mit. Mein Dad und Olivia hatten die anderen angerufen und inzwischen waren meine Mum, Scott, Isaac, Dylan, Charlie und Connor auch da. Ich sah alles verschwommen. Ich merkte wie ich hochgehoben wurde. Tylers vertrauter Geruch umhüllte mich und ich spürte seine starken Arme, die mich aus dem Haus, weg von den Stimmen und in sein warmes Auto trugen. Ich presste meinen Kopf gegen seine Schulter. "Ich bin da Liz. " redete er beruhigend auf mich ein. An seinem Auto angekommen wurde ich in Decken gehüllt und auf dem Rücksitz verfrachtet. Trotzdem zitterte ich. Am Rande bekam ich mit wie mein Dad, meine Mum, Charlie, Tyler und Olivia ins Auto stiegen. Stiles setzte sich ans Steuer und fuhr los. Tyler hatte seine Arme wieder um mich geschlungen und seine beruhigende Stimme hallte leise in meinem Kopf wieder. Ich wollte nur noch schlafen und diesen Albtraum vergessen. Nur ein Albtraum....

22 years after | TeenwolfWo Geschichten leben. Entdecke jetzt