„Was meinst du damit?", frage ich den Mann, der sich seit Wochen nicht einmal dazu verpflichtet gefühlt hat, mich anzurufen.
„Was denn wohl. Du kommst mit mir mit, zurück zu Oma und zu deinen Freunden!" Mein Vater holt tief Luft, bevor er mich umarmt. „Man hab ich dich vermisst Schätzchen."
„Du hast mich vermisst?", schreie ich und schubse ihn von mir weg. „Du hast dich nicht gemeldet. Keine E-Mail, keine SMS, kein Anruf und du sollst mich vermisst haben? Den Scheiß hast du mich vermisst!"
„Junia, Sprache!"
„Ich würde liebe von der nächstbesten Klippe springen, als mit dir in einem Haus zu wohnen und mit deiner Pornodarstellerin von Sekretärin!"
Als ich raus zur Treppe laufen will, steht plötzlich eine sehr bekannte Person vor mir, die mich geschockt anschaut.
Verdammt.
Verdammt, verdammt.
„Junia Bennet, komm sofort wieder zurück, oder es wird Konsequenzen geben!", höre ich meinen Vater aus dem Wohnzimmer rufen. Seine Schritte kommen immer näher und als ob diese Situation nicht schlimm genug wäre, erblickt er Jake, der mit meinem Handy in der Hand im Türrahmen steht und natürlich alles mit angehört hat.
Natürlich.
„Junia, erklärst du mir bitte was hier los ist.", sagt der Mann, der gerade mein Leben zerstören will.
„Jake man, was machst du denn hier?", fragt jetzt Mark, während er diesen Handschlag-Jungs-dingens mit ihm macht und die Situation wie immer nicht ernst nimmt.
Jake sagt nichts, er schaut mich nur an. Mein Vater kommt näher.
„Deswegen willst du also nicht mit kommen, ein Junge, natürlich.", sagt er kalt. Als er noch näher kommt gehe ich einen Schritt zurück, was meinen Rücken dazu verleitet, zu schmerzen. Ich schreie unkontrollierbar auf. Jake, der einzige der weiß was los ist, kommt sofort zur Hilfe und stützt mich.
„Kleines, was ist passiert?", meldet sich nun endlich meine Mutter zu Wort.
„Nur ein kleiner Sturz beim Eislaufen.", versuche ich zu erklären und schaue Jake dankend an.
„Johannes, ich glaube wir sollten sie alleine lassen. Du hast für heute genug Schaden angerichtet, findest du nicht?" Meine Mutter schaut mich mitleidend an und verschwindet danach mit meinem Vater im Wohnzimmer.
„Mark, seit wann ist er hier?"
„Seit drei Stunden, er hat gemeint, er geht nur, wenn du mitkommst. Ich glaube, er meint es wirklich ernst."
Jake setzt mich auf der Treppe ab.
„Tut mir leid, aber dein Vater klingt wie ein richtiger..."
„Arsch.", sagen Macho und ich gleichzeitig, was uns zum Lachen bringt.
Noch ein paar Minuten sitzen wir in Stille da, als Jake aufsteht und mir mein Handy in die Hand drückt. „Wir sehen uns morgen und dann erklärst du mir alles, deal?"
„Deal.", sage ich. Er küsst mich auf die Wange und verschwindet.
Mark schaut mich noch immer an, sein Blick ist voller Zorn.
„Für mich hat er sich gar nicht interessiert.", sagt er nur und geht die Treppe rauf.
„Mark, warte!" Doch schon ist seine Zimmertür zu.
Diese Dramaqueen.
-
Nein.
Ich werde sicher nicht aufstehen, wenn ich weiß, dass mein Vater unten in der Küche sitzt und auf mich wartet.
Nein.
Nein.
Deine Augen machen blingbling und alles ist vergessen , meine Augen machen blingbling und alles ist vergessen.
„Ja?", melde ich mich.
„Junia, hast du kurz Zeit, es ist ein Notfall!", schreit Nicki ins Telefon.
„Wo und wann?"
„Einkaufszentrum, jetzt."
„Ist gut."
Nicki kreischt ins Handy und legt auf. Meine Rettung.
-
„Im Ernst, das ist der Notfall?"
„Was, das ist verdammt wichtig. Stufe rot mindestens."
„Du brauchst ein Ballkleid, wo ist da etwas wichtig?"
Nicki verschwindet beleidigt wieder in der Kabine und probiert das 10. Kleid heute.
„Was ziehst du an?", fragt sie mich irgendwann.
„Ich habe eigentlich keine Lust zu gehen."
Plötzlich kommt sie wieder aus der Umkleidekabine raus, ihr rotes Kleid halb-angezogen, ihre Augen ungläubig.
„Wie meinst du keine Lust?"
„Die Sache mit meinem Vater und mein Rücken tut noch ein bisschen weh und auch wenn, ich hätte kein Date und..."
„Junia Bennet, Klappe sofort!", ruft meine Freundin so laut, dass alle Verkäuferinnen, die im Halbschlaf arbeiten, aufwachen.
„Erstens: dein Vater schafft es nie dich einfach so zu entführen. Zweitens: dein Rücken heilt. Drittens: ich habe deinem Bruder gesagt, er muss mitkommen, oder er darf das hier..."
Sie zeigt auf ihren Körper.
„...nie wieder angreifen. Ich weiß du redest dir ein, dass du und Jake nichts Ernstes miteinander habt, doch meine liebe Junietta, das ist nicht wahr. Da erkennt doch ein blinder, dass da mehr ist."
Mit einem Grinsen, beendet sie ihre kleine Rede und mir bleibt nichts anderes übrig, als in den nächsten Stunden ein Ballkleid zu finden.
Gerade als ich aufgeben will, Nicki ihr perfektes Kleid schon gefunden hat und mein Körper vor Hunger protestieren anfängt, finde ich es. Es ist blau, dunkelblau, meeresblau. Kurz und trägerlos. Ein schwarzes Muster ist über die Brust genäht und wandert runter zur Taille, wo es in einem schleierähnlichen Tuch endet, dass leicht über meine Oberschenkel hängt.
Unscheinbar, wunderschön, perfekt.
-
Als ich nach Hause komme, ist es ungewohnt still.
„Wo ist Johannes?", frage ich meine Mutter, die in der Küche Kartoffeln schneidet.
„Ich habe ihn in ein Hotel geschickt. Er hat sich benommen, wie ein kleines Kind, wie ich den nur so viele Jahre ausgehalten habe ist mir ein Rätsel."
Lachend mache ich mich auf den weg in mein Zimmer, wo ich Jake anrufe und ihm sage, er soll her kommen.
Das Revier ist geräumt.
Während ich auf ihn warte, übe ich ein bisschen Klavier. In letzter Zeit habe ich es ein bisschen vernachlässigt.
Leise fange ich an, Ton für Ton, doch bald bekomme ich die Melodie wieder in meine Finger und verliere mich in der Musik.
Man, hab ich das vermisst.
„Hrmhrm." Jake steht im Rahmen meiner Tür und schaut mich lächelnd an, nachdem ich die Sonate fertig gespielt habe.
„Wusste gar nicht, dass du so gut spielen kannst."
„Können ist übertrieben.", sage ich bescheiden und setze mich auf mein Bett.
„Also, ich höre."
Der Brite setzt sich neben mich und schaut mich erwartungsvoll an.
Und dann fange ich an zu erzählen.
Von der Affäre meines Vaters, von meiner Mutter, die das noch immer nicht verkraftet hat und von Mark, der sich seid seinem Unfall nicht gut genug für meinen Vater fühlt, weil er kein Profifußballer werden kann und von der Überzeugung meines Vaters, dass ich bei ihm und seiner neuen Tussi besser aufgehoben bin als hier. Als ich fertig bin sagt Jake nur einen Satz, der meinen ganzen Frust mit einem Mal einfach nur in Vergessenheit geraten lässt.
„Man, your life is a mess."
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Die Neue
HumorWisst ihr wie es ist die Neue zu sein? Nein, Ja? Junia Bennet tut es. Sie ist neu in Sternat, hat ihre Vergangenheit zurück gelassen und ist bereit für diesen 'neuen Anfang' von dem alle sprechen. Mit ihrem Bruder Mark fängt sie ein neues Leben an...
