Ich bin vielleicht nicht die beste meiner Klasse, aber ich gebe mir stets Mühe, um so gut wie möglich zu sein. Deswegen freue ich mich auch immer wieder aufs Neue, wenn ich sehe, was mir Lernen und Üben alles bringt. Mathe ist nicht unbedingt mein Lieblingsfach, aber trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich eine Eins geschrieben habe. Das Minus hinten dran ist irrrelevant, denn am Ende zählt nur die Zahl.
Meine beste Freundin Ava hingegen ist das absolute Genie. Sie ist so was wie ein Superhirn, was die Naturwissenschaften angeht, und auch in anderen Fächern ist sie nicht schlechter als eine Eins. Das einzige Fach, wo ich besser bin als sie, ist Literatur, aber auch nur weil ich sie dazu gezwungen habe. Aber wir lesen nicht nur alte Schinken, sondern spielen sie zu meinem Glück auch noch. Eigentlich ist es mehr ein Theaterkurs. Ava war für Musikgeschichte, was sicherlich auch Spaß gemacht hätte, allerdings hatte ich keine Lust, einen Haufen Biografien auswendig zu lernen. Mal ganz ehrlich, wer braucht in Zukunft das Wissen über Mozart und wann er in welcher Stadt war und welchen Adeligen er dort getroffen hat? Ich sicherlich nicht.
Damit jetzt niemand denkt, ich wäre eine schlechte Freundin und habe nur an mich gedacht, muss ich dazu sagen, dass ich Ava versprochen habe, alle Game of Thrones Staffeln mit ihr zu gucken. Ohne Mist, sie liebt diese Serie, während ich den Rummel darum gar nicht verstehe. Aber versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.
Mit einem Lächeln drehe ich mich zu Ava um, um ihr zu signalisieren, dass ich eine Eins bekommen habe. Nach ihrer Note brauche ich gar nicht erst fragen. Sie fährt sich kurz durch ihre schwarzen glatten Haare und formt dann mit ihren Lippen ein „Super“. Unsere Kommunikation muss nun seit zwei Wochen über Zeichen und stumme Worte ablaufen, da wir auseinandergesetzt wurden, weil wir angeblich zu viel gequatscht haben. Das kann ich allerdings nur widerwillig bestätigen. Zu unserer Verteidigung: Wir sind nur zur Hälfte Schuld. Die eigentlich Schuld trägt unser stellvertretender Schulleiter, der für die Stundenpläne verantwortlich ist. Wie konnte er nur auf die Idee kommen, Mathe auf die erste Stunde an einem Montag zu legen? Ist es da nicht vorprogrammiert, dass sich erstens niemand konzentrieren kann und zweitens jeder über sein Wochenende erzählt? Nun muss ich bedauerlicherweise ohne Ava klarkommen. Zu meinem Leid haben wir auch noch am Mittwoch und am Donnerstag, also heute, Mathe. Drei lange Stunden, die ich ohne meine beste Freundin aushalten muss. Folter ist das! Und wie aufs Stichwort ertönt das Klingeln, welches uns von Mathe erlöst und in die große Pause schickt.
„Da haben sich die Lernstunden echt ausgezahlt“, sagt Ava, während wir den langen Gang entlanglaufen und uns auf den Weg nach draußen machen. Dieses schöne Wetter muss man genießen!
„Ja, ich bin echt froh, diese Note war ein guter Start in das Schuljahr. Ich hoffe, es wird weiterhin so gut laufen“, spreche ich meine Hoffnungen laut aus.
„Bestimmt und wenn du bei irgendwas Probleme hast, dann weißt du ja, wo du Hilfe bekommst“, antwortet meine beste Freundin auf der ganzen weiten Welt. Ich bin wirklich froh sie zu haben.
Als wir den Schulhof betreten kommt uns die Hitze so drückend entgegen, dass wir beschließen, uns in den Schatten zu setzen. Wir haben schon seit Wochen ununterbrochen Sonnenschein, was die Schuluniform nicht immer angenehm macht. Aber im Schulgebäude ist es angenehm und aushaltbar.
„Hey Mädels!“, ertönt eine männliche Stimme ein paar Meter weg von uns. Wir richten unseren Blick gleichzeitig auf und sehen Noah, der auf uns zugelaufen kommt. Er ist ein Teil unserer kleinen Gruppe, die aus uns dreien besteht. Irgendwo habe ich sogar mal gelesen, dass es nichts Besseres gibt als eine Freundschaft aus drei Personen. Wichtig ist dieser Moment deshalb, da Ava und Noah sich wiedersehen. Sie schaut ihn mit diesem Funkeln in ihren grünen Augen an und er fährt sich immer leicht nervös durch sein dichtes, blondes Haar und hat ebenfalls dieses Funkeln in seinen blauen Augen. Wenn die beiden es nicht bald schaffen, sich einzugestehen, dass sie unsterblich verknallt ineinander sind, dann sperre ich sie in einen Raum ein und lasse sie erst wieder raus, wenn es nicht mindestens einen Kuss gegeben hat. Noah ist eine Klasse über uns und macht deswegen auch schon dieses Jahr seinen Abschluss. In ein paar Monate beginnen seine Prüfungen und bis dahin sollen die beiden zusammen sein, denn dieses Anschmachten geht mir langsam auf die Nerven, auch wenn es meistens ganz witzig ist.
„Hey Noah“, antworte ich und schaue zu, wie er sich neben Ava in das Gras setzt. „Was haltet ihr davon, wenn ihr am Freitag vorbeikommt und wir mal wieder einen Filmabend machen?“
„Klingt gut, bin dabei“, antwortet Noah und schaut nun abwartend Ava an, die nickt.
Wenn Ava und Noah es endlich schaffen ein Paar zu werden, dann würde sich die Geschichte von Avas Eltern übrigens wiederholen. Veronica und Markus waren früher die besten Freunde meiner Mum und sind eigentlich immer noch gute Freunde der Familie. Es wäre irgendwie eine schöne Ironie des Schicksals, wenn sich diese ganze Geschichte wiederholt. Nur was meinen Part betrifft, bin ich mir da nicht ganz so sicher. Ich habe weder einen Jungen, in den ich unsterblich verliebt bin, noch irgendetwas anderes, das mich besonders erscheinen lässt. Das einzig Tolle an mir sind meine besten Freunde und meine Familie. Mehr brauche ich auch gar nicht zum Glücklichsein. Und da wir gerade beim Thema sind, spricht Ava etwas an, dass die letzten Wochen bereits immer mal zur Sprache kam: „Mason hat dir heute Morgen wieder hinterhergeschaut.“ Dabei grinst sie und wackelt anzüglich mit den Augenbrauen. Ich habe noch nie bemerkt, dass Mason in irgendeiner Weise Interesse an mir zeigt. Er geht in Noahs Parallelklasse und ist nicht gerade der beste Umgang für ein Mädchen wie mich. Er ist auch nur noch nicht von der Schule geflogen, weil seine Mutter Mitglied im Vorstand ist.
Kennt ihr diese Leute, mit denen ihr im Kindergarten und vielleicht sogar in der Grundschule gerne gespielt habt, euch auch eigentlich immer gut verstanden habt und dann kommt die Pubertät und sie kennen euch auf einmal nicht mehr? Gena so eine Person ist Mason.
„Ich glaube, das bildest du dir nur ein“, antworte ich und schaue anschließend zu Mason, der am Eingang steht und raucht. Auf dem Schulgelände ist es nämlich verboten, also gehen alle Raucher vor das Tor und rauchen dort, was übrigens auch verboten ist, aber wen interessiert das schon.
„Es wäre auch besser, wenn Ava sich das nur einbildet. Mason ist echt kein guter Umgang. Sein Vater soll sogar mal im Knast gewesen sein und wenn Mason so weiter macht, wird er auch bald dort landen“, gibt Noah warnend von sich und schaut mich streng an.
„Mason will nichts von mir und ich will nichts von Mason, es gibt also keinen Grund, noch länger darüber zu sprechen“, sage ich bevor das Ganze noch in einen Streit ausartet. Zugegeben, Mason sieht nicht schlecht aus. Seine dunkelbraunen Haare und stechend blauen Augen haben sicherlich schon so einige Mädchenherzen gebrochen und auch sein Image als Rebell lassen ihn interessant wirken, doch mich lässt das alles kalt. Er ist einfach ein verzogener Junge, der keine Rücksicht auf andere nimmt, und das macht ihn zu einer Person, die ich absolut nicht leiden kann.
Den Rest der Pause verbringen wir damit, uns auszutauschen, was den Tag über so passiert ist. Ein Mädchen aus dem Jahrgang unter mir soll angeblich schwanger sein, doch ich glaube solchen Gerüchten nicht. Wer weiß schon, was wirklich dahintersteckt und vielleicht machen wir es durch die Gerüchte auch nur noch schlimmer. Selbst wenn sie schwanger sein sollte, dann ist es ihre Sache und ich verstehe nicht, warum es die ganze Schule etwas angeht.
Wenig später klingelt es auch schon wieder und wir gehen in das Schulgebäude. Da ich die nächste Stunde nicht mit Ava zusammenhabe, gehe ich alleine zu meinem Schließfach, um mein Französischbuch zu holen. Eine wunderschöne Sprache, die leider sehr schwer zu lernen ist, wenn es um die Grammatik und Zeitformen geht. Aber auch in diesem Fach strenge ich mich an und komme im Schnitt meistens auf eine Zwei.
Als ich mein Schließfach wieder schließe und mich zum Gehen umdrehe, stoße ich beinahe mit jemanden zusammen.
„Nicht so stürmisch. Wir wollen doch nicht, dass dir etwas passiert“, sagt eine tiefe Stimme.
Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit Mason, also antworte ich einfach: „Sorry“, und verschwinde. Das ist das erste Mal seit Jahren, dass Mason mit mir spricht, auch wenn es nur ein Versehen war. Sofort muss ich an Avas und Noahs Worte denken, doch das eben war nur ein Versehen. Ich bilde mir eindeutig zu viel ein und das habe ich meinen besten Freunden zu verdanken. Würden sie mich nicht so bereden, wäre ich jetzt auch nicht so durcheinander.
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Seelenliebe
RomanceIn Fannys Leben steht die Familie an erster Stelle. Was passiert, wenn ein Junge, mit tiefschwarzen Augen und dunklen Locken, versucht, sich in ihr Herz zu kämpfen? Fannys Leben ist bisher nicht besonders aufregend. Sie hat ihre Freunde und Familie...
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