Epilog
Das mit Moh war so wie ein neues Leben.
Denn ab diesem Tag schlugen ihre Herzen im selben Rhythmus und irgendwann, da wurden sie eins und Jahre später, war da ein drittes Herz, welches allein ihretwegen so lieblich unter ihrer Haut pochte.
Sie reisten viel sahen mehr von der Welt, als sie es sich je erträumt hatten. Gemeinsam waren sie immer stark, auch wenn die Situation jeden einzelnen schwach stimmen hätte sollen, da der Krieg sie erschütterte und Zerstörung und Leid hinter sich gelassen hatte. Später verloren sie vieles, aber sich selbst haben sie nie verloren. Zumindest nie im Herzen, denn das Leben ist nun mal endlich, so wie die Wolken am Himmel, die irgendwann vorüber ziehen und nie wieder in derselben Art und Weiße zurückkommen würden.
Genauso wie die Wolken sich jede Sekunde verändern, verändert sich auch das Leben und genauso wie die Wolken manchmal trauern, so trauern auch wir.
Wir sind am Leben, lebendig, aus warmen Fleisch und Blut, irgendwann sterben wir. Wären wir von Anfang an tot, dann hätten wir nie gelebt, dafür wär es aber unendlich gewesen.
Aber wem hilft schon die Unendlichkeit, wenn sie doch nur aus Schwärze besteht. Schwärze ohne Gefühle und Liebe.
Es waren perfekte sechzig Jahre die sie miteinander verbringen durften. Sechzig Jahre, in denen sie wussten, warum die Endlichkeit so viel mehr wert war, als jede Unendlichkeit. In denen sie sich schätzten und unterstützten und bemerkte, dass sie all das hatten, was sie immer wollten.
Liebe.
Als Moh auf den Stein vor ihm blickte, da traten ihm kurz Tränen in die Augen. Aber er musste es akzeptieren, er musste akzeptieren, dass Lilli fort war. Sie war oben, im Himmel, bei ihren geliebten Wolken.
Er war stolz auf sich, da er selbst den Grabstein entworfen hatte. Die Idee kam ihm vor zwei Wochen, als sein Sohn –der seine Praxis übernahm- mit ihm über seine Mutter sprach.
-Lilli Adler-
1903 – 1981
So wie die Wolken am Himmel,
behalten wir dich immer.
In Liebe
Deine Familie.
Moh blickte zu den Wolken empor.
<Bald komm ich zu dir, Lilli. Aber ein bisschen muss ich noch bleiben...
Ich liebe dich...
Das habe ich schon immer.>
-Ende-
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So wie die Wolken
Short StorySie wusste nicht wie wunderschön sie in diesem Moment ausgesehen hatte, so perfekt in ihrer Menschlichkeit und so ehrlich, wie sie da saß, mit ihrem Lederblock in der Hand. -Weil ich dich mit meinem Gebrabbel über den Charakter der Wolken langweil...