Er ist der erste seiner Art.
Der erste Roboter mit menschlichem Ghost, mit menschlicher Wahrnehmung, mit menschlichen Gefühlen.
Er hat nie hinterfragt, wessen Ghost er in sich trägt, wer er in seinem frühreren Leben eigentlich war, bis er sich plötz...
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Die alte Straßenbahn hat Verspätung, als sie schließlich ratternd zur der Haltestelle kommt. Meine Armbanduhr zeigt 11:58 Uhr an und die Bahn benötigt noch mindestens zehn weitere Minuten, bis sie an der Haltestelle des Kim Hyjong Platzes sein wird. Verärgert trete ich in den schmalen Abteil und lasse mich auf eine dreckige Sitzbank fallen, ziehe mir die Kapuze noch ein ganzes Stück weiter über's Gesicht.
Ich lasse meinen Blick über die nächtlichen Straßen Seouls streifen, während die Bahn ruckelt und quietscht, aber glücklicherweise fährt. Mir fallen auf, wie viele Straßenlaternen in dieser Gegend kaputt sind, wie wenige Menschen hier noch unterwegs sind. Dabei sagen die Leute doch, Seoul würde nie schlafen. Das gilt wohl nur für das Zentrum.
Auf den zweiten Blick fällt mir auf, dass ein Großteil der Häuser verwüstet wurde. Entweder sind sie abgebrannt, oder die Fenster sind eingeschmissen, oder die Front ist mit Graffiti überzogen. Auf der Straße stehen verlassene Autos, in Nebenstraßen brennen Feuer.
Mir fällt auf, dass ich vollkommen allein in der Bahn sitze, die gerade wohl in das Gebiet fährt, das die Beamten den rebellierenden Bürgern nicht mehr entreißen konnten. Man hat mir und meinem Team immer gesagt, dass dort keine Gesetze mehr gelten, dass wir auf keinen Fall in die Nähe dieses Ortes kommen sollten.
Nur die Gleise der Straßenbahn scheinen, den sicheren Teil von Seoul vom unsicheren Teil zu trennen, doch wenn ich mich anstrenge, meine ich, ein schützendes, leicht flimmerndes Kraftfeld zu entdecken.
Was auch sonst. Man hätte eine gesetzlose Zone so nah am Zentrum wohl kaum ungesichert geduldet.
Namjoon weiß bestimmt viel über diese Zone. Vor ein paar Monaten hat er mir mal erzählt, dass ein paar seiner alten Freunde, mit denen er manchmal noch Kontakt hat, dort leben.
Aber wie lebt man in Ruinen ohne Lebensmittel, ohne Ressourcen?
Seufzend beobachte ich, wie der Zeiger auf meiner altmodischen Armbanduhr die 12 erreicht und fahre mir durch die Haare. Ich glaube nicht, dass mir Yoongi besonders viel zeitlichen Spielraum geben wird.
Außerdem weiß ich überhaupt nicht, was ich erwarten soll. Werde ich einfach auf diesen Platz laufen und Yoongi wird die Lichter flackern lassen? Wird er jemanden schicken, um mich zu ihm zu bringen? Werde ich überhaupt noch mit dem Yoongi aus Fleisch und Blut sprechen können? Werde ich mit seinem Ghost sprechen?
Fragen über Fragen.
Sie kribbeln mir unter den Nägeln und meine einzige Abhilfe ist der Fakt, dass es nur noch ein paar Minuten sind, bis sie beantwortet werden. Hoffe ich zumindest.