Sein erster Atemzug fühlt sich seltsam an. Wenn man jahrelang ohne einen festen Körper gelebt hat, dann vergisst man wohl, wie sich frische Luft in den Lungen anfühlt.
Vorsichtig öffnet er ein Auge, nur um gegen helles Sonnenlicht zu blinzeln, das durch blaue Vorhänge fällt, den weißen Raum gelb erscheinen lässt.
Zuerst versucht er es mit seinen Fingern. Ein ungläubiges Keuchen kommt ihm über die Lippen, als er seinen Daumen gegen seinen Zeigefinger drückt, die Haut sanft aneinander reibt.
Als nächstes fällt ihm der süße Geruch auf, der in der Luft liegt. Morgenbrise gemischt mit Frühlingsblumen.
Aber Moment.
Sollte er nicht eigentlich in dem Labor aufwachen, in dem sie seinen künstlichen Körper fabriziert haben?
Erschrocken setzt er sich auf, tastet seinen Nacken nach einer Ghost-Schnittstelle ab, doch da ist nichts. Da ist nur zarte Haut, die sich so anfühlt, als wäre sie noch nie berührt worden.
Seine Augen suchen den großen Raum nach einem Spiegel ab, während er sich wackelig auf die Beine stellt, ein paar Schritte nach vorne taumelt.
"Was zum Teufel?", entfährt es ihm, als er seine Reflektion im Fenster erkennen kann und er tapst hastig zum anderen Ende des Raumes, um in den Schminktisch-Spiegel zu blicken.
Abgesehen von einem roten Hauch auf seinen Wangen ist seine Haut makellos, seine Haare schwarz wie die Nacht und seine Augen Rehbraun.
Jeglicher Makel scheint von seinem Gesicht verschwunden, jede Einzigartigkeit weggewischt.
Er starrt sich selbst an.
Was ist nur passiert?
Als er eine schwarze Haarsträhne greifen will, fällt ihm ein dunkler Schriftzug an seinem Handgelenk auf. Einige Sekunden vergehen, ehe er die sieben Buchstaben versteht.
FOREVER
Anstatt seine Finger durch seine Haare gleiten zu lassen, streicht er nun über das scheinbar permanente Tattoo an seinem rechten Handgelenk.
Das ergibt keinen Sinn.
Er dreht sich um, sucht den sterilen Raum nach einem Hinweis, nach irgendetwas, das ihm sagt, was zur Hölle hier gerade vor sich geht, ab.
Nichts.
Leere Schränke.
Leere Kommoden.
Leere Regale.
Gerade will er sich frustriert auf das Bett, auf dem er aufgewacht ist, fallen lassen, da fällt ihm der verblichene, gelbe Zettel auf, der auf dem kleinen Nachttisch liegt.
Unwillkürlich greift er nach dem Papier, merkt überhaupt nicht, wie er sich ausversehen in den Daumen schneidet. Das Blut ist rot, nicht schwarz, so wie es bei Robotern eigentlich sein sollte.
Lieber Yoongi,
Du fragst dich bestimmt, wo du bist und wo ich momentan bin. Tja, das ist eine verdammt lange Geschichte.
Er wird beim Lesen unterbrochen, als er etwas hinter sich scheppern hört und fährt herum. Als er die braunen Augen erblickt, von denen er für eine halbe Ewigkeit geträumt hat, wird ihm unglaublich warm.
"Jimin", haucht er.
"Yoongi, d-du bist endlich wach." Jimin streckt seine Hand aus und legt sie auf Yoongis Wange. "Du bist wunderschön."
Sprachlos starrt Yoongi in Jimins Gesicht, noch immer überrumpelt. Die Hand auf seiner Wange fühlt sich so richtig an, er kann es nicht fassen.
Es ist wie ein Reflex.
Er lehnt sich nach vorne und verwickelt Jimin in einen zarten Kuss.
Oh, wie lange er darauf gewartet hat.
Als sie sich wieder lösen, lächelt Jimin. "Komm, wir müssen runter. Die anderen werden bestimmt ausrasten, wenn sie dich sehen."
"A-aber-", will Yoongi protestieren, doch Jimin legt einen Finger auf seine Lippen.
"Wir haben noch den Rest der Ewigkeit, um uns zu küssen. Jetzt solltest du aber zuerst den Leuten danken, die deine Revolution für dich geführt haben, als du fort warst."
Ende
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A/N: Ha! Ich bin doch in der Lage, Happy Ends zu schreiben. Kapitel zehn war recht deprimierend, I know, aber ich hoffe der Epilog war fluffy genug für euch! ❤
Danke vielmals für's Lesen!
Ihr Leser seid awesome!
— Nadja
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Ghost In The Shell - Yoonmin
Fiksi PenggemarEr ist der erste seiner Art. Der erste Roboter mit menschlichem Ghost, mit menschlicher Wahrnehmung, mit menschlichen Gefühlen. Er hat nie hinterfragt, wessen Ghost er in sich trägt, wer er in seinem frühreren Leben eigentlich war, bis er sich plötz...
