Kapitel 11

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Take a Break oder warum man nicht zu viel Zeit im Stall verbringen sollte
Ich hatte gefühlt seit Tagen nur den Stall gesehen, das spürte ich besonders an Maitänzer der sonst nie so einen Aufriss machten wenn ich kam. Es war eher ein ruhiges Brummeln und weiter rumgammeln. Und hier flippte er immer fast aus. Außerdem hatte ich David noch nie außerhalb des Hofes erlebt und jeder Reiter weiß im Stall sind wir anders, als anderswo.

So kam es mir gerade recht, dass David mich am Abend, als ich an ihn gekuschelt auf seinem Sofa saß fragte ob wir zusammen Essen gehen wollen würden. Aber sicher doch! Mein Pony könnte gut ne Pause von mir vertragen um mal wieder etwas runter zu kommen und David meinte auch er könnte eine Pause vom Training gebrauchen, sonst könnte er bald keine Sprünge mehr sehen. Damit war die Sache geritzt.

Am nächsten Tag waren wir erst etwas durch die Kleinstadt in der Nähe geschlendert. Ich kannte die Stadt recht gut, schließlich war ich dort zur Schule gegangen. Trotzdem hatte sich viel in meiner Studienzeit geändert.

In einem kleinen Französisch angehauchtem Café ließen wir uns schließlich an einem der Tische nieder. Sofort steuerte eine Bedienung auf uns zu und ich erkannte in ihr Nina. Mit der war ich früher in einer Stufe und sie hatte mich nie sonderlich gemocht. Auch sie hatte mich dem falschen Lächeln nach zu urteilen erkannt. Wirkte jedoch etwas verwirrt, als sie David sah.

Mist wenn man zur jemandem in der Schulzeit immer gesagt hatte, dass er nie einen attraktiven Typen abbekommen würde und ihn dann mit eben so einem wieder trifft.

Ohne ein Wort oder blöden Kommentar  und reichlich neben der Spur nahm sie unsere Bestellung auf.

„Du bist auch hier zur Schule gegangen?" fragte ich David nach einem kurzen Schweigen. Er schüttelte den Kopf „Nein, ich war auf einem Internat in Bayern" Das erstaunte mich irgendwie. Ich hatte mir ehemalige Internatsschüler immer ganz anders vorgestellt. Irgendwie abgehobener. „Und deine Schwester?" „Ebenfalls auf einem Internat allerdings in der Nähe von London" Das stellte ich mir voll schwierig vor. Allein in einem Internat ohne jemanden aus der Familie. „Was macht Imogen eigentlich?" Das fragte ich mich schon die ganze Zeit. „Sie hat Jura studiert, das Studium sogar ziemlich gut abgeschlossen, aber irgendwie noch nicht ihren Traumjob gefunden. Mein Vater überlegt jetzt sie auch, quasi als Rechtsabteilung, in den Pferdehandel zu holen."

Notiz an mich: David nie meinem Vater vorstellen. Laut dem sind Pferdehändler das schlimmste was es gibt.

„Hast du noch Geschwister?" wandte er sich an mich. Ich schüttelte den Kopf „Einzelkind und eigentlich ganz zufrieden damit" „Das wäre ich bei Ginis Ausrastern auch manchmal gerne" lachte David meinte dann aber „Eigentlich sie ganz in Ordnung und nur halb so schlimm wie momentan. Dover hat sie wohl einfach etwas aufgewühlt. Sie hatte recht hohe Hoffnungen in das Angebot gesetzt." jetzt tat mir Imogen doch tatsächlich etwas leid.

Ich entschied mich die klassischen Fragen nun auch endlich mal abzugrasen „Hast du einen Lieblingsfilm?" „Aha. Jetzt sind wir beim Standartfragenkatalog angekommen" stellte er schmunzelnd fest. Wieso denn auch nicht? „Ja. Death at a Funeral und du? " beantwortete er die Frage und ich durfte feststellen dass mir der Film überhaupt nichts sagte. Ich überlegte kurz. Mein Lieblingsfilm... Hmh... „Jappaloup" meinte ich. „Oh Pferdemädchen durch und durch" es klang aber keines Falls negativ wie David es sagte. „Lieblingsfarbe?" stellte er auch schon die nächste Frage. „Grün" kam es von mir direkt wie aus der Pistole geschossen. „Blau" gab David seine Antwort. Das hatte ich mir schon fast gedacht. „Lieblingspferd?" fragte ich. „Eindeutig Firestorme, also Stormy. Dieses Pferd gibt immer alles, egal ob Dressur, Springen oder Gelände" seine Augen glänzten wie bei jedem Reiter wenn er über sein Pferd sprach. Das zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. „Bei dir kenne ich die Antwort. Ort den du unbedingt mal besuchen möchtest?" „Island. Das sieht landschaftlich immer so schön auf Fotos aus, so ländlich und gleichzeitig auch so mystisch. Irgendwie faszinierend und du?" David schien kurz zu überlegen „Den Heimatort meiner Eltern. Wir stammen ursprünglich aus Yorkshire. In York und Umgebung war ich schon, aber nie im Heimatort meiner Eltern. Eigentlich schon fast komisch" Er lachte über die Erkenntnis und ich stimmte mit ein. Jedoch musste ich viel mehr wegen Yorkshire lachen. Ich sage nur Yorkshire Terrier und Piet. „Lieblingsort?" fragte ich als wir wieder runterkamen. „Ganz klar im Stall!" Ich nickte „Ja. Das ist einfach eine ganz eigene Welt jedes Mal. Als gäbe es keine Uhren und man könne einfach die Zeit um den Stall herum anhalten" so kam es mir zumindest immer vor. David nickte ebenfalls „Besonders die Ruhe liebe ich".

Nina kam mit unserer Bestellung und stellte mir eine Tasse Kaffee vor die Nase. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor seit ich meinen letzten Kaffee hatte. Ich atmete kurz das Aroma ein und nahm dann einen Schluck.

Belustigt beobachtete David mich. „Weißt du warum Piet nie bei uns mit frühstückt wenn er bei Imogen übernachtet hat?" ich schüttelte den Kopf. „Weil es keinen Kaffee gibt, da den Keiner bei uns wirklich mag und Piet ohne Kaffee. Das will man nicht erleben!" Ich musste schmunzeln „Ich komme gut ohne Kaffee klar. Nur ab und zu darf's dann doch mal eine Tasse sein. Mein Vater ist der Kaffeejunkie bei uns" erklärte ich. „Du kommst gut mit deinen Eltern klar?" David griff ebenfalls nach seiner Tasse. Ich nickte „Ja. Mit meinem Papa kann ich eigentlich ganz gut zusammenarbeiten, auch wenn er mir kaum Freiräume innerhalb der Arbeit lässt und mit meiner Mama kann ich über alles sprechen, egal wie wirr es auch scheint. Wie ist das bei euch? Ich fand es bis jetzt immer etwas undurchsichtig?" David atmete tief durch „Naja, ich habe es meinen Eltern Jahre lang nachgetragen, dass sie mich mit 10 auf's Internat geschickt haben, aber mittlerweile ist wieder alles in Ordnung. Wahrscheinlich ein Grund warum ich mich mit meiner Mutter besser verstehe, als mit meinem Vater. Mum hat sehr darunter gelitten mich auf ein Internat zu schicken. Ich meine das erste Jahr war auch wirklich schrecklich! Ich hatte unglaubliches Heimweh. Danach ging es aber und ich bin nach der fünften Klasse auch immer gerne dort gewesen. Das Internat hat mir nun mal auch eine Menge bieten können und ich hatte bis zum Abitur täglich Dressur oder Springtraining." Hmh. Trotzdem überzeugte mich das nicht so ganz. „Ich könnte das nicht. Ich könnte mein Kind niemals auf ein Internat schicken. Ich bin ja schon fast durchgedreht als Maitänzer für drei Monate zum Beritt weg war, das stelle ich mir bei einem Kind noch schlimmer vor" Diese Vorstellung gruselte mich wirklich. Mir kam es herzlos vor sein Kind auf ein Internat zu schicken. Aber Susanna war nun wirklich eine sehr herzliche Frau. Was ihren Mann Mark betraf wusste ich es nicht. Er redete nicht wirklich viel, weder mit seiner Frau, noch mit seinen Kindern. „So schlimm war es wirklich nicht. Mit meinen Zimmergenossen habe ich immer noch Kontakt und wir sehen uns noch ab und zu auf irgendeinem Turnier. Aber bei einem eigenen Kind ist das bestimmt noch einmal etwas anderes. Ich weis nicht wie ich mich da entscheiden würde." David zuckte mit den Schultern.

Da hatte dieser ‚Ausflug' doch echt was bewirkt so ernst hatte ich David am Stall nie erlebt und schlauer war ich auch, zumindest was David und Imogen Thomson betraf.

Catch the Eventer- oder wie verdrehe ich einem Vielseitigkeitsreiter den Kopf?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt