Yorkshire Terrier oder wie man einfach komplett bescheuert seinen kann
Zuhause parkte ich direkt vor dem Stall und brachte als erstes Maitänzer zu den Anderen auf den Paddock. Der Kleine rannte sofort wiehernd auf seine Freunde zu.
Kurz sah ich noch zu wie die Pferde sich begrüßten, dann räumte ich meine Pferdesachen alle wieder zurück in den Spind, der in der Halle mit den Landwirtschaftlichengeräten stand und schloss alles wieder ab. Beim zurück stellen des Pferdehängers an seinen gewohnten Platz würde ich Hilfe brauchen.
Ich schnappte mir noch meinen Koffer aus dem Kofferraum und ging dann auch mal rüber ins Haus. Eigentlich wollte ich direkt hoch in meine Wohnung, aber meine Mutter fing mich noch vor der Haustür ab.
„Und?" fragte sie mit einem hoffnungsvollen Blick. Ich musste mich bemühen nicht zu grinsen. Sie hatte es aber wohl trotzdem bemerkt und richtig gedeutet „Nein! Das ich das noch mal erlebe! Jetzt will ich aber auch alles wissen!" Oh nein das wollte sie garantiert nicht. „Darf ich erst meine Sachen nach oben bringen?" fragte ich in der Hoffnung mir oben schon mal einiges an Worten zurecht legen zu können. „Ja, aber danach erzählst du mir von ihm!" lenkte sie ein.
Hatte ich oben schon wieder die Hoffnung dem Gespräch entkommen zu können hatte ich mich vertan! Kaum wieder die Treppe runter setzte mich meine Mutter in der Küche fest.
„Also war die Verkupplungssache doch keine so schlechte Idee?" fragte sie wissend. „Ja" gab ich zu. „Und wie ist David Thomson so?" in ihrem inneren plante meine Mutter wohl auch schon eine Hochzeit. Ich zuckte mit den Schultern. David fand ich wirklich nicht leicht zu beschreiben. „Er ist süß" war das einzige, was mir einfiel. „Mehr nicht?" verwirrt zog meine Mutter die Augenbrauen hoch. Hatte sie jetzt eine Lobeshymne auf ihn erwartet oder was? „Wann lernen wir ihn denn kennen?" oh je, auf die Frage hätte ich schon gewartet. „Das weis ich noch nicht. Außerdem sollte das alleine schon wegen Papa einigermaßen geplant sein. Du kennst ihn doch" wich ich aus. Mama seufzte und meinte „Wenn du mir nicht mehr erzählen willst!"
Die Wochen flogen quasi nur so dahin und ich hatte David seit unserem Abschied nicht mehr wieder gesehen. Es war nicht so, dass wir nicht oft mit einander schrieben und täglich gefühlt tausend Nachrichten hin und her gingen, aber trotzdem wollte ich ihn einfach nur zu gerne wiedersehen. Aber es kam immer wieder etwas dazwischen wenn wir uns treffen wollten. Das Karma mochte uns wohl nicht.
Ich half gerade die Kühe füttern, da wurde mir etwas bewusst. Es hatte keinen Sinn. Eine Beziehung war ja schön und gut, aber wie soll sie funktionieren wenn man sich nie sah?! Für mich zumindest überhaupt nicht! Kurzerhand griff ich nach meinem Handy und tippte eine Nachricht, die ich noch bitter bereuen würde. Danach arbeitete ich einfach weiter als wäre nichts gewesen. Ich hatte das Ausmaß dieser Nachricht noch nicht ganz realisiert. Ich hatte noch nicht geblickt, dass ich mich soeben von David getrennt hatte.
Bis zur Mittagspause. Ich lief gerade über den Hof und am Hofladen vorbei da sah ich einen Yorkshire Terrier vor der Tür auf seine Besitzerin warten. In dem Moment verstand ich dann was ich getan hatte und mit einem mal ging es mir richtig mies! Ich hätte auf der Stelle los heulen können. Was hatte ich nur getan?!?
Den Rest des Tages verbrachte ich daraufhin auf dem Sofa liegend in meiner Wohnung. Mir ging es beschissen und in meinem Kopf tauchten immer wieder Erinnerungen an die anderthalb Wochen mit David auf.
Mit dem süßen, lieben, einfach perfekten und wundervollen David, dem ich mit der Nachricht wohl ebenfalls das Herz gebrochen hatte.
Er hatte mir zurück geschrieben. Drei Nachrichten. Ich hatte alle drei noch nicht gelesen. Ich hatte sie nicht lesen wollen. Ich hatte sie vor allem nicht lesen können. Machten sie mir doch nur wieder meine eigene Dummheit bewusst.
Gegen Abend klopfte es. Ich hatte es fast nicht gehört sang doch eine gewisse Indila auf französisch traurigschön vom letzten Tanz sang. Meine Mutter kam in den Raum und machte ohne ein Wort die Anlage aus.
„Livi was ist los? Dein Vater sucht dich schon überall und ist ziemlich wütend." ich presste die Lippen fest auf einander und wollte eigentlich nicht darüber reden. „Livi-maus?" besorgt sah sie mich an und ging neben dem Sofa auf die Knie. Liebevoll strich sie mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich habe mich gerade von David getrennt" rückte ich nach einiger Zeit des Schweigens mit der Sprache raus. Das Erstaunen war meiner Mutter genau abzulesen. „Wie soll das ganze funktionieren wenn man sich nie sieht?" erklärte ich ihr und versuchte bemüht nicht loszuheulen. Mama konnte über das ganze nur den Kopf schütteln. Für sie war das ganze augenscheinlich unbegreiflich. „Manchmal muss man auch kämpfen und nicht einfach aufgeben" meinte sie. Aber aufgeben war so schön einfach und leider auch so verdammt schmerzvoll! „Ich weiß wenn man so einen zeitintensiven Job wie du macht, dann ist das nicht immer ganz einfach. Aber Livi das darf dir nie im Weg stehen!" Es war nicht nur mein Job der uns im Weg stand, es war auch Davids Turnierreiterei, Kühe die Krank wurden und Tierärzte die ewig zum kommen brauchten, und Leute die Pferde kaufen wollten und nicht pünktlich zu ihren Terminen erschienen. Es war als hätte sich die Welt gegen uns verschworen. Aufgeben schien mir also das einfachste. Ich seufzte und versank wieder in meinem Selbstmitleid. „Willst du nichts essen?" fragte sie. Ich schüttelte den Kopf „und sag Papa dass es mir Leid tut. Morgen bin ich die Erste im Stall" „Nee! Du erholst dich erstmal von dieser Dummheit, überlegst ob es da nicht noch was zu retten gibt und hilfst mir morgen im Hofladen. Der Dickschädel wird einmal auf dich verzichten können!" Mama verschränkte die Arme vor der Brust. Mit Mama wollte man sich besser nicht anlegen.
Mit Blick auf die Uhr stellte ich fest dass ich die Pferde füttern musste und wollte schon aufstehen, da meinte sie „Die Pferde habe ich schon gefüttert, auch wenn dein Kleiner nach dir gesucht hat." Maitänzer mein Herz! Der musste komplett verwirrt gewesen sein, dass ich ihn nicht gefüttert hatte und noch nichtmal zum kraulen da war. Mein armes Baby! „Morgen früh füttere ich sie auch. Du schläfst dich aus." manchmal könnte ich meine Mutter küssen. Aber war das auch das Richtige? Und zu retten gab es zwischen mir und David nichts mehr oder ich wusste zumindest nicht wie.
Ich hatte es vermasselt. Ich hatte den Glauben an uns verloren. Ich hatte die Aneinanderkettung dieser Umstände als Verschwörung gedeutet. Es war alles meine Schuld.
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Catch the Eventer- oder wie verdrehe ich einem Vielseitigkeitsreiter den Kopf?
RomanceLivinia Keubel kurz Livi ist ihren Eltern wohl schon zu lange Singel, da kommt die Einladung von Susanna Thomson, die sich in den Kopf gesetzt hat eine Freundin für ihren Sohn zu finden, gerade recht. So darf Livi nur eine Woche später mit ihrem Pon...
