Fight oder wie man Zicken mit den eigenen Waffen schlägt.
Das Abendessen war mein persönliches ‚Highlight' des Tages. Grund dafür Imogen Thomson.
Schon als ich rein kam musterte sie mich, sagte aber keinen Ton. Alle anderen fehlten noch. Sie hatte wohl den Tisch gedeckt. Als ich mich setzte und sie freundlich anlächelte kam ihr dann doch etwas über die Lippen „Was finden Sie bloß alle an dir?" Ich zuckte mit den Schultern und meinte wahrheitsgemäß „Ich weiß es nicht". Sie verzog vielsagend das Gesicht. Gott war mir dieses Mädel zuwider! „Naja." sie zuckte mit den Schultern und wollte weiter reden, aber ich hatte die Nase voll! „Damit das hier ein für alle mal ein Ende hat! Was habe ich dir getan?!? Warum zickst du mich ständig an?! Du scheinst mir genug eigene Probleme zu haben um die du dich kümmern solltest." Ich tat einfach mal das was wahrscheinlich das dümmste war. Ich sagte ihr meine Meinung. Ihre kristallblauen Augen verengten sich und sie schnappte nach Luft. „Was weißt du schon?!?" fauchte sie und mir lief es im ersten Moment eiskalt den Rücken runter. Dann fasste ich mich wieder „Du schmeißt einen Job nach dem anderen hin und deinen Freund solltest du vielleicht mal an die ganz kurze Leine nehmen oder dich bestenfalls von ihm trennen. Der flirtet mit allem was ihm unter die Augen kommt. Das weiß jeder hier! Frag mich nur nicht warum dir das nie jemand gesagt hat" „For sure! Hat sich mein kleiner Bruder bei dir über mich ausgeheult und du glaubst jetzt in deiner ländlichen Naivität etwas ändern zu können? Bist du Mutter Theresa oder was?!?" Mutter Theresa?!? Sie bräuchte wohl eher einen guten Psychologen! Zurück giften konnte ich auch „1. Ich bin nicht naiv! 2. David macht sich Sorgen um dich, auch wenn ich das gerade echt nicht verstehen kann. So schlecht wie du über ihn redest. 3. Statt einer Mutter Theresa sucht dir lieber einen Therapeuten." Das hatte gesessen.
Mit großen Augen starrte sie mich an. „David macht sich Sorgen um mich?" fragte sie mit plötzlich so rau klingender Stimme. Ich nickte zumindest hatte ich das so mitbekommen, als wir uns heute Nachmittag noch weiter unterhalten hatten.
Plötzlich sprang sie auf und rannte wie von der Tarantel gestochen aus dem Raum und raus. Durch das Fenster sah ich sie auf ihren Bruder zu rennen und ihm um den Hals fallen. Dann sah sie Piet, drückte ihren verwirrten Bruder von sich und steuerte strammen Schrittes auf ihren Freund zu. Ehe ich mich versah hatte sie Piet eine gescheuert. Das Mädel war anscheinend auch für Überraschungen gut.
Mit David im Schlepptau kam sie wieder zurück ins Haus. Anscheinend hatte ich mit meinen Worten wohl das richtige ausgelöst. Ich wandte mich wieder erwartungsvoll zur Tür.
David war der Erste von beiden der in den Raum kam. „Was auch immer du mit meiner Schwester gemacht hast, das kannst du gerne öfter machen!" strahlte er mich an. Ich lächelte zurück und schwieg. Er musste ja nicht unbedingt wissen, dass ich Imogen angeschrien hatte.
Das Abendessen verlief recht ruhig und ich ging danach in mein Zimmer um schon mal ein paar Sachen zusammenzupacken, da ich übermorgen nach Hause fahren würde.
Ich hatte gerade schon die Hälfte zusammen, da klopfte es und die Tür öffnete sich. Imogen schob sich in den Raum und schloss die Tür direkt wieder hinter sich „Livi. Ich wollte mich bei dir entschuldigen." Äh... was? Hatte ich etwas verpasst?? „Ich hatte eine scheiß Zeit in Dover und David war nicht so begeistert verkuppelt zu werden. Ich wusste ja nicht, dass ihr so gut mit einander auskommt. I'm so stupid" Ich konnte nicht anders. Ich musste Imogen dumm anstarren. Erwartungsvoll blickte sie mich an und strich sich durch die langen dunklen Haaren. „Äh... Ist doch kein Thema" stammelte ich überrumpelt. „Doch! Du bist wirklich nett und du hattest recht was Piet angeht. Ich habe gerade gefühlt dreißig Nachrichten von ihm bekommen." Imogen lächelte mich man und breitete die Arme aus „Freundinnen?" immer noch etwas irritiert schloss ich sie in die Arme und meinte „Freundinnen" „Perfect." ich ließ sie wieder los. Neugierig sah sie sich an was ich machte und fragte „Du packst schon? Wann fährst du?" „Übermorgen" Ich schmiss eine Reithose in den Koffer. „Schon?" Traurigkeit schwang in Ginis Stimme mit. „Ich war anderthalb Wochen hier. Länger kann ich nicht bleiben. Ich habe noch so etwas wie einen Job. Mein Papa bringt mich um wenn ich noch länger bleibe." Oh ja das würde er. Es fehlt ja schließlich eine Arbeitskraft und jemand der die Pferde füttert. „Schade! Dann genieß die verbleibende Zeit mit meinem Bruder noch" sie lächelte vielsagend. Automatisch schüttelte ich leicht den Kopf. Keine Ahnung warum. Es war einfach ein Reflex. Imogen musste daraufhin nur noch mehr grinsen. Da werd mal jemand schlau draus!
Ihr Handy gab einen Ton von sich. Sie sah drauf und verdrehte die Augen. „Piet?" fragte ich und sie nickte. „Er kann sich jetzt noch 10 mal entschuldigen. Es bringt nichts. Ich weiß nicht ob und wann ich wieder mit ihm rede." meinte sie und schaltete ihr Handy eiskalt aus. „Wie lange ging das zwischen euch?" Gini seufzte und zuckte mit den Schultern. Verständlicherweise wollte sie nicht mehr über ihn sprechen.
Stattdessen wandte sie sich meinem Koffer zu. Nichts ahnend schmiss ich schon die nächsten Klamotten rein. „Hätte ich dir gar nicht zugetraut Livi." hielt sie plötzlich einen schwarzen BH hoch. Ich verdrehte die Augen. Auch wenn sie plötzlich nett war, blieb sie auf ihre Art nervtötend. „A little Bit of Lace doesn't hurt anyone" flötete sie und mir stieg prompt die Röte ins Gesicht. Scheiß Thema Imogen. „Oh! Wie cute" kommentierte sie meine Gesichtsfarbe. Was sollte daran bitte süß sein?!? „Verklemmt oder...?" sie grinste. Stopp das Reichte jetzt eindeutig. „Komm, raus hier"! wollte ich sie nervös lachend raus schmeißen, aber Imogen sah es gar nicht ein sich zu bewegen. „My God! Ist doch nichts dabei" sie verdrehte die Augen und setzte sich mit verschränkten Armen aufs Bett. Wenn sie wüsste, dass ihre Annahme nicht ganz stimmte... „Imogen..." sie unterbrach mich „I know not my Cup of Tea, aber das bringt gerade voll die Internatsvibes zurück" Sie lieferte mir gerade noch einen Grund mein Kind nie auf ein Internat zu schicken. Sensationslüstern beugte sie sich vor und fragte neugierig mit einer Spur Ungläubigkeit „Du hattest also wirklich noch nie..." Ich unterbrach sie wieder. Das ganze Thema war mir reichlich unangenehm. „Wie du gesagt hast. Not your Cup of Tea!" „Das war eindeutig eine Antwort!" sie grinste. Ich entschied mich das ganze doch etwas aufzuklären und murmelte „Doch". Kurz schien sie zu überlegen „Auf jeden Fall kein One Night Stand, da bist du nicht der Typ für. Ex Freund?". Ich schüttelte den Kopf. Ein breites Grinsen legte sich auf ihre Lippen. Kann jemand das Mädchen aus meinem Zimmer entfernen?
Es ist offiziell! Imogen Thomson ist eine Nervensäge egal was sie tut und ob sie lieb oder scheiße zu einem ist. Und ich brauchte gerade echt jemanden der mich vor ihr rettet! Das wurde mir mit ihr echt zu unangenehm und vor allem Anstrengend! Wie bekam sie solche Sachen bloß aus einem raus?
Sie legte den Kopf schief und musterte mich „Du passt zu meinem Bruder. So süß und unschuldig" Süß unterschreibe ich. Aber David und unschuldig?!? Das klang im Stall neulich aber etwas anders. Vielleicht sollte sie ihm lieber auf den Zahn fühlen und nicht mir. Eventuell wüsste ich dann auch mal woran ich bin! Denn das erschloss sich mir immer noch nicht: Was waren David und ich jetzt eigentlich? Ein Paar? Oder irgendetwas zwischen guten Freunden und frisch verliebten? Ich hatte inzwischen das Gefühl, dass wenn es nach Susanna ginge wir schon verlobt wären. Aber das konnte sie erstmal schön weit nach hinten schieben!
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Catch the Eventer- oder wie verdrehe ich einem Vielseitigkeitsreiter den Kopf?
RomanceLivinia Keubel kurz Livi ist ihren Eltern wohl schon zu lange Singel, da kommt die Einladung von Susanna Thomson, die sich in den Kopf gesetzt hat eine Freundin für ihren Sohn zu finden, gerade recht. So darf Livi nur eine Woche später mit ihrem Pon...
