On each others Team

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Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Liam und ich erlebten jeden Tag aufs Neue Sachen und bis jetzt wurden wir kein einziges Mal erwischt. Wir waren öfters auf dem Dach und sahen uns das Geländer an, Liam erzählte mir von seinen vier besten Freunden und von seiner Familie. Zwar war ich etwas neidisch, dass er so viele Leute um sich herum hatte, die ihn liebten, doch ich freute mich wiederum auch sehr für ihn. Er hatte es verdient.

„Liam, oh Gott“, presste ich hervor und drückte mich gegen die Wand, „sie haben uns gesehen!“ „Nein, alles gut und jetzt sei leise sonst werden sie es gleich!“, zischte Liam und versteckte sich hinter einem Auto. Ich kniff meine Augen fest zusammen und traute mich nicht sie zu öffnen. Würden wir Ärger bekommen, wenn sie uns erwischten? Würde es das Ende dieser Aktivitäten mit ihm bedeuten? „Aliana, sie gehen, glaube ich. Bleib hier, ja? Ich werde mal schauen“, flüsterte er. Nickend öffnete ich meine Augen und sah ihm zu, wie er etwas krabbelte um sehen zu können, ob die Pfleger immer noch im Parkhaus waren. Es war zwar dunkel hier, doch sie schränkte meine Sicht kaum ein. So konnte ich deutlich erkennen, was er tat. Er richtete sich langsam auf und schlich leise wieder zurück zu mir und grinste. „Sieht du? Alles gut.“ War das sein Ernst? Sie hatten uns fast! Ich knurrte, drehte mich beleidigt um und starrte die Wand an. „Sie hätten uns sehen können! Wir hätten solchen Ärger bekommen können, ist dir das überhaupt bewusst?“ Ich hob eine Braue und sah ihn kritisch an. „Mach kein Drama, Al. Sie haben nichts gesehen. Es waren Pfleger, die wahrscheinlich nach Hause wollten. Aber los jetzt, wir müssen schnell nach oben, bevor uns wirklich jemand hier sieht.“ Er ging voraus und ich folgte ihm mit leisen Schritten. Ich war nicht sauer, nur beleidigt und ich wusste nicht wieso. Liam öffnete leise die Tür, die zum Treppenhaus führte und hielt sie mir offen. „Komm schon, alles gut ja?“, lächelte er sanft. Ich blickte wieder hoch und sah direkt in seine braunen Augen, die im flackernden Licht zu sehen waren und flüsterte; „Tut mir Leid.“ Ich konnte ihm nicht länger böse sein, da er es ja gut meinte. Außerdem hatte ich heute sehr viel Spaß, es wäre unfair ihn jetzt weiter so an zu zicken. Zügig stiegen wir die Treppen hinauf und gelangten zu unserer Etage. Mein Blick viel sofort auf die Uhr. Mist, wir hatten das Abendessen verpasst. Susanna wird mir die Hölle heiß machen und mich dazu drängen, ihr zu erzählen, was ich in der Zeit wo getrieben habe. Lüge, ich brauchte lediglich eine Lüge. Komm schon Aliana, lass dir was einfallen. „Woran denkst du? Du wirst dir gleich die Lippe durchbeißen, lass das.“ Er platzierte seinen Daumen auf meine Unterlippe und befreite sie von meinen Zähnen, die sich reingebohrt hatten. „Oh danke“, seufzte ich und kratze mich am Hinterkopf. „Ich denke nur, dass Susanna-“, sofort hielt ich inne, als ich sie in unserem Zimmer sah. Sie hatte die Arme vor ihrer Brust verschränkt und sah uns tadelnd an. „Was denkst du dir nur, liebe Aliana?“, fragte sie mich, natürlich rhetorisch, da sie mir keine Möglichkeit gab ihr zu antworten. „Wo wart ihr beide? Seit dem Mittagessen seit ihr wie vom Erdboden verschluckt. Um Himmels Willen, ich will eine Erklärung. Jetzt!“ Oh nein, was sollte ich jetzt sagen? Ich wollte sie doch gar nicht anlügen, sie war immer so nett zu mir. Jedoch wollte ich Liam auch nicht im Stich lassen. Liam oder Susanna? Liam oder Susanna? „Liam!“ platze es aus mir heraus. Super, hatte ich das gerade tatsächlich laut gesagt? Beide sahen mich verwirrt an und ich versuchte wieder meinen Atem zu regulieren. Susanna schüttelte nur ratlos ihren Kopf. „Nun?“ Sag was, Aliana Moment, wieso übernahm Liam das nicht? „Liam und ich waren auf dem Gelände“, sagte ich langsam, jedes Wort überlegt. „Gelände, was habt ihr da gesucht?“ fragte sie mich perplex. „Aliana mag den Wald hier sehr“, antwortete Liam locker und mit einem netten gelassenen Ton, „also dachte ich mir, ich könnte sie etwas im Wald rum führen. Natürlich nur da, wo wir hin dürfen.“ Da! Er tat es schon wieder! Dieses Lächeln! Man durfte da nicht reinfallen. Er täuschte einen nur, wenn er so lächelte.

Susanna nickte langsam und sah uns noch ein letztes Mal an. „Wald also? Und wieso seid ihr dann nass?“ Oh, das hatte ich ja total vergessen. Ich blickte an mir hinunter und musste grinsen, als ich an vorhin dachte. „Es hat einen privaten Grund Susanna, den ich nicht laut aussprechen will“, sagte ich und versuchte sicher zu wirken. Ich konnte deutlich Liams Blicke auf mir spüren, doch ich war ein Meister im Ignorieren. Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, doch hielt inne und ging wortlos aus dem Zimmer. Auf meine Lippen schlich sich ein triumphierendes Grinsen, als ich ih hinterher sah. „Private Gründe?“, fragte Liam und sah mich amüsiert an. „Aliana fand den Wald so schön, ich wollte sie rum führen“, äffte ich ihm nach und verzog mein Gesicht zu einer Grimasse. Er lachte und verschwand im Badezimmer. „Sehr Erwachsen“, rief er mir zu. Ich ging zu meinem Schrank und lachte ein laut, gefälscht auf. „Wie lustig du doch bist.“ Als wäre ihm etwas Besseres eingefallen. Was denkt er sich, wer er ist. Aber mal ganz ehrlich, er trat immer so selbst sicher auf, als würden tausende Mädchen ihn verehren, er wusste immer genau was er tat. Komischer Junge. Ich fischte mir ein Top aus meinem Schrank und eine Shorts und lehnte mich an die Tür des Badezimmers. „Beeil dich mal, Payne!“ rief ich und klopfte gegen die Tür. Auf einmal öffnete er die Tür und ich fiel gegen ihn und gab ein „Mhmpf.“ von mir. Meine Augen waren nach unten gerichtet und ich konnte sehen das seine Beine etwas nass waren. Moment mal, er trägt immer lange Hosen. Langsam sah ich an ihm hoch und weitete meine Augen als er halbnackt vor mir stand, nur mit einem weißem Handtuch um seine Hüfte. Er hob eine Braue und sah mich an. „Alles okay? Ich dachte du brichst gleich die Tür ein, Aliana, mal ganz ehrlich, bist du im Geheimem Hulk oder so?“ Ich starrte ihn immer noch verblüfft an. Machte es ihm nichts aus halbnackt vor mir zu stehen? „Ehm, Liam, falls es dir noch nicht aufgefallen ist“, begann ich mit einem bezaubernden, gespieltem Lächeln, „du bist nackt. Ich bin nicht scharf darauf dich so zu sehen also bitte, zieh dir was an.“ „Wie sie wünschen, übrigens ist ihr Habit aus der Reinigung angekommen.“ „Was ist denn ein Habit?“ fragte ich verwirrt. „Eine Ordenstracht.“ Ich runzelte die Stirn. „Und was soll das bitte sein?“ Er verdrehte seinen braunen Augen und ging an mir vorbei zu seinem Schrank. „Eine Nonnentracht.“ Oh, so nennt man diese Dinger also. „Du und deine Witze“, lachte ich wieder einmal schlecht gespielt und verschwand im Badezimmer, um mich Bett fertig zu machen. Ich kam aus dem Badezimmer, während ich meine Haare noch mit einem Handtuch abtrocknete und setzte mich im Schneidersitz auf mein Bett. Unauffällig schielte ich zu Liam, der in seinem Bett lag und die Beine an seinen Oberkörper gezogen hatte. Seine Augen waren fest geschlossen und sein Atem war langsam und regelmäßig. Er schlief also. Lächelnd stand ich auf und schlich leise zu Liam rüber und deckte ihn zu. Ich konnte es immer noch nicht glauben so einen guten Freund zu haben. Er war nett und … einfach toll. Ich musterte ihn langsam und biss mir besorgt auf die Lippe. Zugegeben er war auch ziemlich heiß, aber .. wieso stand ich nicht auf ihn? Ich meine in Bücher verliebt sich doch das arme, hilflose Mädchen sofort in den Jungen, der nett zu ihr ist? War ich etwa lesbisch? Ich überlegte eine Weile und schüttelte meinen Kopf. Nein, ich war 100-%ig Hetero, aber man musste ja nicht gleich auf Jemanden stehen wie in einem verdammten Buch. Sofort lächelte ich wieder als ich mir klar wurde das alles mit mir okay war. Liam war heiß, aber ich stand nicht auf ihn und war immer noch Hetero.

Concealed » l.pWo Geschichten leben. Entdecke jetzt