Eine Novelle:
Ein Wissenschaftler, eine Erfindung, eine Verwicklung mit tragischem Ausgang.
Iakob Greif war ein großer Visionär der Neurowissenschaft. Aufgrund seiner Progressivität, die Einigen als Träumerei galt, wurde er häufig missverstanden, v...
Die Bestie verfolgte sie. Rosie rannte durch den Wald und schlug einen Haken nach dem anderen, doch hörte sie, wie sich ihr das Monstrum stetig näherte. Sie lief um ihr Leben und traute sich nicht zurückzuschauen, zu sehr fürchtete sie, das vor Geifer triefende Maul des Ungetüms zu erblicken.
Sie hörte einen Schrei dem eines Falken gleich. Neben ihr schlug unter gewaltigem Krachen ein Blitz ein. Funken stoben und schwirrten wie Glühwürmchen um sie herum. Rosie sprang über einen brennenden Ast. Hohes Fiepen, Flügelschlagen. Sie musste fliehen, irgendwie musste es ihr doch gelingen.
Ein Ast krachte zu Boden. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie langsamer geworden war. Hinter ihr erklang ein weiteres Kreischen. Sie musste ihre letzten Reserven mobilisieren, sonst hätte sie keine Chance zu überleben. Rosie nahm all ihre verbliebene Kraft zusammen und sprintete los.
Ihre aufgerichteten Nackenhaare bogen sich im heißen Atem des Verfolgers. Der glühende Hauch erwärmte ihren Körper, doch nicht ihren kaltschweißigen Rücken. Irgendwie kam die Wärme nicht von hinten, sie kam von vorn. Angst packte ihr Herz. Kalte, stechende Todesangst. War sie von ihrem Jäger überhohlt worden? Hinter ihr vernahm Rosie ein Krachen.
Sie konnte nicht zurück. War sie in eine Falle getappt? Jagte diese Bestie etwa in einem Rudel? Linkerhand sah sie ein Licht durch die Bäume schimmern. Hoffnung. Sie änderte ihre Laufrichtung. Immer zu auf das heller werdende Licht. War dies das rettende Dorf?
Ihr wurde heiß von der Wärme, die das flackernde Licht ausstrahlte. Sie kam auf eine Lichtung. Rosies Arme waren von Brombeerdornen zerkratzt, als sie die Quelle des Lichts erkannte. Es war ein von Fackeln beleuchteter Tunnel.
Sie rannte auf die Höhle zu. Endlich hatte sie eine Zuflucht. Als sie näher kam erkannte Rosie, dass der Tunnel eine Tür besaß. Aufgehalten von einem kleinen bärtigen Greis. Es war zu spät um umzukehren. Sie hechtete über die Schwelle.
Schwärze. Die Fackeln waren erloschen. Ihre Beine brannten, doch schmerzten ihre von Kratzern übersäten Arme fast noch mehr. Rosie hörte ein Zischen. Dann loderte eine Flamme auf. Im Schein dieser sah sie das bärtige Gesicht des Greises. »Ich beschütze dich, mein Kind.«
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Dunkelheit. Etwas Feuchtes, Warmes, fuhr ihr über das Gesicht. Sie war schweißgebadet, doch schmerzte ihr Körper nicht mehr. Sie lag auch nicht mehr auf dem kalten Steinboden des Tunnels, sondern auf einer weichen Unterlage. Hatte der Zwerg sie verarztet?
Erneut schleckte ihr etwas über das Gesicht. Rosie drehte sich um und sah ihren Wecker in der Dunkelheit leuchten. 2:17. Erleichterung machte sich in ihr breit. Sie griff nach dem Schalter ihrer Nachttischlampe und legte ihn um.
Lutz stand aufgeregt vor ihr. Rosie setzte sich auf und streichelte ihn. Sie konnte kaum ausdrücken, wie glücklich sie war, ihren Hund bei sich zu haben.
Ihr war so, als hörte sie ein Klirren. Der Traum schien sie noch fest im Griff zu haben.
In der festen Erwartung, diese Nacht kein Auge mehr zuzutun, griff sie nach ihrem Buch und begann zu lesen. Auch Lutz beruhigte sich wieder und schlief, während die Seiten nach und nach schwanden, ein.