6- Deal? Deal!

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Kapitel 6

Zu viert gingen wir raus auf meinen Balkon. Es war viel kühler draußen als vorhin, weshalb ich kurz zitterte und ich Gänsehaut überall an meinem Körper hatte. Mein Blick schweifte noch ein letztes Mal in mein recht altmodisch eingerichtetes Zimmer. Ich hoffte ich würde dieses Zimmer nie wieder sehen.

Und jetzt gab es das Problem wie wir meinen Koffer runter bekommen würden. Ahnungslos schaute ich runter in die Tiefe. Wenn wir ihn einfach so schmeißen würden, dann hätte er vermutlich einen zu lauten Knall gemacht. Eine andere Möglichkeit wäre wenn einer schon unten steht und es unten dann auffängt. Oder doch nicht, irgendwer würde im Krankenhaus enden. Lieber nicht. Wie denn dann?

„Wir haben ein kleines Problem.", gestand ich ihnen und lächelte verlegen. Alle drei sahen mich fragend an. Ich deutete auf den Koffer. „Wie wollt ihr den da runter bekommen ohne irgendwen aufzuwecken?", fragte ich und kicherte.

Jetzt sahen sie alle drei gegenseitig an. Rewi schaute zwischen Felix und Palle hin und her. Palle zwischen Rewi und Felix und Felix zwischen Rewi und Palle. Respekt an die, die mitgekommen sind und diesen äußerst komplizierten Satz verstanden haben.

„So.", murmelte Felix und warf den Koffer nach unten. Ich ahnte was für einen Krach das machen würde und kniff meine Augen zu. 3 Sekunden blieb ich so stehen. Wo bleibt der laute Knall? Ich öffnete nur mein rechtes Auge und starrte Felix an. Fliegt mein Koffer? Wir sind hier doch nicht in Hogwarts. Ich schüttelte gemeinsam mit meinem Kopf die Gedanken weg. „Keine Angst, kannst deine Augen wieder aufmachen Kleines." Kleines? Ist das sein fucking Ernst? Ich visierte ihn an. Man muss wissen, dass ich ein richtig böses Gesichtsausdruck haben konnte, obwohl ich äußerlich eher niedlich aussah.

„Was?", prüfte er nach. Niemand darf mich Kleines nennen, außer ich erlaube es ihnen. Das ist ohne meiner Erlaubnis durchaus eine Beleidigung für mich.

„Nenn mich nicht Kleines.", zischte ich nur in einer normalen Stimmlage. Er grinste und schüttelte seinen Kopf. „Wie auch immer."

Kurz darauf, bevor ich mir überhaupt Gedanken darüber machen konnte wie der Koffer am Boden, ohne jegliche Laute von sich zu geben, landete, kletterten wir auch schon nacheinander runter. Ich als letztes. Die Jungs sprangen einzeln wie als wären es 1 Meter runter und machten dann wie James Bond eine Roller vorwärts. Sie könnten tatsächlich bei einem Film als Ersatzmann spielen.

Ich war dran. „Lally, es ist wie im Kletterpark, einfach dort festhalten wo du denkst du bist sicher dort!", flüsterte mir Palle von unten zu. Ich atmete tief durch die Nase ein und durch den Mund aus. Wer schafft diese Kindergarten Klettergerüst nicht? Ha. Ha ha.

Ich kletterte über das Geländer und merkte wie meine Knie anfingen zu zittern. Ich hatte Höhenangst, sogar von 2 Meter. Einfach runterspringen wäre Suboptimal, für mich.
Ich schaute einmal nach rechts und einmal nach links nach hilfreichen Kletteroptionen. Links von mir war ein Regenrinnen Rohr. Die sah ziemlich stabil aus. So naiv wie ich war klammerte ich meine Hände dort und ging wie ein Affe runter. Das ich zitterte war ein Nachteil. Doch, dass es unten an den Röhren, ein bis zwei Meter vom Grund,instabil wäre hätte niemand gedacht. Und da die Jungs einfach runtergesprungen waren konnte es keiner Wissen. Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin abgerutscht beziehungsweise gemeinsam mit den Rohren in meiner Hand, in männliche Arme gefallen. Von wem wusste ich nicht, da ich vor Angst meine Augen schloss. Zum Glück hatte ich nicht geschrien.

Ich hielt das Rohr in der Hand und öffnete langsam meine Augen. Und das erste was ich sehe ist Rewi's und Palle's besorgten Blick. Aber wenn sie vor mir stehen, kann mich nur noch Felix halten. Ich drehte mich ganz leicht nach links und sah mitten in Dners (heißt er so?) grinsenden Gesicht. Ich kann gut raten.

Wieso grinste der Junge immer?

Ich machte mich von seinen Armen frei und sprang mit dem Rohr in der Hand runter.

„Willst du das Rohr mitnehmen?", fragte Felix lachend. Seb lachte und Palle dann kurz darauf auch. Sehr lustig, wirklich.

Ich blieb locker und versuchte eine möglichst kluge Antwort zu geben: „Ja warum nicht?" Und kurz darauf gab ich mir sinnlich einen Facepalm. Man wieso kann ich nie cool bleiben bei Situation, wo ich mit nicht unbedingt hässlichen Jungs rede?

Ach du findest ihn also hübsch?
Nein, das hab ich nicht behauptet!
Du meintest, er ist nicht unbedingt hässlich und vorhin meintest du auch er sei heiß.
Ach komm halt dein Mund.
Habe ich gerade ernsthaft mit mir selber über Felix gestritten? Mir gehts nicht gut, ich sollte schleunigst einen Psychologen besuchen. Ich schüttelte meinen Kopf.

Er lachte spöttisch. Man jetzt hab ich auch einen komplett dummen Eindruck bei ihm hinterlassen. Super gemacht Lally.

„Können wir bitte von diesem Dreckshaus wegfahren?". Rhetorische Frage. Rewi nickte.

„Diesmal fahre ich Felix, du bist die ganze Fahrt hierher am Lenker gesessen ruh du dich hinten aus. Palle du hast ja genug geschlafen, also kannst du vorne bisschen gute Musik aufdrehen und die Versorgung der ganzen Fahrgäste übernehmen, wenn du schon alle Gummibärchen in der Hand hast." Ich muss also hinten sitzen. Mit Felix. Er sieht schon gut aus, okay, er sieht eigentlich extrem heiß aus. Schon wieder schwärme ich über ihn. Was ist falsch bei mir? Sein Verhalten war bisher mir gegenüber auch ganz okay abgesehen davon dass er mich ‚Kleines' genannt hatte aber das vergessen wir mal.

Zu der Tatsache, dass wir 5-6 Stunden alle in dem selben Auto sitzen würden komme ich erst garnicht. Ich vermute, dass Palle traurige Lieder aufdrehen wird, Rewi von seiner Lebensgeschichte erzählt, während Patrick ihn mit Gummibärchen abfüllt und was Felix macht weiß ich nicht. Wahrscheinlich schlafen, weil er die ganze Fahrt hierher übernommen hatte. Toll, dann hatte ich keinen zum Reden. Wie ihr wisst werden die Hintersitze ignoriert. Die vorderen reden mit den vorderen die hinteren mit den hinteren. Ganz einfach.

Wir ließen uns müde auf die Sitze fallen. Rewi öffnete eine Redbull Dose und trank davon einen großen Schluck bevor er den Motor startete. Es war schon 03:04. Mein Sitznachbar schien nicht direkt einzuschlafen. „So alle angurten. Ich will hier keinen sehen, der durch das ganze Auto fliegt, wenn ich Notbremse.", kündigte Rewi uns an und gurtete sich selber an. Alle taten es ihm nach.

Palle schaute aufgeregt die Gummibärchen an. „Paallee könntest du mir die Schlümpfe nach hinten reichen?", fragte ich ihn vorsichtig. Ich wusste wie sehr er die Schlümpf Gummibärchen mochte aber ich mochte sie auch ziemlich gerne.

Zu meinem Glück entschied er sich sie mir zu geben, weil ich heute die „Geisel" bin. Ich lachte. Ich liebe Palle dafür, dass er immer lustig sein konnte egal um welche Uhrzeit. Seine behinderte Stimme verwendete er nicht nur in seinen Videos sondern auch in seinem Privaten Leben. Und genau das war das Problem bei manchen Youtubern. Sie verstellten sich vor der Kamera.

Als ich die Packung in meiner Hand hielt spürte ich wie Felix mich hoffnungsvoll ansah. Ich schielte kurz rüber zu ihm und musste lachen. Er mochte sie auch wahrscheinlich. „Wir machen einen Deal okay?" Ich hatte die Idee meines Lebens.

„Was für einen Deal?", fragte er neugierig nach und sah mich und die Gummibärchen abwechselnd an. Ich grinste.

„Ich gib dir genau die Hälfte von den Schlümpfen, aber dafür musst du mich unterhalten bis wir in Köln ankommen. Die vor mir sind sowieso in einer anderen Welt und ich will hier nicht vor langweile sterben. Deal?", erklärte ich ihm und streckte ihm meine Hand gegen.

Er nahm meine Hand aber schüttelte sie jetzt und meinte kurz und knapp: „Deal!"

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