Drei Dinge können nicht lange versteckt bleiben: die Sonne, der Mond und die Wahrheit.Kapitel 1
Tamlion...
Noch nie in meinem Leben hatte ich die gigantische Mauer überquert. Erbarmungslos und einschüchternd erstreckte sie sich, Stein für Stein, in die Höhe.
Der Versuch oben drüber zu klettern war sinnlos und endete fast immer im Tode. Der einzige Weg diese Grenzen zu überschreiten war mit Hilfe von Magie, welche jedoch nicht jeder hier beherrschte. Mirelia und auch Ikena waren Städte weit entfernt von jeglichem Zauber und selbst in der Hauptstadt galt die Hälfte aller Bewohner als „gewöhnlich". Eben so gewöhnlich wie ein Kind der Sonne sein konnte.
Raiven, mein Begleiter, legte eine flache Hand auf das Gestein und sprach leise die flüssigen Worte in einer –mir bekannten - melodischen Sprache.
Er beherrschte die Magie, anders als ich selbst, beinahe perfekt und erschuf ohne Probleme ein hell-leuchtendes Portal, welches sich langsam unter seiner Hand bildete. Neugierig streckte ich meinen Kopf um Raiven über die Schulter sehen zu können. Sein blondes Haar wehte im eisigen Winde, welcher uns von der anderen Seite der Mauer entgegen peitschte.Mit einem gemischten Bauchgefühl brachte ich mein Pferd noch etwas näher an Raiven, welcher mir nun mit einer Kopfbewegung den Vortritt gab.
Ich nickte, trat zögerlich durch das Portal und ließ somit die einzige Grenze zwischen den beiden Reichen hinter mir.
Schwer atmend hielt ich mir meine Hand vor das Gesicht um mich vor dem kalten Sturm zu Schützen, doch es half herzlich wenig. Noch nie hatte ich etwas anderes als Wärme auf meiner Haut gespürt, geschweige denn, echten Schnee gesehen. Mein Pferd sah es augenscheinlich ähnlich, denn innerhalb von Sekunden wechselte sich ihre Körperhaltung.Ein solarischer Krieger pflegte eine Besondere Bindung zu seinem Reittier, weshalb Ich ihre Nervosität bis in meinen Knochen spürte und als sie panisch auf dem kalten Schnee herumtrampelte beugte ich mich etwas zu ihr vor um ihr durch die helle Mähne zu streichen.
„Schhh Maree, alles ist gut", flüsterte ich ruhig auf sie ein, doch schien sie sich erst zu beruhigen als auch Raiven und seinen Hengst durch das Portal traten.
„Was genau ist nun eigentlich unser Auftrag?", fragte ich an ihn gewandt und sah mich aufmerksam um, wobei mir ein kalter Schauer den Rücken hinab lief und dafür sorgte, dass sich mir die feinen Nackenhaare aufstellten. Ich wusste nicht ob es die Kälte war oder die Tatsache, dass ich zum ersten mal feindlichen Boden betrat.
„Einer unserer Männer hatte den Auftrag Informationen zu sammeln. Laut einigen Quellen formieren sich feindliche Gruppen jenseits der Berge"
Raivens Pferd kam neben mir zum stehen, während sich das Portal hinter uns lautlos auflöste. Skeptisch folgte ich dem Blick meines Begleiters, welcher auf eine Gebirgskette in der Ferne deutete. Ich kannte Raiven seit ich ein kleines Kind war. Einst war er ein Berater meines Vaters, danach war er unter der Aufsicht meines Onkels mein Lehrmeister im Umgang mit dem Schwert und letztlich mein Partner für geheime Aufträge. Doch im Normalfall wurde ich, als Nichte des Königs sofort in solche
Angelegenheiten eingeweiht. Noch nie hatte mich mein Onkel im Dunkeln tappen lassen. Doch heute Morgen bekam ich lediglich die Anweisung meine Ausrüstung zu holen und mein Pferd zu satteln. Weder Marcus noch Raiven hatten mir in die Augen geschaut.„Von ihm fehlt jede Spur", riss mich der blonde, ältere Mann aus den Gedanken.
„Was?"
„Unser Informant. Vor einem Monat hatte er feindlichen Boden betreten, mit dem Befehl dem auf den Grund zu gehen", erklärte er durch zusammengebissen Zähnen und strich sich eine Blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. „Er hat die Mauer nicht mehr überquert."
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Im Bann des Mondes
FantasySie befindet sich in den Armen ihres Feindes, und doch schafft sie es nicht, sich aus seinen Fängen zu befreien... und selbst wenn.. Er hatte nicht vor Sie gehen zu lassen. ~ Das Leben ist voller Entscheidungen und jede Einzelne sollte man mit Bedac...